Reise

Tag 1: Hart am Wind mit Jose & Jorge und einem autistischen Ermittler

jose und jorge auf fuerteventura

Mit mir zusammen sitzen noch ca. 187 andere Gäste der netten kleinen Bettenburg in dem reinigungsfreundlch gestalteten Buffetrestaurant und genießen die morgendliche erste Fütterung mit Brötchen und lauwarm gehaltenen Rührei. Kinder schreien, Paare schauen aneinander vorbei und irgendwo mittendrin habe ich mein Buch und meine Brille hingelegt.

Glücklicherweise zeigt mir eine freundliche Mitarbeiterin wo ich mich unter den vielen fremden Mitessern verloren habe und kann mich endlich drei zerstückelten Frauenleichen in Frankfurter Stadtparks widmen.

Die Entscheidung für die lange Hose stellt sich als richtig heraus, denn es ist nicht nur draußen frisch, sondern auch im Restaurant weht einen der stetige Klimaanlagenhauch nahezu direkt in die örtliche Apotheke.

Mein Weg vom Restaurantbereich zurück in Block 8 führt durch eine Art Todeszone der besonderen Art, denn ich muss an der, wirklich schön gestalteten, Poollandschaft vorbei. Dies ist allerdings der Lebensbereich der Animateure, die bereits schon in den früheren Morgenstunden extrem gut gelaunt sind und einen zu lustigen Spielerein überreden wollen.

Ich notiere für mich selbst eine Alternativroute zu suchen, damit ich am nächsten Morgen nicht versehentlich in der Yogafrühgruppe lande.

Vamos a la playa

Der Weg zum Strand ist ein bisschen wie beim Monopoly, denn auch dort kommt man nur direkt ins Gefängnis oder auf Los, alle anderen Karten verheißen einen kleinen Umweg. In meinem Fall ist es das idyllisch an die Hotel und Strand trennende Straße geplante kleine Einkaufscenter, welches als Hauptattraktion eine Apotheke, einen Sparmarkt und eine lustige Douglasfälschung (blaues Design) zu bieten hat.

Besonders Wagemutige überqueren die Straße am Zebrastreifen, weniger abenteuerlustige Strandbesucher nehmen die Unterführung die von einem kleinen Konsortium aus fröhlichen Straßenhändlern und Haarverschönerungsspezialisten, sagen wir mal, liebevoll in Schwung gehalten wird.

Wer eine der beiden Herausforderungen gemeistert hat, steht am frisch geteerten Jogger-/Radschnellweg und kann sich entscheiden, ob er erst einmal nach links oder rechts geht, denn zwischen mir und dem Strand liegt noch ein Naturschutzgebiet und daher ist der Weg zum Sand nicht direkt erreichbar. Ich entscheide mich für links und kann eindrucksvoll die Leseschwäche deutscher Rentner bewundern, die trotz der großen Schilder mit dem freundlichen Hinweis „Tiere bitte nicht füttern“ ganze Wagenladungen nicht gegessener Brötchenreste an die nicht zu fütternden Tiere verfüttern.

Meine Fütterungszeit ist noch etwas hin und daher marschiere ich auch erst einmal ein paar Kilometer am Strand entlang bis ich irgendwann bei einer der drei Strandbuden angekommen bin und mich bei einer kühlen Cerveza der Aufklärung der Frankfurter Prostituiertenmorde, in meinem Krimi, widmen kann.

Dabei werde ich immer mal wieder von dem ein oder anderen Geschehnis am Strand abgelenkt, wie dem einsamen Kinderwagen und der fortschreitenden Fütterungsverblödung deutscher Rentner, aber ich kontere diese Ablenkungsmanöver geschickt aus, in dem ich ein weiters Tropical bestelle ich mich hochkonzentriert auf das Gespräch meiner Tischnachbarn einlasse, wobei ich schon bessere Stories gehört habe und daher dann doch wieder zum Krimi greife.

Füße im Feuer, Nase im Wind….

Jürgen von der Lippe wusste schon wie wir Männer so sind, allerdings musste ich nur meine Nase in den Wind halten, denn der Sand hatte definitiv nichts feuriges an sich, aber meine Sitznachbarn verfeuerten einen Glimmstengel nach dem anderen und daher machte ich mich auf den Weg zu meiner, wie sich noch später am Tag herausstellen würde, Lieblingsstrandbude.

Fuerteventura ist bekannterweise ein Paradies für Surfer, was natürlich mit dem Wind zusammenhängt der hier teilweise recht frisch weht. Obwohl mir netterweise ein paar windstille Tage gewünscht worden sind, hatte der Wettergott mit diesem Wunsch wohl seine Schwierigkeiten und ich musste meine Nase eben ziemlich in den Wind halten, dafür gab es eine gesunde Gesichtsfarbe und der Husten der letzten Tage hatte sich auch noch verflüchtigt.

Jose & Jorge und ein autistischer Kommissar

Während Jose & Jorge ihr Equipment für ihren Gig an der Strandbude aufbauten ermittelte mein autistischer Kommissar weiter in den Abgründen des Frankfurter Bahnhofsviertels und kam dem Mörder der drei Prostituierten immer näher.

Während sich also die Ermittler Seite um Seite an den Mörder heranpirschten, lernte ich einige interessante kanarische Volkslieder kennen und die schmackhafte Küche von Alex aus der Strandbude. Das Hotelrestaurant hatte fortan ausgedient und ich gewöhnte mich Schluck für Schluck an den servierten Wein.

Mit zunehmender Wolkendecke erinnerte mich Fuertventura langsam an eine Nordseeinsel und ich hatte in gewisser Weise Sehnsucht nach Lucie und ihrem Freund. Also machte ich mich auf den Weg, checkte nochmal kurz den Sparmarkt aus und musste feststellen, dass Lucie und ihr Lover offenbar nicht auf dem Zimmer weilten. Da auch gerade keine Kinder durch die Gegend liefen fand ich es erschreckend ruhig und beschloss die Stille mit einer Zigarre und einem Brandy auf dem Oberdeck zu bekämpfen.

Glücklicherweise schlief ich an diesem Abend rechtzeitig ein und hatte schon sechs Stunden Schlaf intus, als gegen 2 Uhr in der Nacht meine Nachbarn in ihre Höhle zurückkehrten und sich ausgiebig miteinander beschäftigten. Ich würde am nächsten Morgen meine Performancebeurteilung gegenüber Lucie korrigieren müssen.

Am nächsten Morgen schaute ich den Wolken zu und vernahm weiterhin die vertrauten Geräusche aus 8212, dann nahm ich die Alternativroute zum Frühstück und freute mich auf einen neuen Tag am Meer.

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