Reise Südafrika

Zu Fuß auf den Tafelberg

Von der Waterfront aus ist der Tafelberg ein kleiner Berg der sich gegen den wunderbar blauen Himmel deutlich absetzt. Mit der Seilbahn kommt man innerhalb von 12 Minuten auf den 1086m hohen Hausberg der Kapstädter. Diesen Berg wollen wir am vorletzten Tag unserer Gruppenreise bezwingen und wir sind bester Laune als wir am frühen Morgen in den Bus von Frank einsteigen. Wir haben festes Schuhwerk dabei, Bananen und andere Energiespender und selbstverständlich jede Menge Wasser. Die 4l im meinem Rucksack werde ich am Gipfel ausgetrunken haben und froh sein mehr eingepackt bekommen zu haben, als es in vielen Reiseführern angegebenen ist.

Der Tafelberg soll vor ca. 500 Jahren das erste Mal von Antonio d’Saldana, einem Portugiesen, bezwungen worden sein. Wir wollen es ihm nachtun und bei Sonnenschein und 18 Grad starten wir am Fuß des Tafelbergs auf ca. 200 Höhenmeter zu unserer kleinen Wanderung.

Der Kastelspoort Wanderweg

Wir haben nach vielen Diskussionen beschlossen, es uns nicht einfach zu machen, daher nehmen wir den Kastelspoort Wanderweg. Frank unser Guide hat uns in der Entscheidung bestärkt, denn dieser Wanderweg soll einer der schönsten sein.

Erst einmal entlang der alten Wasserrohre

Erst einmal entlang der alten Wasserrohre

Es geht zu Beginn ganz gemütlich los, wir laufen den Pipe Track Weg entlang. Hier liegen alte Wasserrohre und es geht ohne merkliche Steigungen und von ein paar Bäumen geschützt gut los, dann verlassen uns die Bäume und wir bekommen einen ersten Eindruck auf was wir uns eingelassen haben, der Blick nach oben macht einem klar – Du bist noch lange nicht oben – !

Wir brauchen ungefähr eine Stunde und einen Geocache um an eine Weggabelung zu kommen. Hier, etwas unterhalb der 12 Apostel, geht der Kastelspoort richtig los. Zu Beginn ist der Weg so etwas wie ein in Natur geschlagenes Treppenhaus, es geht Stufe um Stufe nach oben. Kaum ein Baum der einen vor der immer stärker werdenden Sonne schützt. Wir haben unsere Kopfbedeckung auf und sind froh um jeden Griff in den Rucksack der einem noch ausreichend Wasservorrat signalisiert.

Wegweiser zum Kastelspoort

Wegweiser zum Kastelspoort

Der Mensch und sein Müll

Kein Baum, kein hoher Strauch. Sonnenschutz ist wichtig

Kein Baum, kein hoher Strauch. Sonnenschutz ist wichtig

Auf dem Weg nach oben werden wir mehrfach von Trailrunnern überholt, die samt Hund, Katz & Maus den Berg hochrennen, was die eigene Motivation stark ankratzt. Sie rennen den Berg hoch, wir erleben ihn und haben wunderbare Ausblicke und lernen viel über Flora & Fauna. Wir lernen aber auch viel über unsere Mitmenschen und den mangelnden Respekt vor der Natur. Selbst hier auf einem Wanderweg wird der Müll teilweise achtlos weggeschmissen oder Pflanzen abgeknickt und/oder abgeschnitten um als Fotodeko zu dienen. Es ist eine traurige Erkenntnis, dass der Mensch viel zu achtlos und eigensinnig handelt. An manchen Stellen begegnen wir sogar Stacheldraht, die wohl einzige Möglichkeit Wanderer davon abzuhalten sich selbst und andere in Gefahr zu bringen. Ein trauriger Anblick an so einem wundervollen Ort.

Wir machen Pause, packen unseren Müll ein und freuen uns über die gute Luft und kommen gut voran. Es dauert ca. 1,5 Stunden und wir stehen auf 730m. In diesem Moment ist das Ziel eigentlich schon zum Greifen nah, aber der Tafelberg ist ein Meister der Täuschung und wir werden an diesem Tag noch ein paar Mal das Gefühl haben – Gleich sind wir da – !

