Fitzelchen Reise

Lucies Traum

Noch beim Frühstück konnte ich das Geräusch von Lucies Rollkoffer auf dem Flur hören. Meine morgendliche Konstante saß, während ich mich mit lauwarmen Rührei herumschlug, wohl schon im Bus auf dem Weg zum Flughafen.

Mein Blick fiel auf die Menschen auf der Terrasse, mit Pullovern eingepackt mussten sie unbedingt draußen sitzen. Lucie hatte ihre Zigarette bei gleichen Bedingungen nur mit ihrem Höschen bekleidet genossen, all die anderen Menschen mussten sich mit dicker Wolle umgeben. Ich hing meinen Gedanken nach und musste unweigerlich an sie denken, an die junge Frau mit der ich morgens den Balkon für wenige Momente geteilt hatte und in der Nacht ihre intimsten Momente.

Die Geräusche ihres Rollkoffers verfolgten mich auf dem Weg zum Strand und selbst die Brandung der Wellen vermochte es nicht mich daran zu hindern darüber nachzudenken wer Lucie eigentlich gewesen ist.

Anstatt mich in eine der Strandkneipen zu setzen, mietete ich mir eine Liege und sah den schnell ziehenden Wolken zu. Die Sonne kämpfte sich wie in den letzten Tagen ihren Weg frei und ihre Strahlen wärmten mein Gesicht.

Während ich vor mich hindöste nahm ich den Geruch einer Zigarette wahr und schlug die Augen auf.

Auf der Nachbarliege saß Lucie. Ihr silbernes Feuerzeug glänzte in der Sonne und im Gegensatz zu unseren Balkonmomenten hatte sie tatsächlich etwas mehr an, mehr als ihr Höschen.

Sie sah aufs Meer und ihre Augen hatten sich mit Traurigkeit gefüllt. Als ich etwas sagen wollte nahm sie ihren kleinen Finger und hielt in mir vor den Mund und schüttelte den Kopf. Dann sahen wir gemeinsam aufs Wasser hinaus. Die Stille brachte mich fast um, bis Lucie mich anstupste. Ihr kleiner Finger, der mir vorher noch den Mund verschlossen hatte, berührte meine rechte Hand und ich hörte Lucie zu, dann nach einer ganzen Weile stand sie auf und gab mir einen langen Kuss bevor sie sich noch einmal eine Zigarette anzündete, mir einen Zettel in die Hand drückte und endgültig die Insel verließ.

Am Gepäckband in Frankfurt sah ich noch einmal auf den kleinen Zettel den sie mit My Dream beschriftet hatte.

„Once I would like to see the stars over the bright sky of africa during a safari like Karen Blixen did and I would like to feel the deep love she had for Finch Hatton“

Meinem Abholer erzählte ich später mein Koffer sei nicht pünktlich angekommen, damit ich mir die Tränchen verdrücken konnte.

Karen Blixen hat einmal über das Glücksgefühl einer Safari gesagt: „Es gibt etwas bei einer Safari, das dich alle Sorgen vergessen lässt und dir das Gefühl gibt, du hättest eine halbe Flasche Champagner getrunken – ein Gefühl, das dich überschäumt vor tiefempfundener Dankbarkeit am Leben…“

Der Wind nahm zu und ich hatte das Gefühl, lang genug auf meiner Liege gelegen zu haben und machte mich auf den Weg zur Strandbude und einem Glas Rosé. Mein letzter Tag sollte noch ereignisreich werden.

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