Markt & Wirtschaft

Amazon wird bestreikt und Weihnachten fällt trotzdem nicht aus

Bei amazon.de wird gestreikt und der Vertriebschef des amerikanischen Versandhändlers konterte schon vor einigen Tagen mit folgenden Worten „Warum sollten wir uns von jemandem zur Zusammenarbeit erpressen lassen, der damit droht, das Weihnachtsfest für Kinder zu ruinieren?“.

Ich finde das Wort Erpressung im Zusammenhang mit einem Streik schwierig. Streiks gehören zu den wenigen Möglichkeiten der Arbeitnehmer sich gegenüber einem Arbeitgeber mit Forderungen durchzusetzen. Es mag Ausnahmen geben, aber das Streikrecht ist in Deutschland durch das Grundgesetz geschützt. Dafür gelten bestimmte Regeln, der Weg bis zur Erpressung ist also ein weiter. Es mag sein, dass ein amerikanisches Unternehmen, das in Deutschland versucht so wenig wie möglich Steuern zu zahlen, dies anders interpretiert, aber es zeigt wie einfach es sich die Damen und Herren von amazon machen (möchten).

Der Streik bei amazon.de hat aus meiner Sicht gewisse Vorteile. Einmal wird den Kunden vor Augen geführt auf welche Art und Weise ihr Lieblingsversandhändler seine Margen erzielt, nämlich auf Kosten seiner Angestellten (womit amazon nicht alleine ist).

Auf der anderen Seite kann es den Konsumenten in Deutschland eigentlich egal sein, denn Bücher sind bei amazon genauso teuer wie bei buch.de oder beim Buchhändler um die Ecke, dies liegt an einem für amerikanische Unternehmen fast ebenso abartigen Gesetz wie das Streikrecht, der Buchpreisbindung (§5 Buchpreisbindungsgesetz). Bei allen anderen von amazon vertrieben Artikeln gibt es ebenfalls genügend andere Anbieter, manchmal sogar günstigere! Es könnte sich lohnen statt bei amazon zu bestellen einmal wieder einen Besuch in der Innenstadt, der Shoppingmall oder auf dem Weihnachtsmarkt zu machen um ein Geschenk zu kaufen.

Der Vorteil der durch amazon.de entsteht ist doch eigentlich marginal, es ist vieles bei einem Händler bestellbar, aber warum mal nicht wieder die Vielfalt und die Beratung des örtlichen Händlers genießen. Der muss seine Angestellte zum großen Teil anders entlohnen (Tarifvertrag Einzelhandel) und hat vielleicht dadurch einfach besseres Personal, kann passieren.

Das amazon-Konzept finde ich eigentlich relativ gut, aber ich bin auch der Meinung, dass es nicht sein kann ein Unternehmen zu unterstützen, dass in Deutschland ein Steuervermeidungskonzept fährt, das versucht seine Angestellten im Lager-/Logistikbereich mit allen gegebenen Tricks eine vernünftige Bezahlung vorzuenthalten und auch bei seinem Umgang mit dem Verbraucherschutz (Kindledebatte) eher sich als den Kunden im Recht zu sehen.

Der Streik ist also eine Chance! Eine Chance sich einmal mit den Mitbewerbern zu beschäftigen und mal wieder in die Stadt zu fahren.

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