Mainhatten Restaurants

Laube, Liebe, Halsabschneider – Gastrokritik

Mitten im neuen Europaviertel von Frankfurt steht ein gastronomischer Betrieb von dem ich nun schon einiges gehört hatte und den ich nun zweimal besucht habe, damit ich mir ein Bild vor Ort machen konnte.

Zuerst einmal ist das Lokal, mit dem schönen Namen Laube, Liebe, Hoffnung, in einer tollen Location untergebracht und hat sogar einen kleinen Aussichtsturm. Dies liegt daran, dass sich hier früher eines der Verkaufsbüros für das Europaviertel befunden hat. Vom Turm aus sollten die Investoren einen besseren Überblick haben.

Laube mit Ausblick

Laube mit Ausblick

Tolles Personal & gute Speisen

Oft liegt es bei Restaurants am Personal, wenn es mal nicht läuft, oder etwas nicht stimmt. Dies ist beim Laube, Liebe, Hoffnung definitiv nicht der Fall. Bei beiden Besuchen traf ich auf freundliches und kompetentes Personal. Die Qualität der Speisen, einmal von der Abendkarte probiert und am Sonntag von der Grillkarte, sind gut und die Küche beherrscht offenbar ihr Handwerk. Gut, die Grillwurst hatte von der einen Seite etwas mehr Hitze abbekommen als die andere Seite, aber das kann immer mal passieren und sie wurde auch nur teilverbrannt serviert.

Getränkeauswahl

Bei den Getränken gibt es auch keine Kritikpunkte, zumindest was die Auswahl angeht. Die Weine sind kein vollkommener Frankfurter Gastroallerlei, sondern mit Weinen u.a. aus den Kellern der Rheinhessin Lisa Bunn schon eher eine Überraschung.

Preise – zum Teil vollkommen überzogen

Leere Gläser, nach einem Besuch bei LLH aber auch leere Taschen.

Leere Gläser, nach einem Besuch bei LLH aber auch leere Taschen.

Das ein Gastronom Geld verdienen muss ist eine Selbstverständlichkeit. Gute Produkte, ordentliches Personal und auch die Miete müssen verdient werden. In Frankfurt ist alles ein klein bisschen teurer, dafür sind wir unter uns (frei nach den Ärzten), aber es gibt Grenzen dessen was ich als teuer aber noch vertretbar ansehe, weil die Lage, das Produkt, etc. es rechtfertigen.

Im Laube, Liebe, Hoffnung hat aber offenbar jemand den Taschenrechner bis zum Maximum ausgereizt und auch die Gäste nehmen es noch hin, die Frage ist nur wie oft sie es akzeptieren z.B. für eine Flasche Wasser 7,30 € zahlen zu müssen.

Bei Weißwein von Lisa Bunn nimmt der Inhaber für ein Glas 0,2l Grauburgunder 8,90 €. Die Flasche kostet im Onlineshop des Weinguts (0,75l) 8,50 € für Endkunden. Der Gastropreis dürfte bei ca. 5,00 € liegen. Da sind 8,90 € für 0,2l schon wirklich frech. Ein Wirt darf gerne mit dem Faktor 3 rechnen, aber hier haben wir einen Faktor von 6,67 (bei einem Gastropreis von 5,00 €).

Die andere Variante wäre für einen Gastronom ebenfalls wenig schmeichelhaft: Er kann nicht einkaufen.

Eine Bratwurst mit Pommes und Salat kostet 12,50 €. Die Bratwurst ist geschmacklich ok, der Salat eher klein, die Pommes schön kross, aber sind 12,50 € wirklich gerechtfertigt? Ich glaube eher nicht. Bei der Abendkarte zieht sich diese Kalkulation durch alle Angebote durch. Flammkuchen für 18,00 € ist auch schon eher etwas was ich auf Sylt und Monaco erwarten würde, aber nicht in einem Restaurant zwischen zwei Baustellen.

Schade

Das Laube, Liebe, Hoffnung finde ich wirklich gut. Ein tolles Konzept mit einer schönen Speisekarte, einer guten Getränkeauswahl, netten Servicekräften und es ist liebevoll gemacht. Nur die Preise, die machen mich wenig hoffnungsvoll, dass sich dieser Laden auf Dauer hält, bzw. ob er das Restaurant für die Nachbarschaft sein wird, oder ein Spesenritterlokal in der Nähe der Messe. Ich glaube die zweite Option wäre eine schlechte und eine die wir schon zu oft in Frankfurt haben.

