Fitzelchen

Bestsellerparty

fitzelchenGernot Drumsbach legte den Kopf an die Scheibe seines Hotelzimmers und schaute auf die Strassen der gerade erwachenden Finanzmetropole am Main. Aus seinem Zimmer im 27. Stock des Hotels konnte er im Osten die Sonne aufgehen sehen, während sich in seinem Kopf alles drehte.

Erfolgsautor

Er hatte gefeiert, sein Verlag hatte ihn auf dem ersten Messetag zum erfolgreichsten Autor der Verlagsgeschichte erklärt. Sein zehnter Band der Krimireihe um das Ermittlerduo Wiesel & Flink hatte sich so unglaublich gut verkauft, wie alle neun Bände vorher zusammen.

Er nahm noch einen Schluck Whisky schaute weiter auf die Stadt und konnte es nicht fassen. Neun Bände lang hatte er seine zwei Helden mit klassischen Provinzfällen in die Bestsellerlisten geschrieben, nichts dramatisches, nur einmal hatte es einen Mord an einem korrupten Lokalpolitiker gegeben. Immer alles schön brav in eine konservative und familienfreundliche Umgebung eingebettet. Wiesel & Flink sollten zwei familienkompatible Polizisten sein, damit die ganze Familie Spaß an ihrer Aufklärungsarbeit hat.

Dennoch wurden die Verkäufe von Fall zu Fall immer schlechter. Sein Verlag quartierte ihn in immer schäbigeren Hotels, während der Buchmesse, ein und sein am Anfang hell leuchtender Stern versank langsam zwischen den neuen Autoren die mit ihren Geschichten um Cyberkriminalität, Sex und packenden Wirtschaftskrimis bei den Lesern und der Verlagsleitung besser ankamen. Dazu kamen auch noch diese elenden Selfpublisher. Jeder Depp konnte heute ein Buch als e-Book veröffentlichen und mit Texten auf Groschenroman-Niveau Geld verdienen.

Der Rat des Lektors

Sein Lektor hatte ihm vor acht Monaten geraten mal was mit Sex zu machen, weniger Familie, aber dafür schön schmutzig.

Daraufhin hatte sich Gernot erst einmal eine gewaltige Schreibblockade, dann aber eines Abends, er hatte ausnahmsweise erst zur Tagesschau begonnen sich seinen Frust von der Seele zu saufen, hatte er während eines alten Tatort eine Idee.

In seine neusten Werk hatte er Wiesel & Flink in einem Sexclub ermitteln lassen. Dort hatte es zwei tote Mädchen gegeben und er konnte alleine damit beim Verlagsleiter für Begeisterung sorgen. Er hatte es krachen lassen, sowohl bei der Recherche hatte er sich mit einigen Damen vergnügt um realitätsnah schreiben zu können, aber auch im Roman ging es ab. Kein Kapitel in dem nicht irgendwie Körperflüssigkeiten flossen.

Der Erfolg seines, aus seiner Sicht, schlechtesten Romans: Die Kings-Suite in einem der besten Hotels Frankfurt. Mit einer Badewanne direkt an der Glasfront und einem Blick über die Stadt. Zwei sauteure Huren hinter ihm im Bett und eine verflucht teure Flasche japanischen Whisky in ihm.

Maja und Eli hatten es die ganze Nacht mit ihm getrieben. Jetzt schlummerten sie wie zwei kleine unschuldige Mädchen in den Seidenlaken des Hotels. Gernot prostete der aufgehenden Sonne zu und Müdigkeit überkam ihn.

Lautes Klopfen

Es klopfte nicht nur, es hämmerte geradezu, an seine Hoteltür. Sein Kopf dröhnte, er sah auf die leere Flasche Whisky, fühlte die Leere neben ihm im Bett und roch die langsam vor sich hin vergammelnden Reste des Mitternachtssnacks und die ausgelaufene Flasche Champagner die sich über den Boden ergossen hatte.

Gernot musste sich übergeben bevor er die Tür öffnen, und seinem Lektor, in die Augen sehen konnte.

Heinz Krumschick betreute Gernot über sieben Jahre und kannte seine Erfolgsexzesse, nun als erfolgreichster Autor des Verlags hatte er offenbar einen wahren Feiertsunami zu seinen eigenen Ehren abgehalten. Es roch im Zimmer nach Alkohol, gammelnden Essensresten, menschlichen Ausdünstungen und der saure Geruch von Kotze legte sich wie frisch aufgesprühtes Parfüm darüber.

Bestsellerparty

„Na, hat der Herr Autor es krachen lasen?“ fragte Heinz seinen zittrigen Schützling. Er wartete die Antwort nicht ab und sah sich das Chaos im Zimmer an. „Du kannst demnächst realitätsnah im Knast ermitteln, mein Freund. Die beiden Escorts die du dir hast kommen lassen, liegen ein Zimmer weiter und sind ziemlich, wie soll ich sagen, atemlos. Hast du Ihnen die beiden Kugeln durch den Kopf gejagt?“.

„Wäre ein toller Buchtitel – Bestsellerparty-, denn du hast die zwei Bestseller-Girls von Marions Agentur gekillt, du Bestseller“

Gernot übergab sich erneut und konnte sich an nichts erinnern.

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