Kino & TV + Musik

Wolf of Wallstreet – Jordan Belfort im Kino

wolf_wallstreet1 The Wolf of Wallstreet ist ein verfickt geiler Film, ein Film bei dem eine Flasche Champagner geleert werden sollte und sich jeder Zuschauer einen Maßanzug anziehen muss um am Ende eine ordentliche Linie Koks auf den Oberschenkeln seiner Begleitung zu ziehen. So müsste dieser Film begangen werden wenn man den Jordan Belfort in sich spüren will, aber das tut niemand, denn wir sind alle ganz brav und kaufen die Popcorn-Partner-Tüte und trinken allerhöchsten eine Cola mit Eis…

„Die Gier ist gut“ und „Geld ist eine Hure, die niemals schläft“, diese beiden Zitate werden Gordon Gekko zugeschrieben, ebenso wie die Aussage „Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund“ (die allerdings von Carl Icahn stammt). Gordon Gekko fungierte als Symbolfigur, in den beiden Wall Street – Filmen, für die böse New Yorker Finanzwelt schlechthin. Niemand konnte ihn besser verköpern als Michal Douglas. Jeder der Gekko hasst, muss ihn nun lieben, denn alles das was an ausgedachter Gier und Niedertracht, an Verschwendung und Luxusleben in Wall Street inszeniert wurde, wird, wie so oft im Leben, von der Realität eingeholt. Gordon Gekko ist eine Lachnummer, fast schon ein sympathischer Mensch, gegen Jordan Belfort.

Jordan Belfort ist real, dieser Mensch lebt und hat Millionen US-$ verdient und tausende Anleger in den USA um ihr Geld gebracht, er ist böse und gemein, geldgierg und obszön, ein Gangster.

Die Geschichte von Jordan Belfort, dem Wolf der Wallstreet, ist nun in die Kinos gekommen und nach seinem Buch, das ich bereits 2009 gelesen habe, ist auch der Film unglaublich in seiner Obszönität. Selten wird einem die Gier und die Kaltschnäuzigkeit des Kapitalismus so deutlich vor Augen geführt. Das Feuilleton fragte bereits vor dem Kinostart besorgt, ob es angemessen sei einen Film über diesen Jordan Belfort zu drehen.

Die Antwort ist ein deutliches JA, denn niemand kann sich eine solche Geschichte ausdenken, sie kann nur vom Leben geschrieben werden, in all seinen Facetten. Den Höhepunkten und den Tiefpunkten, und niemand kann diesen Jordan Belfort besser auf der Leinwand verkörpern als Leonardo DiCaprio.

Jordan Belfort ist ein unglaubliches Arschloch, er verkauft Menschen wertlose Wertpapiere, verdient gemeinsam mit seinen Partner unglaublich viel Geld und genau dieses Geld gibt er für Huren, Koks und Drogen aus. Das Leben dieser Wall Street Legende ist ein einzigartiger Exzess, dieses geradezu sodomhafte Leben wird von Scorsese in einer einzigartig genialen Art und Weise erzählt.

Wer das Buch gelesen hat, wird sich an viele Szenen erinnern, und wie ich darüber erstaunt sein, wie gut sie umgesetzt wurden.

Leonardo DiCaprio spielt Jordan Belfort als ob er es selber sei. Wenn Jordan Belfort seine Truppe anheizt, wenn er sich eine Linie Koks vom Hintern einer Hure zieht, wenn er vollkommen stoned einen Helikopter fliegt oder in seinem Wahn der Überheblichkeit versucht einen FBI-Agenten zu bestechen, dann ist es so, als ob man damals dabei gewesen sei.

