Meinung Politisches

Ist der Wassermangel in Kapstadt politisch gewollt?

40l Wasser am Tag und pro Person, diese Menge steht den ca. 4,5 Millionen Menschen  in Kapstadt aktuell zur Verfügung. Eine Stadt die zu den am weitesten entwickelten Städten in Afrika gehört. Pro Tag benötigt die Stadt 600 Millionen Liter Wasser, bis vor wenigen Jahren lag der Wasserverbrauch sogar fast doppelt so hoch. Eine Stadt wie Frankfurt mit 730.000 Einwohnern und ca. 300.000 Einpendlern verbraucht am Tag ca. 128 Millionen Liter am Tag (Stand 2016, Quelle Mainova).

Sollte es nicht bald regnen und die jetzt gerade im Bau befindlichen Meerwasserentsalzungsanlagen nicht noch schneller erweitert werden, deren Kapazität zu Beginn ca. 145 Millionen Liter Wasser am Tag liefern sollen, dann werden die Bewohner der Mothercity bald nur noch 20l pro Tag zur Verfügung haben. Dieses Wasser wird dann auch nicht mehr aus dem Hahn kommen, sondern an 200 Orten in der Stadt verteilt werden. Wasserabgabe unter dem Schutz der Polizei und des Militärs, diese Bilder dürften viele Touristen nicht gerade an die Schalter der Reisebüros locken.

Schon jetzt wird das Wasser aus dem öffentlichen Wassernetz eher als milchig-trübe Flüssigkeit beschrieben, also nichts womit man sich morgens seinen Kaffee zubereiten möchte.

Ist dieses Problem hausgemacht und gewollt?

Die ersten Warnungen über eine sich verschlechternde Situation beim Trinkwasser gab es schon in 2015. Die Verwaltung des Westkaps habe schon damals beim zuständigen Department of Water Affairs nachgefragt, was das Ministerium gedenke zu tun, so berichten es Quellen aus der Verwaltung und die Einwohner der Stadt am Kap.

Das Ministerium ist im Gegensatz zur Verwaltung der Stadt Kapstadt und der Provinz (regiert von der Democratic Alliance) in der Hand des ANC.

Die DA ist der größte politische Gegner des ANC und hat in den letzten Monaten dem ANC einige Wahlniederlagen zuführen können und damit auch immer öfter auf nicht optimale Verwaltungsarbeit hingewiesen.

Nun gibt es immer lauter werdende Gerüchte am Kap, dass der ANC die Wasserknappheit mit Absicht herbeigeführt hat um der DA die Schuld an der Lage zu geben. Über die Verschleppung der Maßnahmen sollte der Regierung am Westkap die Schuld zugewiesen werden. Wer sich am Kap ein wenig auskennt, der weiß, dass diese Theorie nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Wenn erst einmal die Bewohner der Townships kein Wasser mehr haben, dann wird es mehr als kritisch werden und der ANC könnte versuchen daraus einen politischen Vorteil für sich herauszuschlagen.

Bild: Patrick Meier, Stausee auf dem Tafelberg im März 2016

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