herr meier und die marktwirtschaft, Netzkram
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Blogger die auf Google starren

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Bildrechte bei dario-ezio-ghilardi / fotocommunity

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Als ich vor zehn Jahren meinen ersten Blog startete, hatte ich keine Ahnung von Suchmaschinenoptimierung. Ich wusste es gibt Google und die finden Webseiten im Netz und zeigen die auf ihrer Ergebnisseite an. Dann gab es da noch yahoo und ask.com. Die gibt es auch heute noch und es gibt immer noch Google…und Bing.

Google hat eine ganze Industrie rund um das Thema Suchmaschinenoptimierung entstehen lassen. Es gibt wahre Götter auf diesem Gebiet, sie sprechen nur ein Wort und schon wird deine Seite gerankt. Fast jeder Webseitenbetreiber/Blogger möchte, dass sein Blog von einem dieser Halbgötter berührt wird, denn vielen Bloggern ist Google heilig. Nur was Google sagt ist gut und muss befolgt werden. Dies ist ein fataler Irrtum der bei manchen Blogger dazu führt, dass vermutet wird Google würde Gesetze machen und die müssten befolgt werden.

Es ist also Zeit sich mit einigen dieser Legenden zu beschäftigen

Die Gesetzeslegende

Immer wieder lese ich ihn Foren, Blogs und auf Facebook wie verzweifelte Bloggerinnen (oft sind es junge Frauen die sich der Mode-, Lifestyle-, Gutschein-, Food- oder Lebensproblematik-Bloggerei verschrieben haben) nach einer Lösung für Do-Follow und No-Follow Problematiken suchen, weil wieder eine Agentur bei ihnen angefragt habe, ob es einen Artikel mit do-follow geben könnte.

Der Aufschrei ist meist auch ohne Lautsprecher vor dem Bildschirm hörbar, denn sobald das Wort do-follow im Zusammenhang mit Google geschrieben wird, beginnt meist ein Kommentarsturm in dem dann immer wieder die Gesetzeslegende neuen Schwung bekommt. Google habe do-follow im Zusammenhang mit bezahlten Artikeln verboten und Google würde einen bestrafen.

Google ist ein Wirtschaftsunternehmen und betreibt eine Suchmaschine und nebenbei verdienen sie Milliarden von Dollar mit dem Verkauf von Keywords, aus diesem Grund mag es Google nicht so gerne, wenn andere Menschen etwas von diesem Kuchen abbekommen.

Deshalb mag Google Verlinkungen aus redaktionellen Texten auch nicht so gerne, denn die sind so etwas ähnliches wie Keywords (im weitesten Sinne) und aus diesem Grund wurde die do-follow und no-follow-Regel erstellt. Begründet wird diese dann mit dem Algorithmus von Google und das dieser durcheinander gebracht wird, wenn diese Regel nicht eingehalten wird.

Böse Spammer machen es der lieben Suchmaschine schwer zwischen einer guten Webseite und einer bösen Linkschleuder zu unterscheiden. Das ist natürlich Blödsinn, denn Google kann schon unterscheiden ob eine Webseite sich ausschließlich der Spammerei widmet oder ob hier auch noch andere Ziele verfolgt werden. No-Follow und Do-Follow können Anhaltspunkte sein, aber sie sind vor allem ein probates Mittel um die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu schützen.

Google kann nicht auf die Konten der Blogger und Webseitenbetreiber schauen, daher wissen sie auch nicht, ob Geld für einen Beitrag geflossen ist.

Sollte Geld für die Erstellung eines Artikels gezahlt worden sein, dann hat der Gesetzgeber in Deutschland dafür eine Regel ins UWG geschrieben. Dort ist klar geregelt wie ein bezahlter Text in einem redaktionellen Medium, also auch einer Webseite/Blog, gekennzeichnet werden muss.

Das ist die Regel die es zu beachten gibt. Dies ist ein Gesetz und alles andere sind Regeln die ein Unternehmen vorgibt, welches sich vor allem mit manchen seiner Regeln vor Wettbewerb schützen möchte.

Google entscheidet ob mein Blog gut ist

Eine der anderen Legenden aus dem Reich der Suchuntoten ist die, wonach Google über die Qualität eines Blogs entscheidet. Google entscheidet nur darüber ob ein Blog im Sinne ihres Algorithmus gerade Sinn macht oder nicht, denn nur wenn in der Trefferliste von Google auch relevante Ergebnisse erscheinen wird Google genutzt und wenn wir alle möglichst viel Inhalte bei Google abliefern, dann klingelt dort auch die Kasse und bei uns Bloggern die Seitenaufrufstatistik (die meist auch von Google kommt).

Ob ein Blog inhaltlich gut ist, oder ob einer der SEO-Götter seine Hände am Code (meist nicht mal am Text) hatte, ist eine Entscheidung der Leser und nicht die einer Maschine.

