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Mein Pferd, meine Katze, meine Kinder – ein paar Tage mit Tinder

Bestimmte Lebensumstände haben mich in den letzten Tagen aus einer, oder reiner, Neugier und auch auf der Suche nach, ja was eigentlich, vielleicht Bestätigung, auf Tinder herumtollen lassen.

Tinder ist, wie eine gute Freundin meinte, nicht mehr, und auch nicht viel weniger, als eine weitere Möglichkeit die statistische Möglichkeit zu erhöhen, einen neuen Lieblingsmenschen zu treffen. In den Zeiten in denen Menschen immer weniger Zeit im echten Leben verbringen, sollte Tinder der Statistik sogar einen ziemlichen Boost geben. So die Annahme.

Mein eigentlicher Lieblingsmensch hat sich entschlossen einen anderen Menschen besser zu finden als mich, einen den ich natürlich Kacke finde (darf ich ja wohl mal so sagen, oder?), also sollte ich mir jetzt auch einen neuen Lieblingsmenschen suchen. Eine weitere Annahme.

Falsch! Ich muss erst einmal gar nichts, aber gucken sollte ja erlaubt sein. Ich habe dann mal geguckt und dabei ein paar ganz spannende Sachen festgestellt, aber auch spannende Menschen getroffen, die zwar für die Rolle des Lieblingsmenschen nicht in Frage kommen, aber eben dafür gesorgt haben, dass ich neue und interessante Menschen kennengelernt habe.

Ohne Brille – ab nach links

Außerdem gab es spannende Erkenntnisse über das Balzverhalten meiner männlichen Artgenossen. Mein erster Fehler ist, dass ich auf keinem meiner Tinderbilder eine Sonnenbrille tragen, ohne Sonnenbrille geht eigentlich gar nichts bei Tinder. Haste keine Sonnenbrille, dann wirst du links geswipt. Für alle die sich da nicht so auskennen, mit dem Wisch nach links kommst du auf Rudis Resterampe der digitalen Balzshow.

Schnittmengenunwahrscheinlichkeit

Frauen können, wenn sie Lust haben, jeden Tag unverbindlichen, aber total guten, Sex mit einem anderen Mann haben. Männer leider nicht, denn die Frauen die auf Tinder unterwegs sind suchen alle die neue große Liebe und haben keine Lust auf ein Abenteuer für eine Nacht. Aus der Sicht der Mengenlehre müsste sich daraus eine ziemlich kleine Schnittmenge an Menschen ergeben die sich bei Tinder finden können. Irgendwas sagt mir aber, dass es wohl doch irgendwie nur ein Gerücht ist, also das mit der Suche nach der großen Liebe bei Tinder.

Anatomiekurs

Frauen haben außerdem die Möglichkeit sich anatomisch durchaus weiterzubilden, denn es ist wohl ein weit verbreitetes Ritual den Damen vor dem ersten Treffen Bilder von anatomisch, aus Sicht der Versender, wichtigen Körperteilen zu senden. Eine Dame meinte sie könnte demnächst ein ganzes Dick-Pic-Album auf Instagram veröffentlichen, wenn dies möglich wäre. Wir wissen es wäre eine Ansammlung von dicken schwarzen Balken in unterschiedlicher Länge und Breite.

Hund, Katze, Brücke und bitte kein ONS

Männer können bei Tinder auch eine Menge lernen, bzw. bereits erlerntes Wissen über Frauen bestätigt bekommen. Frauen wollen keinen unverbindlichen Sex, gut hatte ich bereits oben erwähnt, aber da in manchen Tinderprofilen die Aussage „No ONS“ teilweise mantraartig zu Beginn, in der Mitte der Profilbeschreibung und als abschließende Grußformel verwendet wird, möchte ich es eben auch noch einmal hervorheben.

Viele Frauen haben offenbar einen guten Freund, den sie unbedingt mit auf ihre Tinderbilder nehmen wollen um anderen Männern zu zeigen wer demnächst mit dir auf der Grillhütte sitzt. Neben bereits vorhandenen Männern ist es beliebt sich mit seiner Katze, dem Hund oder einem Pferd zu zeigen (was perfekt zu einem alten Song der Ärzte passt). Manche Frauen wollen aber auch rätselhaft bleiben und tarnen sich als Kalenderspruch, Landschaft oder als Frau in einer Gruppe von anderen Frauen. Da weiß man dann nicht immer so genau was einen erwartet, aber ein Treffen mit der Golden Gate Bridge könnte sicherlich auch einmal eine spannende Abendbeschäftigung sein.

Neben der Tatsache, dass Frauen keinen unverbindlichen Sex haben wollen ist es enorm wichtig, dass Männer kinderlieb sind und/oder mindestens über 1,75m als Körpergröße mitbringen. Klassischerweise sollen wir Typen natürlich ernsthafte und intelligente Gesprächspartner sein, was bei einer entsprechenden Körpergröße keine Frage sein sollte, denn offenbar gibt es für viele Damen einen gedanklichen Match zwischen Größe des Mannes und seiner Denkleistungsfähigkeit. Was ich mal mit einem Fragezeichen versehen möchte. Kinderlieb müssen wir deshalb sein, weil manche Frauen eben Kinder haben (ich liebe meine sechs kleinen Racker ist eine schöne Liebeserklärung an die Kinder, aber ich glaube mancher Mann dürfte da schon mal ins Zweifeln geraten).

Tinder als reinen statischen Booster auf dem Weg zu einem neuen Lieblingsmenschen zu sehen, wird der Sache nicht ganz gerecht, denn ich glaube, nach manchem ernsthaft geführten Chat, dass es tatsächlich eine Möglichkeit ist, sich in den Zeiten von Followern statt Freunden, einen Menschen zu treffen der einen a) nach rechts geswipt hat und b) auch sonst mit den Vorstellungen, welche man so mit sich herumträgt, schlicht und einfach matcht.

Ansonsten ist Tinder, wie viele andere Apps, einfach nur ein kleiner aber feiner Zeitfresser. Zeit die ich dann doch lieber in das echte Leben investieren werde, denn es geht doch nichts über die wahrhaften und echten Begegnungen, mit oder ohne Sonnenbrille….

 

Bild: Shutterstock.com

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