Reise

Keine geruchsfreien Esel und Lucie lässt das Rauchen nicht, mein Tag 2 auf Fuerteventura

Nach dem Frühstück ist vor dem Strand, dieses Motto sollte ab Tag 2 dauerhaft mein Begleiter sein, ebenso wie die vormittägliche Bewölkung, der Besuch des Zimmermädchens und Lucies Zigarette auf dem Balkon.

Während ich in meinem Balkonstuhl sitze, noch einen Tee trinke und mein neues Buch lese, qualmt Lucie vor sich hin. Eine männliche Stimme ruft ab und an etwas aus dem Off. Lucie antwortet meistens nicht. Auch an diesem Morgen trägt sie nur ein Höschen. Ich störe sie offenbar nicht und irgendwie sind wir uns sowieso schon so nah, dass ein BH die Situation weder besser noch schlechter machen würde.

Am Ende ihrer zweiten Zigarette ruft die Stimme aus Raum 8212 etwas nachdrücklicher eine Frage auf den Balkon. Lucie ist wie die meisten Frauen, ich weiß ich pauschaliere jetzt, und überlasst mit einem knappen „Your choice“ der Stimme die Entscheidung.

Wir nicken uns zu als sie den Balkon verlässt und ich werfe einen verstohlenen Blick auf ihre Kippenschachtel um sicherzugehen, ob meine Vermutung es handele sich bei meinen Nachbarn um Tschechen richtig ist. Die französischen Zigaretten leuchten zwar schön rot, aber sie tragen keine Steuerbandarole die mich weiterbringt. So muss ich mich auf mein Gehör verlassen und bleibe bei meiner Annahme.

Der Leuchtturm und die Esel

Mein Spaziergang zum Strand führt mich am Skelett eines Pottwals vorbei, an einem zweckmäßigen und wenig schönen Leuchtturm und nach einer kleinen Biegung bin ich in Morro Jable angekommen. Ein klassischer Touristenort, aber mit einem schönen Ortskern und ein paar netten kleinen Restaurants. Nach einem Besuch der Schildkrötenaufzuchtstation im Hafen verspüre ich einen gewissen Bierdurst und mache mich auf, damit ich noch ein Plätzchen in der ersten Reihe in einer meiner Strandbuden bekomme.

Direkt neben dem Faro von Morro Jable nehme ich meinen Platz ein und während ich mein Bierchen schlürfe, die fatale Entscheidung fälle einen Burger zu bestellen tauchen plötzlich drei Esel neben mir auf. Wie aus dem Nichts standen sie da und rochen vor sich hin. Vielleicht ein Hinweis auf die Eselei die ich gerade in mein Handy tippen will? Ruhe und Stille sind ja ganz gute Ideen, aber dafür hätte ich eigentlich mein mobiles Kommunikationsgerät entsorgen müssen.

Die Esel riechen weiter und die Information landet auch fix auf den angeschlossenen Geräten meiner diversen WhatsApp-Gruppen. Ich wollte ja eigentlich Ruhe, dazu komme ich dann auch, denn Jan Seghers hat mit seinem neuen Roman Menschenfischer (Bei amazon oder in jeder Buchhandlung) wieder einmal ein spannendes Meisterwerk um seinen Frankfurter Kommissar Marthaler herumgestrickt. Zeile für Zeile werde ich entspannter, dann kommt mein Burger. Gut, jeder macht mal einen Fehler.

Strand, Drachen und nackte Menschen

Der Wind auf Fuerteventura lädt natürlich nicht nur Surfer ein, auch wer gerne mal einen Drachen steigen lässt, der ist hier richtig. Also am Strand immer aufpassen, denn ab und an liegen da auch mal die Lenkschnüre so rum.

An diesem Tag fällt mir zum ersten Mal die kleine Kolonie der FKK-Freunde auf. Durchweg ältere Touristen, schön durchgebraten und von einer erstaunlich guten körperlichen Konstitution. Die Flucht vor dem nassen Winter in Europa ist für diese Menschen Teil ihres Alterskonzepts wie ich am späten Nachmittag bei einem Gespräch erfahre. Einfach raus aus Deutschland und einen günstigen Flug buchen, eine nette Unterkunft finden und dann ohne die klassische Winterbeschwerden vor sich hinleben. Meine Beobachtung dazu ist, dass die Leute tatsächlich weniger verbissen sind, ruhiger und geduldiger. Für mich selbst und meine wenigen Tage hier am Strand heißt das; noch mehr von dieser Entspanntheit mitnehmen. Wobei noch anzumerken ist, dass es nichts mit dem Thema FKK zu tun hat, ich hatte das Gespräch nur mit einem der FKK-Rentner und seiner Frau (beide angezogen).

Langsam wird es kühl, die Sonne versteckt sich hinter dem Hotelkomplex. Es wird Zeit für meine Casa in Block 8 und noch einen Rundgang durch die Poollandschaft.

Sag mir Quando, sag mir wann

Aus den Boxen der Abendanimation dröhnen italienische Klassiker in spanischer Fassung, was mich nicht gerade fassungslos macht, aber zumindest kann ich für mich sagen, dass ich heute Abend nicht auf dem Oberdeck verweilen werde, sondern mich Herrn Marthaler und seiner neuesten Liebebeziehung widmen werde.

In Zimmer 8212 herrscht die übliche Ruhe des frühen Abends. Über dem Meer versinkt etwas rot glühendes im Wasser. Gegen zwei Uhr in der Nacht werde ich wach.

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