Genuss Wein

Heißt es demnächst bei der WDDW: Ich habe heute kein Krönchen für Dich?

Würde man Monika Reule, die Chefin des DWI fragen, ob sie etwas mit Heidi Klum gemeinsam habe, dann vermute ich, dass sie hier wenig Übereinstimmung sehen würde.

Dabei gibt es eine Menge Schnittmengen zwischen der Wahl der deutschen Weinkönigin und der Topmodelshow von Heidi Klum.

Die 68. Staffel von #wddw

Die Wahl einer deutschen Weinkönigin ist im Vergleich zu Topmodelsendungen wie Germany´s next Topmodel und Curvy Supermodel eher eine Dauerläuferin, denn dieser Wettbewerb fand in diesem Jahr, um mal in der Sprache der Sender zu bleiben, in der 68. Staffel statt. Da müssen Heidi und ihr Topmodelclan noch einige Jahre Fotos verteilen bis sie sich an diese Leistung herangearbeitet haben.

Wie manch anderes Format ist die Wahl der deutschen Weinkönigin, und ihr Amt, einem immerwährenden Wandel unterzogen. Früher mussten die Damen nett aussehen, in Trachten deutschen Wein feilbieten und dem der Zeit angepassten Rollenbild entsprechen. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft hat sich stark geändert und damit auch die Rolle einer Botschafterin des deutschen Weins, nichts Anderes ist die Deutsche Weinkönigin. Heute sind es junge Frauen mit einer sehr guten Ausbildung, einem Job in der Branche die sie repräsentieren und einem Aufgabengebiet, welches deutlich über die Aufgaben einer Winketante hinausgeht.

Wahl der deutschen Weinkönigin, Finale, 30.09.2016, Rheingoldhalle Mainz

Wahl der deutschen Weinkönigin, Finale, 30.09.2016, Rheingoldhalle Mainz

Die diesjährige Siegerin Lena Endensfelder von der Mosel (Bildmitte) ist sicherlich, ebenso wie ihre beiden Weinprinzessinnen Mara Walz (links) aus Württemberg und Christina Schneider aus Franken, eine gute Vertreterin dieses modernen Formats einer Weinkönigin.

Bei der WDDW geht es erst einmal, wie bei GNTM, um eine Auswahl von Kandidatinnen. Die einen möchten Germany´s next Topmodel werden und brennen dafür und andere träumen davon den deutschen Wein als Weinkönigin zu repräsentieren. Bei GNTM entscheiden Castings in verschiedenen deutschen Städten darüber ob sie ihr Gesicht im TV präsentieren dürfen. Bei der WDDW heißt diese Vorstufe Ortweinkönigin und Gebietsweinkönigin, wer es geschafft hat sich als Gebietsweinkönign durchzusetzen darf ins zweistufige Staffelfinale und muss nur damit leben, anstatt mit internationalen Topstars, mit dem gutbürgerlichen Unterhaltungsfundus des SWR auf der Bühne zu stehen. Dafür wird die Wahl ohne nervige Werbeunterbrechungen auf die heimischen Bildschirme übertragen.

Ähnlich wie beim großen Staffelfinale von GNTM wird das Finale der Wahl zur deutschen Weinköniging live und in Farbe übertragen. Dies erhöht den emotionalen Impact bei den Zuschauern die ihre Favoritinnen nicht minder euphorisch unterstützen, als es bei den Fans der Topmodelanwärterinnen der Fall ist.

Die Wahl der deutschen Weinkönigin hätte also die Chance ein Quotenbringer wie GNTM zu sein, wenn da nicht ein paar grundlegende Unterschiede zwischen diesen beiden Wettbewerben vorhanden wären.

Wollte Monika Reule also, vollkommen ungefragt, die Heidi Klum des deutschen Weins werden, dann müssten sich ein paar Dinge ändern. Wobei? Müssen sie es und wäre es gut für die Rolle einer Botschafterin des deutschen Weins?

Der Zuschauer mag lieber Body statt Brain




Der Burgenblogger ist in diesem Jahr das Sprachrohr der Gegner der WDDW. Für ihn ist der Titel der Hauptpunkt seiner Kritik, ansonsten kritisiert er die Dinge die nicht in der Hand des DWI liegen und auch schon in der Vergangenheit kritisiert wurden. Immerhin hatte sich das Bühnenprogramm im Finale im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert. Ein wenig fühlte ich mich an Staatsbesuche in der DDR erinnert, da wurde in der Hauptstadt auch immer die erste Garde vorgeführt und so ist es auch in diesem Jahr in Mainz gewesen. Alles etwas besser als in der pfälzischen Provinz.

Wer sich bei seiner Kritik aber nur am Titel reibt, der vergisst den Idealismus der viele der Anwärterinnen und auch der späteren Weinmajestäten antreibt. Wer ein Casting wie bei GNTM fordert und ein Publikumsvoting, der hat noch nie eine Folge GNTM gesehen, denn da gibt es kein Publikumsvoting. Im engeren Sinne gibt es dies aber bei der WDDW, eine Jury aus siebzig Personen bestimmt wer die Krone überreicht bekommt, also ein deutlich breiter aufgestelltes Entscheidungsgremium als bei GNTM.

Kommen wir aber mal zu den quotenbringenden Unterschieden. Bei GNTM geht es um junge Frauen die gerne als Models arbeiten möchten. Sie träumen vom großen Auftritt auf dem Catwalk und den Fashionshows in Berlin, New York und Mailand. Diese Traumwelt lässt sich besser vermarkten als junge Frauen die statt auf dem Catwalk im Steilhang stehen, und mit ihrem akademischen Wissen dafür sorgen ein Naturprodukt zu vollendeter Reife gedeihen zu lassen. Es geht am Ende bei GNTM mehr um Body, statt um Brain.