In diesem Moment ekelte mich alles an, wofür mein Leben stand. Stratton hatte einen neuen Tiefpunkt erreicht. Es gab nur eine Lösung: Ich ging hinunter in meine Suite, nahm fünf Milligramm Xanax, 20 Milligramm Ambien und 30 Milligramm Morphium. Dann rauchte ich einen Joint und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Dieses Zitat aus seinem Buch, beschreibt Jordan Belfort perfekt. Er ist ein Mensch der sich ohne Drogen und Vernebelung seines Bewusstseins sein eigenes Leben nicht mehr erträgt, so lange bis seine Yacht kentert, seine Frau ihn verlässt und er von den Börsengeschäften ausgeschlossen wird und nach dem Verrat an seinen Vertrauten nur drei Jahre in ein Bundesgefängnis muss.

wolf_wallstreet2 Ein Jubelfilm über einen solchen Menschen? Wer den Film als eine Hommage an ein solches Leben versteht, der wird enttäuscht aus dem Kino gehen. Denn niemand wird abstreiten können, dass, wenn am Ende (zu Mrs. Robinson als Hintergrundmusik) das FBI seine Firma (Stratton Oakmont) schließt, dann ist auch die Illusion des schnellen Geldes vorbei. Sicherlich nur für kurze Zeit, denn die Millionen des Jordan Belfort sind Koppersche Peanuts im Vergleich zu dem was in der zurückliegenden Finanzkrise, quasi legal von Banker, an Vermögen vernichtet wurde.

Wolf of Wallstreet ist ein Film in dem Sex, Geld und Drogen eine unglaublich wichtige Rolle spielen. Sie sind die Treiber der Gier und sie sind in diesem Fall nicht gut. Gut ist die Umsetzung des Stoffs und ich wette jeder Mann wird die Szene zwischen Jordan und Naomi im Kinderzimmer „mögen“.

Es lohnt sich allerdings vor dem Besuch im Kino einen Blick in sein Buch zu werfen.

Eine der besten Szenen spielt aus meiner Sicht am Anfang des Films und Matthew McConaughey hätte einen Oscar als bester Nebendarsteller mehr als verdient

3 Kommentare

  1. Pinkback: Der Wolf der Wallstreet-Jordan Belfort - Huren, Koks & Money › meiersworld.de

  2. Pinkback: The Wolf of Wallstreet - die perfekte Täuschung auf der Leinwand › meiersworld.de

  3. Hallo Herr Meier,

    danke für die tolle Rezension!

    „The Wolf of Wallstreet ist ein verfickt geiler Film, ein Film bei dem eine Flasche Champagner geleert werden sollte und sich jeder Zuschauer einen Maßanzug anziehen muss um am Ende eine ordentliche Linie Koks auf den Oberschenkeln seiner Begleitung zu ziehen.“
    => Zu viel Ehre wäre es für diesen Film, IMHO. Zu viel Ehre wäre es auch für den Herr B. Ich bin mir nicht sich sicher, ob man sich bei jedem Film in die Filmfigur (oder einer realen Menschen) mit allen Hilfsmitteln „reinsetzen“ sollte. Bei diesem Film sollen die Fantasie und die Bilder des Films im Prinzip genügen. (Außerdem, könnte man in einem Maßanzug nach einer (nur einer?) Flasche Champagner und einer ordentlichen Linie auf viel bessere Ideen als über ein Lebens eines Mögliche-Gern-Finanzgenies zu reflektieren. ;))
    Wobei im Punkto Alkohol stimme ich Ihnen zu: Mit einer Cola kann man den dreistündigen Film (eine Karussell der sich ständig wiederholenden Bildern: Geldbetrug-Nutten-Drogen-Geldbetrug-Nutten-Drogen-Gefängnis) nicht aushalten.

    „Gordon Gekko ist eine Lachnummer, fast schon ein sympathischer Mensch, gegen Jordan Belfort.“
    => Gordon Gekko kreiste auch als eine Dimensionsfigur in meinem Kopf. Gekko (aka Michael Douglas in den beiden Filmen) ist viel sympathischer, weil er diesen Funken des Göttlichen in sich trägt (oder glaubt zu tragen), weil er zumindest etwas mehr als nur Gierbefriedigung will. Die sympathische Anziehung des Bösen, die Verführung der Macht, der pulsierende Adrenalin, eine hochkarätige Drama eines Finanzgenies. Und auf gewisse Weise ist er auch ein Schaffender.

