Fitzelchen

Ein ganz unnormaler Freitagabend

Maximilian Meister schaut, Zufall oder antrainiert, es ist ihm selbst nicht ganz klar, pünktlich um 16.30 Uhr auf seine Uhr und fährt seinen Rechner runter. Es ist Freitag und an einem Freitag muss er pünktlich sein Büro im Westend verlassen, denn sonst kommt die feine Arithmetik des Wochenendes schon vor dem eigentlich Wochenende aus dem Gleichgewicht und es würde nichts ausmachen, wenn dann eigentlich gleich schon wieder Montag wäre.

Freitage sind im Haushalt von Susanne und Maximilian Meister heilig und folgen eigenen Gesetzen. Dazu gehört der nun folgende Besuch des Wochenmarkts, bei dem Maximilian Meister die Zutaten für eines der beiden Freitagsgerichte einkauft. Gäbe es autistische Wochentage, dann wäre, zumindest im Leben der Meisters, der Freitag ein Autist. Der Freitag handelt zwar nicht selbst, aber der Tag gibt einen klaren Ablauf vor, außer Weihnachten oder Silvester fallen auf einen Freitag, aber selbst für einen solchen Fall gibt es einen Plan B an dem man sich bei Meisters entlang hangeln kann.

Auf dem Weg zum Markt tauschen Susanne und er schon einmal ein paar Wochenendvorbereitungsnachrichten aus, keine WhatsApp, mit ihrem Mann schreibt Susanne Meister nur Instant Messaging Nachrichten, der Grund dafür ist Maximilian zwar nicht immer klar, aber er hält sich an diese Vorgabe und auch an diesem Freitag ist die Abfolge der Nachrichten relativ klar vorgegeben. Schweinereien, wie er sie gerne mal versenden würde, gibt es nicht, solche Dinge mag Susanne nicht. Dafür bekommt er ab und an einen Kuss – Smiley, den schicken ihm zwar ab und an auch Kolleginnen, wenn sich sich mal für was bedanken, aber die kommen dann ja per WhatsApp.

Der Weg über den Markt ist routiniert. Fleisch und Gemüse, die weiteren Zutaten stehen im gut gefüllten Vorratsschrank. Frisches Gemüse und ordentliches Fleisch, also irgendwie regional und oder Bio sind wichtig. 

Sollte kein Sekt mehr im Haushalt vorhanden sein, dann müsste sich Maximilian zusätzlich beeilen, denn ein Freitag ohne Sekt könnte ebenfalls das fein austarierte Gleichgewicht eines Freitagabends in eine Schräglage bringen.

Vorbereitung

Während Susanne, wie meistens, auch heute nicht ganz pünktlich sein würde, weil einmal wieder irgendjemand aus dem Umfeld etwas nicht so perfekt erledigt hat wie sie es selbst erledigen würde und sie aus diesem Grund noch einmal nachjustieren muss, begann Maximilian Meister mit der Vorbereitung. Er dreht dazu die Musik laut auf, Susanne würde sie später leiser drehen oder ausmachen, beides konnten ganz individuelle Signale für den weiteren Verlauf des Abends sein. Mit der Musik unter dem Tranchiermesser schnippelte er die Zutaten klein um dann im richtigen Moment, wenn die entsprechende Instant-Message eintreffen würde, den Zubereitungsprozess für das Abendessen in Gang zu setzen. Etwaige Verzögerungen auf dem Weg, wie Staus oder ein unaufschiebbares Telefonat mit ihrer besten Freundin, würden ihm mitgeteilt.

Mit dem Eintreffen von Susanne Meister an einem Freitagabend beginnt der heikelste Punkt eines gesamten Wochenendes, denn sie hat Freitags immer schlechte Laune, die schlechteste Laune der ganzen Woche hat sie Freitags, nie an einem Mittwoch und schon gar nicht an einem Montag. Nach Hause kommen und schlechte Laune haben gehörte zu einem Freitag wie das Amen in der Kirche.

Mit dieser schlechten Laune musste Maximilian umgehen können, falsche Fragen würden zu nicht gewollten Antworten führen und so hatte er sich damit arrangiert an einem Freitag die Stimmung mit Sekt zu heben und so evtl, einige der schlimmsten Klippen zu umschiffen, aber manchmal steuerte die MS Susanne mit Volldampf auf die Bürofrustklippe zu und er wusste nichts und niemand würde sie von diesem Kurs abbringen können.  Erst mit dem letzten Happen würde sich die Laune bessern und begleitet vom Freitagskrimi würde ganz langsam der entspannten Teil eines Freitags seinen Lauf nehmen.

Da wusste er..

An diesem Freitag, der Oktober hatte ein paar Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervorgebracht und zauberte eine fast schon romantische Abendstimmung auf den gedeckten Tisch, betrat Susanne Meister die Küche und strahlte. Sie hatte offenbar gute Laune und motze noch nicht einmal über etwaig falsch drapierte Küchenutensilien. Die Musik lief weiter und beim Abendessen ging es nicht ums Büro.

In diesem Moment wusste Maximilian Meister, dass die Freitage wie er sie kannte nie wiederkommen würden….

Bild: Wolf of Wallstreet – Trailerfoto

Fitzelchen sind Kurzgeschichten und jegliche Ähnlichkeit mit wirklichen Geschehnissen oder lebenden Personen wäre rein zufällig.

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