Fitzelchen

Eine Frau mit vielen Facetten

fitzelchen Bülent Ombrage hatte sich gerade einen Kaffee bringen lassen und noch einmal auf die Uhr gesehen, als ihm im hinteren Bereich der Hotellobby eine junge Frau ins Auge fiel. Er musste eine Weile nachdenken woher er sie kannte, aber als es ihm wieder einfiel durchfuhr es ihn, als ob ein Blitz eingeschlagen hätte.

Die Dame die dort in aller Ruhe mit einer, offenbar, Freundin die Köstlichkeiten der Hotelkonditorei genoss wurde polizeilich gesucht. Er versuchte unauffällig einen Blick auf sie zu werfen und nach einem zweiten und dritten Anlauf konnte er es sich selber bestätigen es handelte sich um Alexandra die Heiratsschwindlerin. Sie hatte in den letzten Jahren in Europa eine kleine Schneise der Verwüstung auf den Konten einiger wohlhabender, immer älterer, Herren hinterlassen.

Mal nannte sie sich Alexandra oder Anna, Halina, Anni, Hanna oder Alina, aber immer hatte sie es auf ältere, alleinstehende Männer abgesehen.

Was führte sie wohl in diesem Luxushotel im Schilde. Bülent verständigte eine Kollegin aus dem Präsidium und bat sie ins Hotel. Er hatte eigentlich die Aufgabe ein Auge auf den Wirtschafssenator zu werfen, wenn er sich gleich mit einer Gruppe russischer Geschäftsleute treffen würde, denn es hieß, dass der Herr Senator nicht ganz abgeneigt sei, die eine oder andere Vergünstigung anzunehmen.

Er musste versuchen beide Aufgaben, bis zum Eintreffen der Verstärkung, unter einen Hut zu bringen. Glücklicherweise hatte er sich schon etwas früher aufgemacht.

Alexandra Paulsen hatte sich in den letzten Jahren als eine Frau mit vielen Facetten herausgestellt, sie hatte sogar in einschlägigen Partnerportalen unter dem Pseudonym vielfacettenfrau ein Profil erstellt und so nach neuen Partnern geangelt.

Ombrage fragte sich was sie hierher geführt hatte. Ein neues Opfer? Er konnte die Männer schon verstehen, er sah sie heute das erste Mal nicht nur auf einem Fahndungsfoto, sondern in Natura. Was er sah gefiel ihm gut, dunkle Haare, schöner Teint, gute Figur und sie hatte so etwas Bestimmtes an sich. Eine Aura die Männer wohl leichtsinnig werden lässt, sonst hätte sie in den letzten Jahren nicht über 500.000 € erbeuten können.

Sein Mobiltelefon vibrierte auf dem Tisch vor ihm, seine Kollegin Larissa stand noch im Stau, langsam wurde es eng, denn der Herr Senator betrat gerade das Hotel und er wurde stürmisch von seinen beiden russischen Geschäftspartnern begrüßt. Alte Freunde!

„Sie beobachten mich schon eine ganze Weile“ sagte plötzlich eine Stimme neben ihm, er sah auf und neben ihm stand Alexandra. Sie fragte nicht lange und setze sich, sah ihn an und legte Handschellen auf den Tisch. „Müssen sie mich nicht festnehmen Herr Polizist? Wollen sie mich hier gleich vor allen Leuten in Ketten legen?“

Er griff sich die Handschellen der Betrügerin und sah sie eindringlich ein. „Was soll das? Was machen Sie hier?“ Dann bemerkte er, dass er den Senator aus den Augen verloren hatte.

Larissa traf ein und schaute Bülent an, fragte nach dem Senator und er konnte nur mit den Schultern zucken. Ein böser Blick traf ihn. Larissa sah zu Alexandra und holte ihre Handschellen raus, raunte ihr zu sie solle sich umdrehen und legte ihr die Handschellen an. Alexandra machte sich offenbar wenig daraus und schaute Bülent an, lächelte herablassend und flüsterte ihm zu „Schade Süßer, ich hätte noch gerne ein paar Stunden mit Dir verbracht, aber mir ist es egal. Mein Job ist getan.“ In diesem Moment begriff er, dass er auf einen ganz miesen Trick hereingefallen war. Die Betrügerin Alexandra Paulsen hatte als Köder gedient um ihn von seinem Job abzubringen. Ein korrupter Kollege hatte die Operation verraten und dafür gesorgt, dass sie seine Aufmerksamkeit erregen würde.

Noch während Larissa und Bülent, unter den neugieren Blicken der Hotelgäste, ihren Fang abführten, klingelte sein Telefon. Der Polizeidirektor persönlich befahl ihm die russische Staatsangehörige Lina Ruclowskaya sofort aus dem Gewahrsam zu nehmen, da sie unter diplomatischen Schutz stehen würde.

Bülent öffnete die Handschellen und musste eine gesuchte Betrügerin laufenlassen und er wusste, dass sein Chef ihm kräftig den Marsch blasen würde, weil er den Senator aus den Augen verloren hatte.
Larissa und Bülent verließen das Hotel, stiegen in ihren Wagen und fuhren zurück ins Präsidium, mit leeren Händen und schwer gedemütigt.

Wenige Minuten später hielt eine dunkle Limousine vor dem Hotel und die russische Diplomatin Lina Ruclowskaya bestieg diese in Begleitung des Senators für Wirtschaft und Handel.

„Wissen Sie Lew, die Investition in Alinuschka ist eine der besten die wir je unternommen haben. Die beiden Deppen von der Polizei werden sich noch lange ärgern, während wir mit der Kleinen noch eine Menge Spaß haben werden“. Der Senator klopfte dem Mann auf dem Vordersitz auf die Schulter. Sah das Mädchen an, dass seinen Bruder um 175.000 € erleichtert hatte und bewunderte diesen facettenreichen kleinen Diamanten, der ihnen so gute Dienste erwies.

1 Kommentar

  1. Pinkback: Komm! Wir machen was mit Nutten › meiersworld.de

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