Fitzelchen

Komm! Wir machen was mit Nutten

fitzelchen Bülent und seine Kollegin starrten in den Regen hinaus und wärmten sich am Kaffee in ihren Händen. Nach dem ihr letzter Beschattungsjob ziemlich in die Hose ging, hatte ihr Vorgesetzter sie auf einen neuen, sehr undankbaren, Fall angesetzt. Sie sollten einen ehemaligen Kiezkönig im Auge behalten, weil jeder davon ausging, dass „Tonndorf-Kalle“ wieder aktiv werden würde.

Larissa und Bülent folgten ihm bereits einige Tage und bisher hatte Karlheinz Puschnowsky, so der bürgerliche Name von Tonndorf-Kalle, außer ein paar Besuchen bei anderen Ex-Knackis nichts außergewöhnliches unternommen. Vertane Zeit!

Im Radio schrie gerade Peter Fox etwas von einem Haus am See, als Kalle aus seiner Pension trat und recht schnell Richtung Taxistand ging.

Bülent kippte sich etwas Kaffee über die Hände und setzte seinen Wagen in Bewegung. Der Regen, die Leuchtreklame und die vielen parkenden Autos machten es nicht einfach Kalle zu folgen, aber als er sich in ein Taxi gesetzt hatte, lief die Verfolgung reibungslos. Der Taxifahrer fuhr Richtung Hafencity und hielt am Ende des Kehrwiederfleet. Kalle stieg aus. Larissa und Bülent folgten dem jetzt sehr agil wirkenden älteren Herren Richtung Baustelle der Elbphilarmonie. Dort angeommen schaute sich Kalle um, so als ob er etwas, oder jemanden, suchen würde. Er verkroch sich vor dem Restaurant gegenüber der Philarmonie in eine Ecke und nur das glühende Ende seines Cigarillos diente noch als Indiz seiner Anwesenheit.

Der Regen wurde hier am Wasser ungemütlicher und Bülent und Larissa ärgerten sich beide darüber wie sie den letzen Job vermasselt hatten. Der Regen durchnässte ihre Mäntel und dies wirkte wie eine zusätzliche Strafe. Es vergingen ca. 20 Minuten, dann öffnete sich die Tür des Lokals.

Aus der Tür traten die reizende und sehr charmante Alexandra und ihr Begleiter der Herr Senator. Larissa gab Bülent einen Schubs, im selben Moment in dem sich Alexandra und der Senator vom Lokal aus Richtung der Treppe zum Dalmannkai zuwendeten, ging ein Ruck durch Kalle.

Gut beschützt unter einem Regenschirm, der von einem der Bodyguards des Senators gehalten wurde, gingen Alexandra und der Senator den Kai Richtung Innenstadt, ihnen folgte Kalle und dann kamen Bülent & Larissa. Glücklicherweise trieb sich auch gerade eine Gruppe Touristen am Kai herum und so ging die kleine Verfolgungskarawane ein wenig im Getümmel unter.

Larissa telefonierte mit ihrem Chef, denn das sie Alexandra und den Senator wieder zusammen angetroffen hatten, würde ihn brennend interessieren. Er versprach sofort Verstärkung für den Fall das diese notwendig würde. Erst einmal sah es nicht danach aus, denn die beiden turtelten unter den Augen des Personenschützers, Tonndorf-Kalles und der beiden Kriminaler in aller Ruhe während sie am Wasser entlang schlenderten. Der Herr Senator schien seiner attraktiven Begleitung ein paar Einzelheiten über die Schiffe in den Docks zu erklären, was sie mit regelmäßigen Küsschen und einem gurgelden Kleinmädchenlachen belohnte.

Kalle beschattete die beiden nicht weniger professionell als Larissa und Bülent, aber er hatte seine beiden Schatten schon längst registriert. Es würde ihm noch nutzen, er wusste es.

Alexandra und der Senator verschwanden im Kaisers und bestellten sich Champagner und turtelten weiter, solange bis Kalle plötzlich das kleine Bistro betrat und sich zu ihnen gesellte. Larissa konnte sehen wie Alexandra die rosige Wangenfarbe aus dem Gesicht schoss und sie kreideweiß wurde. Kalle winkte die Kellnerin herbei und ließ sich ein Glas bringen und schenkte sich selber vom Prickelwasser ein. Er prostete dem Senator zu und tätschelte Alexandras Wange.

Das Gespräch entspannte sich mit der Weile, es wurde sogar gelacht. Bülent & Larissa konnten nur ahnen was vor sich ging, aber wissen konnten sie es nicht.

Weitere zehn Minuten später betrat ein weiterer Mann das Bistro, nun verlor Alexandra ein weiteres Mal ihre Fassung. Für Larissa der Moment in dem sie beschloss den Laden zu betreten und per Funk Verstärkung anzuforden, denn es lag förmlich etwas in der Luft was ihnen nutzen würde.

Sie musste nicht lange warten und ein Kollege traf ein, sie konnten nun im Lokal das verliebte Paar geben und die Szene beobachten.

Tonndorf-Kalle hatte seine Hand fest auf Alexandras Unterarm gepresst und der Senator sah etwas überfordert aus. Seinen Personenschützer hatter er weggeschickt, etwas das er vielleicht nun bereute?

Alexandra saß mit dem Rücken zum Hafen und konnte Larissa und ihren „Freund“ nicht sehen, aber Kalle musterte die schöne Polizistin mit seinen grauen Augen eindringlich. Dann legte der dritte Mann einen Beutel auf den Tisch und schob diesen dem Senator zu. Dieser warf einen Blick in den Beutel, atmete tief durch und gab den Beutel an Kalle weiter.

Dieser öffnete den Beutel und grinste, dann steckte er den kleinen Stoffbeutel in seine Manteltasche, nahm die Hand von Alexandras Unterarm, gab ihr einen Kuss auf die Wange und reichte den beiden Männern die Hand zum Abschied, drehte sich zu Larissa und sagte „Nehmen sie den Senator fest, er hat mir gerade Diamanten im Wert von 50.000 € angeboten um diese junge Dame, die meine Enkelin ist, für immer aus dem Gewerbe freizukaufen. Diese Diamanten hat er von einem russischen Geschäftspartner bekommen, damit sein Baukonzern die Elbphilarmonie weiterbauen kann. Meine Enkelin ist eine Hure, sie ist mir egal, aber ich möchte nicht das meine Heimatstadt weiterhin von diesem korrupten Pack ausgenommen wird!“

Larissa und ihr Kollegen standen auf, baten den Senator sich zu äußern, was er ablehnte. Alexandra hockte wie ein Haufen Elend am Tisch und heulte. Der Bote der russischen Baufirma verlangte nach einem Anwalt und einem Vertreter seines Konulats.

Bülent bekam von Tonndorf-Kalle den Stoffbeutel ausgehändigt und wurde ebenfalls abgeführt. Larissa trat neben Bülent der sich die glitzernden Steine ansah, der zwischenzeitlich hervorgekrochene Vollmond beschien die Diamenten schwach, aber ausreichend um sie leicht glitzern zu lassen.

Im Auto liefen die Pet Shop Boys mit ihrem „Se a Vida e“ und Bülent stupste Larissa in die Seite und sagte „Komm! Wir machen auch was mit Nutten, offenbar lohnt es sich…wenn einen nicht der eigene Opa verkauft und verpfeift“, er ließ die Reifen quietschen und fuhr Richtung Präsidium.

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