Vielleicht gewinnt die Liebe

Der Name des Lokals variiert vielleicht den bekannten Bibeltext eines Paulusbriefes: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ (1. Korintherbrief, Kap. 13, Vers 13), daher mag ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Besitzer zu Sinnen kommen und aus Liebe zu ihren Gästen einmal ihre Kalkulation überdenken. Glauben mag ich es nicht nur….

3 Kommentare

  1. Bratwurst mit Pommes und Salat für 12,50 €? Ich glaube es nicht!
    LG
    Sabienes

  2. Sehr geehrter Herr Meier,

    vielen Dank für Ihren Artikel und Ihr Lob unserer „tollen Location“, der Qualität unserer Speisen, der schönen Speisekarte, unserer überraschenden Weinauswahl, des „tollen Personals“ und der „liebevoll gemachten“ Details unseres Gesamtkonzepts.

    Wir verstehen gut, dass Sie sich rundum wohlgefühlt haben, sich aber noch wohler gefühlt hätten mit einer niedrigeren Rechnung. Sie gehen sogar soweit uns in Ihrer Headline „Halsabschneider“ zu betiteln. Bevor wir auf Ihre angeblichen Belege für diese Bewertung eingehen, lassen Sie uns zum Ausdruck bringen, dass unsere Gäste nun bereits seit fast drei Jahren unsere Haltung zu fairem Umgang mit unseren Ressourcen – Mensch, Tier, Pflanzen – und der sich daraus ergebenden Preisstruktur teilen und sie gerne bereit sind, für ein gutes Produkt einen angemessenen Preis zu zahlen.

    Nun erlauben Sie uns aber kurz die Richtigstellung aller Fakten:

    Richtigstellung 1 – Thema Wein:
    Sie haben den Preis des Ortsweins Grauburgunder von Lisa Bunn gegoogelt. Herr Meier – wir schenken nicht den Ortswein aus, sondern den Grauburgunder Reserve Lisa Bunn, das ist der Lagenwein, also der hochwertigste Wein dieser Winzerin. Dieser kostet 15 Euro pro Flasche – nicht 8,50 Euro! Unser Preis pro Glas, von 8,90 € für 0,2 l, ist also mehr als angemessen. Frau Bunn hat uns auch mitgeteilt, dass Sie sogar bei Ihr auf dem Weingut angerufen haben, um mit Nachdruck den Preis zu erfahren. Schade, dass Sie trotz der wahren Information von Frau Bunn, das wir in der Laube den Lagenwein, also das hochwertige Produkt, ausschenken, Ihren Artikel nicht wahrheitsgemäß formuliert haben.

    Richtigstellung 2 – Thema Flammkuchen:
    Unser Frankfurter Flammkuchen kostet nicht 18 Euro, sondern 15 Euro. Ihnen mag auch dieser Preis hoch erscheinen, aber wir fertigen keine Tiefkühlware, sondern der Gast bekommt einen mit frischen, nachhaltigen Zutaten zubereitetes Produkt, das er in dieser Kombination nirgends sonst findet. Dazu servieren wir zudem einen bunten Tomatensalat mit Musik, die Kräuter sind übrigens frisch aus unserem eigenen Kräuterbeet.

    Richtigstellung 3 – Thema Bratwurst:
    Auch hier gilt – unsere Bio-Bratwurst ist von erstklassiger Qualität. Für uns gehen Qualität und nachhaltiges Handeln zusammen. Das hat seinen Preis – gerade bei Fleisch und Wurst. Massentierhaltung lehnen wir ab, schönerweise teilen diese Haltung die meisten unserer Gäste. Würden wir marktübliches Fleisch verwenden, könnten wir Ihnen die Bratwurst günstiger anbieten und sicherlich mehr Gewinn daraus erwirtschaften. Das würde aber gegen unsere Ethik und unsere Überzeugungen verstoßen. Unsere Bio-Bratwurst mit Lauben-Pommes und frischem Gartensalat mit hausgemachtem Dressing für 12,50 Euro sind ein absolut fairer Preis für die Qualität.

    Richtigstellung 4 – Thema Wasser:
    Auch die Auswahl unseres Wassers haben wir bewusst getroffen. Daher kommt bei uns „Black Forest“ still – Deutschlands kochsalzärmstes Mineralwasser auf den Tisch, und „Peterstaler medium“, ebenfalls aus dem Schwarzwald. Den von Ihnen monierten Preis von 7,30 Euro für ein Qualitätswasser finden Sie in vergleichbaren Restaurants in Frankfurt und Umgebung.

    Wir hoffen, dass wir mit diesen Ausführungen einiges richtig stellen konnten und würden uns freuen, Sie wieder als Gast in der Laube begrüßen zu dürfen.

    Ihr Team Laube Liebe Hoffnung

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