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Haben die Gilmore Girls Trump gewählt?

Wann es genau passiert ist kann ich nicht mehr sagen, aber irgendwann in diesem Jahr flimmerten via Netflix die Gilmore Girls aus unserem Fernseher. Ausgelöst durch die Meldung es würde eine neue Staffel dieser Serie geben, hatte meine bessere Hälfte beschlossen sich noch einmal alle Folgen dieser ziemlich schrägen Serie anzusehen.

Halb gezwungen und halb fasziniert ließ auch ich viele der Folgen der Gilmore Girls über mich ergehen, vor allem als uns der Wettergott dieses Jahr den Juni ziemlich feucht präsentierte.

Am Ende der siebten Staffel der Gilmore Girls hatte ich die ganzen schrägen Feste, die Verstrickungen zwischen Lorelai und Luke, sowie die Liebhaber & Spleens von Rory in einer Ecke meines Hirns abgespeichert und konnte diese neulich wieder abrufen, als uns Netflix mit vier weiteren Folgen der Gilmore Girls beglückte.

Stars Hollow, der Inbegriff der trumpschen USA?

Während also Rory und ihre Mutter mit Styroporbechern bewaffnet durch Stars Hollow schlendern und eines der drei Mobiltelefone der erfolglosen Jungreporterin klingelt, beginne ich die Gilmore Girls unter politischen Aspekten zu sehen. Gerade hatte uns das US-amerikanische Wahlvolk damit überrascht sich für Donald Trump entschieden zu haben, da stellte sich mir die Frage, wie hätten die Gilmore Girls und ihr ganzes Kaff gewählt.

Stars Hollow, oder besser gesagt Washington in Connecticut als Vorbild für Stars Hollow, liegt im Litchfield County. Obwohl Connecticut an Hillary Clinton ging, hat Litchfield County sich mit 54,8% für Donald Trump entschieden.

Sind die Gilmores etwa Trumpwähler?

Die Gilmore Girls. Bild: Netflix

Die Gilmore Girls. Bild: Netflix

Rein theoretisch ist die Familie Gilmore eher eine republikanische Wählerfamilie, denn eine der Demokraten. In Connecticut wurden bis 1988 immer Republikaner gewählt, seit dem allerdings nur noch Demokraten. In der Gilmorschen DNA dürfte also noch genügend konservatives Erbgut vorhanden sein.

Richard und Emily sind weder besonders progressiv noch darauf bedacht politisch liberal zu sein. Emily Gilmore verkörpert in ihrem Umgang mit den Hausangestellten geradezu beispielhaft die Grande Dame der weißen amerikanischen Elite, die sich noch nicht einmal mit der Sprache ihrer Hausangestellten auseinandersetzt und diese als lästiges, aber notwendiges, Übel ansieht. Ob sie sich jemals Gedanken darübergemacht hat, was mit ihren Hausangestellten passieren kann, wenn Trump seine Pläne umsetzt? Vielleicht erfahren wir es in einer weiteren Fortsetzung.

Richard Gilmore ist ein Freund des Golfclubs, der weißen Elite die sich abkapselt und meines Wissens hat er nur Kontakt zu weißen Geschäftspartnern und keiner seiner Freund gehört einer nichtweißen Bevölkerungsschicht an.

Richard & Emily wären eine klare Bank für Trump.

Was ist mit Luke? Luke ist sicherlich Trumpwähler. Er ist der verbitterte amerikanische weiße Mann der sich gegen die Veränderungen in der Welt stemmt, einen Spritfresser fährt und sich gegen WLAN im Diner wehrt. Bei ihm gibt es auch nur Kaffee aus Pappbechern to go. Luke geht zwar gerne raus in die Natur, aber das machen viele Republikaner gerne, allerdings ohne einen Blick für den Klimawandel zu haben. In Stars Hollow schneit es ja auch immer so schön, denn hier findet, so wie im Kopf von Donald Trump, der Klimawandel nicht statt.
Kommen wir zum Rest der Einwohner von Stars Hollow, bevor ich zu den Girls komme. Die Bewohner von Stars Hollow sind geschichtsbewusste und feierfreudige Amerikaner, sie begehen ihre Feiertage mit Inbrunst und Stolz. Sie zeigen sich zwar nicht abgeneigt eine Gayparade auszurichten, allerdings eher um damit Touristen anzulocken, sind aber auch nicht unglücklich, als sich herausstellt, dass es in ihrer Gemeinde zu wenige homosexuelle Mitbewohner gibt. Überhaupt sind andere Sitten und Gebräuche für Stars Hollow-Bewohner eher ein Grund sich belustigt zu zeigen und sich wieder auf ihre uramerikanischen Traditionen zu berufen.