    Belfort (Leonardo DiCaprio) dagegen wirkt banal, fade, stumpf, der über das Niveau der „typischen“ amerikanischen Verkäufer der gebrauchten Autos aus irgendeiner Provinz nicht hochspringen kann, egal mit wie viel Jachten, Nutten, Drogen und Geldscheinen man sich umgibt. Ein raffinierter Finanzgenie, der die eigenen Regeln schafft und sich in der Finanzwelt durchsetzt, wird er nie. Der Schreck dieser gähnende Leere inside – vielleicht, flieht er genau davon? Wer weiß.

    „Jordan Belfort ist ein unglaubliches Arschloch, er verkauft Menschen wertlose Wertpapiere, verdient gemeinsam mit seinen Partner unglaublich viel Geld und genau dieses Geld gibt er für Huren, Koks und Drogen aus.“
    => Was ist dabei so unglaublich? IMHO, ein recht langweiliger Standard-Arschloch. Solche „klassische“ Betrugsschemata und solche „Belforts“ gibt es in jedem Land zu genüge. Sie alle kommen und gehen. Sie werden alle kommen und gehen, solange es genug Menschen gibt, die sich „melken“ lassen (wollen).

    „Ein Jubelfilm über einen solchen Menschen?“
    =>Auch wenn Sie darauf hinweisen, dass das nicht der Fall sein soll, glaube ich, dass der Film ganz ohne den Jubel nicht auskommt. „Die Helden der meisten Filmen des 20.Jahrhunderts waren entweder Idioten oder Banditen (Gauner).“ ©. Scorsese führt diese Tradition auch weiter fort.

    „Wolf of Wallstreet ist ein Film in dem Sex, Geld und Drogen eine unglaublich wichtige Rolle spielen. Sie sind die Treiber der Gier und sie sind in diesem Fall nicht gut.“
    => Ich glaube eher umgekehrt: Die Gier ist der Treiber nach Geld und Drogen. Sex gehört komplementär dazu (auch wenn Belfort sagt, dass er süchtig danach sei. Es sieht eher so aus, dass er das „für Gesundheit“ tut, um den guten Rat von Matthew McConaughey zu folgen: Man muss fit bleiben, um Gier zu befriedigen. Denn nicht mal in der Szene im Kinderzimmer ist dieser Mann in der Lage, die Situation zu seinen Gunsten umzudrehen, die ewige Streitigkeiten zu beseitigen (jeden Morgen wohl bemerkt! Das kann man nur aushalten, wenn man non-stop zugedröhnt ist ;). Blöd ist der Mann auch noch. Lieben kann er auch nicht. Nicht mal sich selbst, so wirklich.

    „…und nach dem Verrat an seinen Vertrauten nur nur drei Jahre in ein Bundesgefängnis muss.“
    => Sie wundern sich über „nur 3 Jahren Gefängnis“? („Nur“ steht in Ihrem Text doppelt). Mich wundert, dass dieser Mensch immer noch lebt. Es gibt Ländern, in denen so ein B. schon längst beseitigt wurde oder in der ewigen Angst leben musste, dass dies jederzeit passieren würde.

    Der wahre Belfort soll heutzutage als ein Motivationstrainer arbeiten. Für mich ist dies einer der perfidesten Ironie des Lebens.

    „Eine der besten Szenen spielt aus meiner Sicht am Anfang des Films und Matthew McConaughey hätte einen Oscar als bester Nebenarsteller mehr als verdient.“
    => JAWOHL! Ich würde mich freuen, wenn McConaughey „and the Oscar goes to…“ schafft!

    Viele Grüße
    Lesya

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.