Reise

Anreise nach Fuerteventura, oder Lucie aus Zimmer 8212

Urlaub auf Fuerteventura

Es ist der 26.12.2017 und ich sitze an einem Gate meines Heimatairports Frankfurt, die Sonne ist noch nicht lange aufgegangen und vor mir liegt ein Abenteuer, das mir doch ein wenig Respekt abverlangt. Ich will nicht auf irgendeine einsame Insel fliegen und auch keine Berge bezwingen. Nach 45 Jahren trete ich das erste Mal eine Urlaubsreise alleine an. Dazu fliege ich am 2. Weihnachtsfeiertag und auch noch das erste Mal innerhalb von 23 Jahren wieder als klassischer Pauschaltourist nach Fuerteventura.

Alles durchgebucht; Transfer, Halbpension und Zimmer mit Meerblick

Eine interessante Mischung von anderen Fluggästen wartet mit mir. Übermüdete Mütter mit einem oder zwei Kindern, aber keinem Mann. Rentner mit ihren Enkeln, Familien, junge Paare die sich verliebt oder auch weniger verliebt in die Augen sehen. Vielleicht wollte einer von ihnen vor dem Weihnachtstrubel fliehen und der Kompromiss lautet Abflug am zweiten Weihnachtsfeiertag, da kann man vorher noch jeder Familie einen Besuch abstatten und sich noch schön stressen, anstatt in Ruhe vorher zu fliegen. Habe ich mal vor einigen Jahren gemacht und hatte eigentlich keinem Weh getan. Weihnachten wurde dann halt nochmal im Januar gefeiert. Und wirklich fliehen kann niemand vor Weihnachten, selbst in Thailand unter Palmen dudeln die Weihnachtslieder direkt ins Singhabier.

Mein Ziel ist weniger exotisch, ich reise auf die Kanaren. Fuerteventura, 21 Grad und Wind.

Nach vier Stunden landen wir auf der Insel, es wird geklatscht. Die englische Condor-Crew verabschiedet sich und mir liegt der Snackdeal schwer im Magen, dies ist zumindest meine Begründung für mein leichtes Unwohlsein. Koffer abgeholt, ab in den Transferbus und nur sieben Hotels und mehreren Stoßgebeten später, dass der nächste Schuppen nicht meiner sei, werde ich ausgeladen. Alleine stehe ich da, sonst will hier keiner hin. Na Klasse, aber ich bin noch vor dem Check-In im WLAN drin…läuft!

Nach dem lauten und irgendwie diskussionswürdigen Check-In von vier spanischen Familien vor mir, bin auch ich an die Reihe. Ein grünes Bändchen umschließt von nun an für fünf Tage meinen Arm an und ich bekomme zwei Zimmerkarten ausgehändigt, dann entrichte ich noch 10 Euro Kaution für das Poolhandtuch. Gleichzeitig mit dem Lageplan meiner kleinen Bettenburg bekomme ich die Poolregeln ausgehändigt (keine Handtücher auf die Liegen).

Ein Golfcaddy bringt mich zu Block 8 mit Blick aufs Vordach und den Strand.

Mit meinem grünen Band der Trinkpathie genehmige ich mir erst einmal ein alkoholhaltiges Kaltgetränk und nerve ein paar Leute am Telefon, weil ich mitten unter den vielen Menschen dieses Alleinsein extrem nervig finde.

Ein ausgefallenes Abendessen, eine Traumschiff-Folge und die erste Bekanntschaft mit der Dreistufigkeit der Ekstase meiner tschechischen Nachbarn lassen mich eher etwas unruhig, aber lange, schlafen, dann werde ich am nächsten Morgen von kleinen schnellen Kinderfüssen geweckt. Aus einem der Nachbarzimmer muss eine ganze Horde ausgebrochen sein. Ich stelle fest, dass die Sonne lacht und ich mich nun der ersten wirklichen Konfrontation des Tages stellen muss; dem Frühstücksbuffet.

Lucie aus Zimmer 8212

Bevor ich mich allerdings mit Rührei und aufgebackenen kanarischen Brötchen beschäftigen muss, lerne ich den weiblichen Teil meiner Zimmernachbarn aus 8212 kennen. Lucie, nicht gerade der Schrecken der Strasse, sondern eher eine strassenköterblonde kurzmähnige Mittzwanzigerin steht mit der Kippe in der Hand und nur mit einem Höschen bekleidet auf dem Balkon. Wir lächeln uns kurz an, ich sage Good Morning und gebe einen Daumen hoch und sage „Great Performance“. Sie lächelt, raucht weiter und ich beschließe mir eine lange Hose anzuziehen, denn es ist doch noch etwas frisch.

Dieser Tag kann nur gut werden, denke ich mir und schnappe mir mein Buch und bin erst einmal weg.

3 Kommentare

  1. HIhi, gut geschrieben und sehr unterhaltsam!

    Wir werden dieses Jahr auch wieder nach Fuerteventura fliegen, nachdem es letztes Jahr so schön war!

    Großer Tipp: auch mal mit dem Mietwagen die Insel erkunden, man denkt nicht, wie spannend das kahle Land dann doch sein kann oder auch auf dem Rücken eines Pferdes – es lohnt sich!

    Ganz liebe Grüße,
    Ricarda von CATS & DOGS: http://www.wie-hund-und-katze.com

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