Die Ausgangsvoraussetzungen sind gänzlich unterschiedlich. Bei GNTM werden Einzelkämpferinnen gesucht, junge Frauen die ihre eigene Karriere vor Augen haben und nicht im Team von drei Weinmajestäten ein sehr vielfältiges Produkt vermarkten dürfen. Dabei will ich das GNTM-Format in keiner Weise verteufeln, denn es ist so wie das Modelbusiness eben ist, mehr Zickenkrieg und Trändendrüse, mehr Schein als Sein. Unterhaltung eben.
Bei der WDDW gibt es, wie bei GNTM auch, kurze Homestories. Hier erzählen die jungen Damen über Freunde und Familien, dies ist bei der WDDW ebenso wie bei GNTM manchmal etwas zeitintensiv und von einem sehr hohen Wiederholungsfaktor geprägt. Die einen erzählen über ihre Freunde am Catwalk, die anderen über die Traubenernte. Die Reiterei und Sport sind dann bei zukünftigen Weinqueens und Topmodels ähnlich gut vertreten.

Ich habe heute kein Krönchen für Dich

Die Diskussion um die Art der Wahl wiederholt sich so sicher wie das Amen in der Kirche, dabei bilden sich zwei Fraktionen heraus. Die eine möchte die Funktion abschaffen, weil sie nicht mehr zeitgemäß sei und Große Gewächse nicht von jungen Frauen repräsentiert werden könnten. Diese Meinung ist derart sexistisch, da ist nahezu jede Zeile verschwendete Zeit, denn junge und gut ausgebildete Frauen können selbstverständlich deutschen Wein repräsentieren, dafür bedarf es keiner alten Männer die in dunklen Zirkeln festlegen was state of the art ist. Wer so argumentiert hat Angst vor der Zukunft und vor starken Frauen.

Die andere Fraktion hat ein Problem mit dem Titel. Hier ist sicherlich Diskussionsbedarf angesagt, denn wer sich starke Nachwuchskräfte aus der Branche als Repräsentanten wünscht, der muss auch darüber sprechen ob es sein kann und darf, dass nur Frauen diesen Job machen. Es wäre also tatsächlich an der Zeit in den Gremien darüber zu sprechen, ob wir nicht in Zukunft den oder die Deutsche Weinbotschafter/in suchen und nicht eine Königin. Damit hätten auch junge Männer die Chance ihr Fachwissen ins Spiel zu bringen und gleichzeitig würden der Titel besser zur modernen und intelligenten Form der Amtsausübung passen.
Damit würde zwar Monika Reule die Chance genommen den Satz zu sagen „Ich habe heute kein Krönchen für Dich“, aber damit könnte sie vermutlich gut leben, denn wer ihre Dankesreden für die Weinköniginnen verfolgt, der weiß das ihr jede der Damen am Herzen liegt und sie mehr auf die fachlichen und menschlichen Werte achtet, anstatt auf Insignien wie eine Krone.

Schoppenqueen oder was?

Wer die Wahl der deutschen Weinkönigin auf breitere Füße stellen will, der muss auch damit rechnen mehr RTL zu bekommen, statt einer einschläfernden Dosis SWR3. Nur dafür kann weder das DWI, noch die jungen Damen die sich um den Titel bemühen etwas. Das Format der Weinkönigin ist eben, etwas staatstragender als der Topmodeltitel, auch wenn dies nicht sein müsste. Es ist sicherlich eine gute Idee neben dem Titel auch über die Form der Präsentation des Finales nachzudenken. Viele gute Elemente hätte die WDDW (neben einem guten Kürzel) sicherlich zu bieten, es muss ja nicht gleich Germany´s next Winequeen sein, denn es geht um mehr als um einen Modelvertrag und ein Cover, es geht um die verantwortungsvolle Repräsentantin, oder Repräsentanten, des deutschen Weins. Dazu gehört sicherlich auch die Frage, ob der Job neben Reisekosten, einem eigenen Auto, Kleiderbudget und Tagesspesen ein festes Gehalt benötigt, wobei ich nicht glaube, dass die Deutsche Weinkönigin sich schlechter stellt als die vom Burgenblogger geforderte Junior PR-Managerin. Die muss sich ihre Klamotten nämlich selber kaufen und ein Auto gibt es auch nicht einfach mal so für einen Junior.


Es ist nicht alles so einfach, wer eine Institution abschaffen will muss sich überlegen was dann passiert. Ich freue mich auf alle Fälle auf die nächste Wahl einer Botschafterin oder eines Botschafters für den deutschen Wein.

Meine Live-Reportage von der Wahl der 68. Deutschen Weinkönigin findet ihr hier.

1 Kommentar

  1. Quoten steigen seit Jahren. Ein Phänomen, das auch der lebendigen Community zu verdanken ist. Bei Facebook erreicht das Thema (organisch wohlgemerkt, also ohne Anzeigengeld) mühelos sechsstellige Reichweiten rund um die Wahlwoche. Auch der SWR ist mit #WDDW nicht nur zufrieden, sondern schenkt dem Thema im Rahmen der Vorwerbung immer höhere Aufmerksamkeit – aus gutem Grund. Dieses Jahr hatten wir dank des LIVE Streams auch Zuschauer aus der gesamten DACH-Region, UK, den USA und Australien, um nur einige zu nennen. Danke an den Autor für „neue Drehs“ zum Thema. F. Schulz

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