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Follower kaufen ist wie Bordexemplare verteilen und Gewinnspiele von Radiosendern

Reichweite für Instagram kaufen

In der langsam erwachsen werdenden Community der New-Generation der Young Urban Medienschaffenden aka Instagrammer & Snapper regen sich schon über einen längeren Zeitraum die Gemüter darüber auf, dass es Mitbewerber (so etwas gibt es unter den sonst so friedliebenden Social Media Aktivistin wirklich) gibt, die sich Reichweite kaufen um damit mehr Geld für ihre Postings zu bekommen, oder auch mal eine Übernachtung mit Probefahrt in einem Auto einer deutschen Premiummarke.

Reichweite kaufen – ganz alter Hut

Worüber regen sich jetzt die Bilderknipser und Hashtagverteiler bei Instagram so auf, dass es möglich ist mit einem Bild von einem Strand und einer Palme Geld zu verdienen, nur weil man in der Lage ist die richtigen Tags zu setzen, oder weil es andere Leute gibt die noch besser Tags unter ihre arrangierten Kochfotos setzen können und dazu auch noch gleich einen Haufen Likes und Follower einkaufen?

Darum geht es glaube ich. Die Szene der Blogger und Instagrammer ergießt sich in den letzten Wochen und Monaten in Artikeln in denen es darum geht, dass Menschen sich Reichweite kaufen. Bloggerin Nicki Sunderland hat sogar eine Liste von bösen Reichweitenkäufern (#generalabrechnung) in einem Artikel zusammengestellt und die OnlineMarketingRockstars haben es auf facebook geteilt. Enthüllungsjournalismus in der Instagrammerszene, ich sehe ein Picturegate auf die werbetreibende Industrie zurollen, wenn sogar schon von den OMR-Leuten solche Dinge geteilt werden, dann muss etwas geradezu absolut Skandalöses passiert sein.

Ist es aber nicht

Es geht im Mediabusiness immer um Reichweite! Größere Reichweite allgemein, größere Reichweite in der Zielgruppe der sich vegan, kaffeelos ernährenden 2-Personen HH mit einem HHNE von +3.500 oder bei sonst irgendeiner Gruppe von Menschen die eine Mediaagentur als die Zielgruppe für ein Produkt erforscht hat.

Wer Reichweite hat, der hat die Möglichkeit mehr Geld für seine Werbeplätze zu bekommen. Ein altbekanntes Spiel.

Bei Printprodukten gab es mal die Bordexemplare um sich aufzublähen, heute erzeugt bedrucktes Papier an Bord eines Flugzeugs bei Controllern Kopfschmerzen wegen der zusätzlichen Beladung und deshalb spielen die Bordexemplare keine Rolle mehr, aber Print wirkt ja auch so….

Bei Radiosendern gibt es regelmäßig zu dem Zeitpunkt in dem die Reichweite unter den Hörern gemessen wird besonders lustige Ratespiele, bei dem die Hörer möglichst trivial Geld gewinnen können. In der ma radio (so heißt die Analyse auf der Basis dann die Preise für die Spots berechnet und gegenüber den Kunden begründet wird) steht dann eben wer besonders viele Hörer hat, die er vorher nicht hatte, aber Dank des Gewinnspiels nun doch hat.

TV-Sender und Internetportale, sie alle versuchen mit den gleichen Mittelchen ein wenig Fett auf die Reichweitenpolster zu bekommen, damit Mediaagenturen und Kunden sich wohl fühlen, wenn sie ihre Rechnungen bekommen. Die Preise müssen natürlich jedes Jahr steigen, wenn möglich, denn jedes Jahr kommen auch die Agenturen und verlangen im Auftrag ihrer Kunden höhere Rabatte, aber da sind wir dann bei einem anderen Thema.

Instagrammer legt euch wieder hin

Eines der besten Mittel für eine stabile Reichweite sind natürlich ordentliche Inhalte. In Zeiten von Instagram und Snaps in denen es nur noch darum geht sich in einem Meer von aufmerksamkeitsgestörten Fans zu behaupten, in dem möglichst triviale und in Sekundenbruchteilen zu erfassender Content geschaffen wird, bei dem die meisten Nutzer oft in geradezu pawlowscher Manier auf alles klicken was von einem bestimmten Account oder mit einem trendigen Hashtag versehen ist, kann damit aber niemand reich werden.

Da ist es einfacher auf die Mittel der sonst so gerne beschimpften alten Medien zurückzugreifen, zumindest wenn man mit dieser Form der Inhalte seinen Lebensunterhalt verdienen will.

Ich schlage vor die Instagrammerszene legt sich wieder schlafen und regt sich nicht über Dinge auf die es schon immer gab und immer geben wird, in einem Business in dem es eben nur um die Reichweite geht, egal wie sie zustande gekommen ist.

Mancher junger Contentschaffender mag dies ungerecht finden, aber ein paar Leute (auch wenn es Millionen von Instaaccounst gibt, es gibt auch Millionen von Radiohörern) werden an den Gepflogenheiten einer ganzen Branche nichts ändern, auch nicht im dem ein paar Namen in einem Blog genannt werden.

Viel Lärm um Nichts!

Bild: Shutterstock

 

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