Natürlich macht es Sinn, seine Webseite auch konform zu den Regeln der Suchmaschinen (gibt ja nicht nur Google) zu gestalten, aber wer eine redaktionelle Webseite betreibt, der sollte auf Inhalte achten und nicht nur Codeschnipselei betreiben, denn sobald Google einfällt statt eines Pandas einen Gorilla durch das Netz zu treiben ist sowieso alles für die Katz, außer für die SEO-Götter, denn die können dann aus einem anderen Kapitel der Suchbibel predigen und ihre Anhänger werden ihnen bis zum nächsten Zooaufenthalt folgen und folgen. Wer jetzt das Bild des Rattenfängers aus Hameln vor Augen hat, der hat schon viel über die SEO/Google-Industrie verstanden. Wobei die Salesleute der SEO-Agenturen in den letzten Monaten auch die Facebookmelodie ziemlich gut beherrschen.

Google ist böse

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb Google sei böse und bei Axel Springer ging die Angst um. Google ist bei ASV einer der größten Werbepartner, aber bisher dachte ich immer Respekt sei das was man vor einem Geschäftspartner haben sollte, aber Angst? Und in der Frankfurter Hellerhofstrasse streift das Gespenst des ewigen Wettbewerbs durch die Gänge, dabei ist man dort im regionalen Anzeigenmarkt selbst ein kleiner Google, wenn auch nur im schrumpfenden Markt der Printanzeigen.

Google ist nur deshalb böse, weil es erfolgreich ist. Aus diesem Grund fürchtet sich auch Herr Döpfner vor Google. Verlage die über eine lange Zeit mit dem bedrucken von Papier viel Geld verdient haben und das Internet als eine Laune der Natur betrachteten, haben heute die Hosen gestrichen voll vor diesem Internet. Denn, mit diesem Internet, ist es möglich viel Geld zu verdienen. Geld das früher in der eigenen Kasse geklingelt hat und nun eben, nahezu unversteuert und als double sandwich getarnt, die Schatzkammer von Larry Page und seinen 40 Steuerberatern überquellen lässt.

Infografik: 15 Jahre Google, so dominiert der Suchmaschinen-Riese das Internet | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Google ist eben in dem was es tut sehr gut und vor allem sehr konsequent. Für Nutzer ist Google nicht immer ein Segen, weil wir es mit einem zu mächtigen Torwächter beim Thema Suche zu tun haben, aber viele Angebote des US-Unternehmens machen uns heute das Leben leichter und verändern eben die Welt und wie wir Dinge nutzen. Medienhäuser und Verlage der alten Schule haben zu lange von oben auf die Datenströme geschaut und sind heute ratlos was sie, außer Kooperationen einzugehen um ein paar, manchmal große, Krümel abzubekommen noch tun sollen.

Aus diesem Grund ist Google böse, weil wir es nicht nutzen sollen, denn dann wäre die Welt für manchen wieder in Ordnung.

Blogger die auf Google starren

Die Fixierung mancher Blogger auf Google und seine Dienste ist fatal, denn damit gehen gute Inhalte verloren. Wer sich als Fashionblogger mehr darum kümmert bei Google gefunden zu werden, anstatt schöne Outfits zusammenzustellen, der muss sich nicht wundern, wenn das mit den Leserinnen und Lesern nicht klappt. Google ist kein Allheilmittel für Erfolg. Wer Dinge schreibt die niemand lesen möchte, dann hilft auch ein kurzfristiger Sprung in die Suchergebnisse nichts, denn er wird folgenlos bleiben.

Blogger sollten auf ihre Texte, Video und Bilder starren und ab und an mal in die Statistik schauen. Google schreibt niemanden vor wie Werbung zu gestalten ist, dies ist Aufgabe des Staates. Wer kreative Ideen und Texte abliefert, der wird auch mit seinem Blog Geld verdienen, aber in aller erster Linie sollte ein Blog als das gesehen werden was er in den meisten Fällen ist: Ein Hobby und kein Mittel um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Wer sich als Blogger dennoch für Pandas interessiert, die gibt es im Zoo.

Bild: dario-ezio-ghilardi/Fotocommunity

17 Kommentare

  1. Dein Bericht spricht mir aus der Seele. Die problematik ist auch mir ein Dorn im Auge. Das problem kocht in letzter Zeit immer häufiger hoch.