Gemeinsam haben wir es geschafft.

Gemeinsam haben wir es geschafft.

 

Das Sprungbrett

Frank führt uns zu einem der aufregendsten Spots des Tafelbergs: Dem Sprungbrett – Eine Klippe die aus dem Fels herausragt und einen einlädt sich mal so richtig in die Hose zu machen vor Respekt. Mir haben selten so die Knie gezittert wie auf diesem kleinen Stück Fels, aber es ist für mich einer der unvergesslichsten Momente in meinen ganzen Leben. Unzertrennlich verbunden mit dieser Reise und diesem wundervollen Land.

Da zitterten mir die Knie

Da zitterten mir die Knie

Der Blister Bush, die Hitze und der Höhepunkt

Vom Sprungbrett aus geht es weiter nach oben. Frank warnt uns eindrücklich vor dem Blister Bush, einer Pflanze die juckende Hautrötung auslösen kann und wenig Freude bereit. Lasst euch diese Pflanze unbedingt von einem Tourguide zeigen, wenn ihr auf den Tafelberg steigt.

Der Tafelberg ist nur 1086m hoch, sein höchster Punkt der Maclear’s Beacon ist unser Hauptetappenziel auf dem Weg zur Seilbahnstation. Wir stapfen vom Sprungbrett bei Sonnenschein los und bald schon merken wir wie stark die Sonne brennt. Ohne natürlichen Schutz vor der Sonne geht es durch das „The Valley of the Red Gods“ Weg zum „Valley of isolation“ und zum „Echo Valley“.

Dabei sind wir dankbar als sich irgendwann eine große Tischtuchwolke über den Wanderweg legt und uns etwas Abkühlung verschafft. Am Wegesrand stehen große Proteas, kleine Tierchen schlüpfen durch die Pflanzen und es ist wunderbar still.

Gedenktafel am Maclear's Beacon

Gedenktafel am Maclear’s Beacon

Da unser Ziel der Maclear’s Beacon ist, nehmen wir nicht die Leiter (hätte ich nie im Leben gemacht) zum Hauptplateau, sondern laufen an den Stauseen vorbei und stellen fest, dass der Tafelberg keine Platte ist, sondern ziemlich bergig und wir immer wieder runter laufen, in ein kleines Tal, dann geht es wieder rauf. Oben angekommen schauten wir dann meist in das nächste Tal. Dieser Abschnitt ist aus meiner Sicht der anstrengendste Teil der Wanderung, aber auch eine schöne Möglichkeit sich auf sich zu konzentrieren und die Umwelt auf sich einwirken zu lassen. Wir müssen an ein paar Stellen wirklich den Berg hinauf krabbeln, denn an manchen Stellen ist der Tafelberg eben ein Berg. Dank unseres Führers Frank ist ab dies alles kein Problem und wir erreichen nach ca. 5,5 Stunden den höchsten Punkt des Tafelbergs.

Zur Seilbahnstation geht es durch ein schottisches Hochmoor

Schottisches Hochmoor oder Tafelberg in Kapstadt

Schottisches Hochmoor oder Tafelberg in Kapstadt

Wir sind glücklich, aber auch etwas erschöpft und wissen nun liegt noch eine Stunde und ein paar Minuten mehr vor uns, dann sind wir an der Seilbahnstation. Der Weg dorthin führt über gut ausgeschilderte Wege mit tollen Ausblicken, wenn sich die Wolkendecke lichtet, durch eine Landschaft die unter Wolken eher an ein schottisches Hochmoor erinnert.

Die Mutigen haben den besten Blick

Die Mutigen haben den besten Blick

Auf dem Rückweg lernen wir noch etwas über die Pflanzenwelt des Tafelbergs, dann kommen uns erste Touristenströme entgegen und nach fast sechs Stunden gefühlter Ruhe und Einsamkeit hat uns der normale Trouble wieder. Jetzt noch schnell einen Happen essen und dann geht es mit der Seilbahn nach unten, ab in den Minibus von Frank und zum Abendessen in den Codfather. Nach so viel Berg muss es jetzt einfach viel Meer auf dem Teller sein.

Nach viel Beerg darf es etwas Meer sein

Nach viel Berg darf es etwas Meer sein

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