Afroamerikanische Mitbürger werden in Stars Hollow durch den französischsprachigen und als latent homosexuell dargestellten Hotelmitarbeiter Michel repräsentiert. Fertig ist die Klischeekiste, denn auch die asiatische Minderheit wird nicht gerade durch ein Exempel an Erfolg dargestellt. In Stars Hollow kommen die nicht-weißen-Amerikaner nicht besonders gut weg.

Stars Hollow hätte sicher mehrheitlich Donald Trump gewählt.

Was aber ist mit Rory und Lorelai

Donald Trump wurde eher von den Lukes dieser Welt gewählt, aber auch viele Frauen, zumindest mehr als erwartet, haben ihm seine Stimme gegeben. Könnten Lorelai und Rory auch dabei gewesen sein?

Korrektes umweltbewusstes Verhalten liegt beiden fern, sie lieben es Kaffee aus Styroporbechern zu trinken, bestellen sich Essen in Plastik-/Pappverpackung nach Hause und lieben es möglichst viele unnötige Autofahrten hinter sich zu bringen. Dieser Punkt spricht eher für ein Kreuz bei den Republikanern.

Lorelai hat ihrer Tochter eine bessere Bildung ermöglicht. Sie konnte diese nicht bekommen, oder wollte sie nicht, weil sie sich mit 16 Jahren für die Geburt von Rory entschieden hat. Keine Abtreibung, obwohl dies auch nach amerikanischen Recht möglich gewesen wäre. Hier hat sicherlich das wertkonservative weiße Elternhaus eine Rolle gespielt. Lorelai ist Unternehmerin, stolze US-Amerikanerin, nicht gerade umweltfreundlich, ist geschieden und alleinerziehende Mutter. Ein ziemliches Durcheinander und damit nicht klar für ein Lager einzuordnen, aber manches spricht dafür, dass auch Lorelai sich für Trump entschieden hätte. Ihr Hotel profitiert hauptsächlich von amerikanischen Touristen, sie muss nicht über den großen Teich schauen, auch wenn sie Paris mag, allerdings in der Postkartenansicht. Lorelai Gilmore hat keine großartige Bildung und ist es gewohnt gegen etwas zu sein. Da die Medien Trump nicht leiden konnten, ist die Chance groß, dass Lorelai dadurch zu einem Kreuz bei Trump verleitet wurde.

Bleibt nur noch Rory als Hoffnungsträgerin. Die teilzeitarbeitslose Jungakademikerin mit einem Verhältnis zu einem reichen, nicht mit ihr verlobten, Zeitungserben als Trumpwählerin? Es ist schwer vorstellbar und auch wenn auch ihr Umweltbewusstsein eher unterentwickelt ist, sie sich lieber mit der weißen Oberschicht abgibt und sich dort auch gut aufgehoben fühlt, hat sie dennoch die meisten liberalen Momente in allen Staffeln der Gilmore Girls repräsentiert. Sie ist eine junge, gut gebildete, Frau, zwar erfolglos, aber ein paar Perspektiven gibt es für sie. Logan Hunzbergers Vater ist so etwas wie ein Donald Trump im Westentaschenformat, da sie ihn nicht leiden kann, dürfte ihre Sympathie für das politische Ebenbild nicht gerade groß sein.

Es ist wohl so, dass Rory Gilmore Hillary Clinton gewählt hätte. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Angst vor Trump als Gilmore Fan?

Die Welt weiß nicht was Donald Trump bringen wird. Wer die Gilmore Girls geschaut hat, der ahnt was kommen kann, denn die sorglose Welt der Gilmores, Hunzbergers und wie sie alle heißen, dass ist die Welt des Donald Trump. Ein weißes Amerika, voller Traditionen und festen Meinungen über die Aufgaben von Hispanics und anderen nicht-weißen Amerikanern. Eine Welt voll von to-go Kaffees und großen Autos. Große Häuser in denen sich alte Damen Gedanken über das alte Amerika machen.

Wer die Gilmore Girls mag, der sollte sich auch mit Donald Trump als Präsident anfreunden, denn die Gilmores und Stars Hollow sind, wie auch in der Realität in Litchfield County, auf der dunklen Seite der Macht zu Hause.

Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, eine in der Stars Hollow den Jahrestag des Mauerbaus zu Mexiko feiert, Emily Gilmore ohne spanisch sprechende Hausangestellte zurechtkommt und es an Weihnachten keinen Schnee gibt, weil Luke immer noch kein Hybridauto fährt.

2 Kommentare

  1. Ich liebe die Gilmore Girls und hoffe nicht, dass das der Wahrheit entspricht.

  2. Niemals hätte Lorelai Trump gewählt!

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