    Brauchen wir Google um Erfolg zu haben ? Ich glaube nicht

    LG Sascha

  2. Pingback: Schöner bloggen ohne SEO | Lummaland

  3. Pingback: blognetnews » Schöner bloggen ohne SEO

  4. DANKE! Aber dafür wirst du sicher von Google abgestraft :-)
    Nein ernsthaft, sehr schöner Artikel, ich höre immer wieder von Bloggern, die mittlerweile mehr Zeit mit Suchmaschinenoptimierung und Auswertungen ihrer eigenen Klickzahlen verbringen als mit dem eigentlichen Bloggen.
    Damit kann ich beruhigt ins Wochenende gehen.
    Liebste Grüße
    Julia

  5. Halli Hallo,
    danke für Deinen interessanten Artikel. Ich setze meine Links so wie es mir gefällt und denke dabei nicht über Google nach. Es ist mir einfach zu blöd, ich lasse mich als Blogger nicht in meiner Bloggerei beschränken, weil ich vielleicht irgendetwas tue, was irgend einem Robot nicht passt. Ich muss aber dazu sagen, dass wir bisher auch keine Aufträge für sponsored Posts angenommen haben. Ich empfehle gerne andere Blogs und die setze ich auf Do-follow…. weil es mein Blog ist und nicht der Blog von Google. So unterstütze ich andere, weil ich es eben will. Für mich ist dies auch ein Ausdruck von Meinungsfreiheit und Freiheit in meinem Handeln und Tun.
    Liebe Grüße Bärbel

  6. Vielen Dank für den sehr informativen Bericht!
    Ich selbst blogge einfach so vor mich hin und habe dabei Google nicht auf dem Schirm. „Die Freiheit gönn‘ ich mir“.

  7. Pingback: Marketing-Lesefutter 26.01.2015 | marketingundwerbung.de

  8. Ich finde schon lange, dass SEO zwar nützlich sein kann, aber es nicht den Schreibstil und den Inhalt diktieren sollte und darf. Deswegen setze ich auf Networking und Mundpropaganda, damit Leser auf meinen Blog kommen können.
    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.

  9. Für alle Blogger wird Google demnächst – vermute ich sehr stark – sowieso kein Thema mehr sein. Google zielt vermehrt auf guten Content ab. Das wird bedeuten, dass es Google wichtiger ist, dass ein Text bzw. Artikel für den Leser einen Mehrwert liefert. Dies wird auch in Zukunft mit hoher Sicherheit wichtiger werden als die ganze Keyword-Schlacht.

    Gruß
    Marcus

  10. Pingback: Wie Du mit Deinem Blog KEIN Geld verdienst - Teil 2: Kostenlose Testkooperationen mit Unternehmen blogg.de - Das Bloggermagazin

  11. Super Artikel… mir geht das Gehype auch ziemlich auf die Nerven, vor allem aber geht mir auf die Nerven, wie ehemals schöne Blogs ganz offensichtlich billige Schleichwerbeschleudern werden und wer minimal Ahnung hat erkennt solche Texte sofort „Ich wollte euch mal diesen tollen Shop zeigen“ oder „Ich hab dieses tolle Produkt gefunden das muss ich echt mal zeigen“ oder „Ich hab da einen Gutschein gefunden“… ja nee, is klar. Bei solchen Leuten würde ich mir wünschen dass das allmächtige Googleauge mal drauf gerichtet wird 😛

    Liebe Grüße, Frida

  12. Pingback: meiersworld.de › Jetzt auch noch Snapchat - Muss das sein? › blogs, enttäuschung, google, guter content, inhalte, instagra, leser, snapchat › Von herr meier › herr meier und das netz

  13. Pingback: Content Snippets [5-2015] | Herr R. schreibt über

  14. Schöner Beitrag. Ich denke durch das ganze Thema SEO geben neue Blogger oft auf. Leider muss man sich an einige Regeln halten aber dennoch sollte SEO nicht an erster Stelle stehen.
    LG

  15. Ich find den Artikel klasse,allerdings teilen wir da nicht unbedingt die Meinung.
    Ich nutze zum Beispiel Google adwords, um zu sehen, was zu meinem Zielthema den Leuten am Meisten unter den Nägeln bringt. Was nützt mir ein ausgesprochen gut geschriebener und recherchierter Artikel, wenn den keine liest?
    Also ist klar, Facebook kommt mit ins Spiel, ich checke bei Buzzsumo, was in diesem Bereich gern geteilt, geliked und kommentiert wird und mache mir meine eigenen Gedanken darüber – oder die waren eh Grundgedanke des Themas.
    Man muss Google nicht nur als das sehen, was anschließend „über uns Blogger richtet“, sondern sollte auch nicht unterschätzen, in welcher Weise es/er hilfreich ist. Daher habe ich mich neben meinen eigenen Interessensgebieten des marketings und coachings auch ganz bewusst mit SEO intensivst beschäftigt – eine Angelegenheit, die nie aufhört. Aber Google geht den richtigen Weg: Dem Suchenden die bestmöglichen Lösungsergebnisse liefern zu wollen, und solange wir das auch wollen, ist doch alles in Butter.

  16. Pingback: Wochenrückblick KW 15 | schaemicon

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