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FilmMittwoch im Ersten: Eine Handvoll Schmarrn, äähh Briefe.

Bild: MDR/ORF Pedro Domenigg

Im FilmMittwoch der ARD lief am letzten Mittwoch eine Wiederholung aus 2014 „Eine Handvoll Briefe“ der es nicht ins Herzkino-Programm der ARD geschafft hat. Als Herzkino-Experte der ich als Mann mit gebrochenen Herzen und dem Amazon Taschentuch-Abo bin, muss sagen „Genau, da gehörte der Film nicht hin“.

Kein bisschen Romantik, keine aufgeblähten Segel oder wunderbare Landärztinnen-Settings mit Frauen in prachtvoll vollgepackten Dirndln und Uniabschluss die von feschen Buam oder großherzigen Kapitänen, Eignern, Millionären oder gescheiterten aber liebevollen Musikern umgarnt werden.

Stattdessen der schnelle Quicke nach dem Essen mit dem Boss, wie seelenlos und unrealistisch ist das denn….

Dann auch noch eine riesige Packung von „Wie die Mutter so die Tochter“, denn die Frau Mama der Hauptprotagonisten Kristin , überdreht von Mariele Millowitsch mit einem unsäglichem Repertoire an klassischen Sprüchen zum Thema Beziehung ausgestattet, hat wie Kristin (Ursula Strauss) im Leben nicht so richtig viel Glück mit Männern gehabt. Unglaubwürdigerweise könnte Mariele Millowitsch auch die Tochter spielen, denn szenenweise sieht ihre Tochter älter aus als die Frau Mutter.

Kristin hat neben ihrem Chef noch den treudoofen Jungendfreund Lenny an ihrer Seite, der von seinem besten Kumpel, gewohnt lässig und betont intellektfrei von Steffen Groth gespielt, medizinisch und sportlich betreut wird und von diesem zu allerbester 20.15 Uhr Sendezeit mit dem Tipp nach Hause geschickt wird „sich mal ordentlich einen runterzuholen“ anstatt darauf zu hoffen jemals bei Kristin landen zu können.  Während er bei deren attraktiven Freundin (die vollkommen klischeefrei in Nylons und nur mit einem Trench bedeckt bei ihm nach Sex gierend vor der Tür steht) mit erektiler Dysfunktionalität zu kämpfen hat.

Eben dieser Lenny, der sich nach nichts anderem im Bett als nach Liebe sehnt, schenkt seiner Freundin Kristin, die ansonsten als Karrierefrau mit Kinderknick vom Autor angelegt wurde, einen Koffer von der Lost & Found Versteigerung am Flughafen.

Und was befindet sich in diesem Koffer? Ein Brief an einen nicht mehr tätigen Augenarzt, ein Kreditkartenbeleg und ein Haufen romantischer Briefe auf feinstem Papier und mit Maschine geschrieben. WTF mit der Maschine geschrieben?

SPOILER:

Klar, denn mit der Hand geschriebene Briefe hätten die Spannung noch schneller rausgenommen als Lenny einen hochbekommen würde, wenn er mal bei Kristin ran dürfte. Denn dann hätte Kristin sofort gewusst, was der Zuschauer schon kurz vor der Überraschungsparty zum 40. Geburtstag ahnte, nämlich dass die Briefe alle von Lenny sind, der seiner großen Liebe Kristin schon von den ersten gemeinsamen Urlaubstagen in Italien an verfallen ist.

Ich erspare mir auf den Ausflug zum Augenarzt Leo (Fritz Karl) einzugehen, der natürlich in der Zwischenzeit in der Mühle seiner Eltern Papier herstellt und Schweinsbraten und Knödel zubereitet, aber nie Liebesbriefe mit der Schreibmaschine verfasst hat, aber dafür nun endlich den Liebesbrief seiner alten Affäre, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist (klassische Todesursache in Mitteleuropa) in den Händen hält und erfährt, dass sie ihren Mann für ihn verlassen hätte, welchen Kristin durch den Kreditkartenbeleg ausfindig machen konnte und bei der Hochzeit mit seiner neuen Frau alte Wunden aufriss. Alles sehr tragisch und vermeidbar, wenn die von Ursula Strauss als extrem begriffsstutzig gespielte Kristin mal ihr Köpfchen zum Denken und nicht zur Karrieresicherung eingesetzt hätte.

Eine „Handvoll Briefe“ ist eigentlich eine intellektuelle Beleidigung, aber da es so schön durchschaubar zur Sache ging konnte ich den Film bei sommerlichen Abendtemperaturen um die 32 Grad auch nicht abschalten, da ich noch die Hoffnung auf eine Kehrtwende hatte, die aber nicht mehr eingetreten ist.

Am Ende wird natürlich alles gut und Lenny hat Sex und zwar dauerhaften und auch nicht immer nur mit der richtigen Frau, aber egal…es ging ja nur um ein paar Briefe und eine Frau an ihrem 40. Geburtstag die sich ernsthaft bemüht hat den Mann hinter den getippten Zeilen zu finden und dabei extrem deppert durch den Abend wandeln durfte.

Bild: MDR/ORF Pedro Domenigg

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