Wein

Blutsbruder – Für immer vereint. Eine (Marketing)-Verkostungsnotiz

blutsbruder_rot_verkostung Zwei Brüder betreiben ein Weingut, dieses Weingut heißt May, und dazu auch noch Karl May. Da liegt es einfach auf der Hand einen Wein anzubieten der Blutsbruder heißt, denn was ist schöner als die Geschichte von Winnetou und Old Shatterhand, der Indianer und der Cowboy die beide für die gerechte Sache geritten sind. Der Traum aller kleinen Jungs beim Cowboy-/Indianerspiel. Ein Wein der schon auf dem Etikett die Verbundenheit des Blutschwurs darstellt und dazu auch noch den Claim „Für immer vereint“ wie ein Versprechen vor sich her trägt, der muss gekauft werden. So müssen die Gedanken der beiden Brüder gewesen sein, als sie mit ihren Marketingberatern über das Konzept des Cuvees aus Rheinhessen siniert haben. Die Sorten Cabernet Sauvignon & Cabernet Cubin zu 80 % & Dornfelder zu 20 % machen den Wein der auf dem Etikett als ROT angespriesen wird zu einem brüderlichen Gemisch, dass aus meiner Sicht viel verspricht, aber nicht alles halten kann.

Aus reiner Marketingsicht bekommt der Wein eine glatte Eins. Etikett, Flasche, Webseite & die Story hinter dem Wein sind super. Es ist, und muss erlaubt sein, einen Wein genau so zu vermarkten wie es die Gebrüder May aus Rheinhessen tun. Marketing kostet Geld, daher kostet der Blend aus den oben beschrieben Sorten in den meisten Fällen in der 0,75l-Flasche 11,50 €. Ein recht ordentlicher Ladenpreis für einen Cuvee aus Rheinhessen.

Nun geht es beim Weintrinken in der ersten Linie um den Inhalt der Flasche und nicht um das Etikett oder um das Storytelling um den Wein herum. Wenn ich zum Inhalt komme, dann ist der Blutsbruder ein orentlicher Wein, qualitativ gut gemacht, genauso wie es sich die Mays auf die Fahne geschrieben haben. Daran gibt es auch nichts zu rütteln.

Jeder Blutsbruderkäufer hat sicherlich bestimmte Erwartungen an einen solchen Wein, so ging es auch mir, und gerade weil die Erwartung irgendwie besonder ist, ist am Ende die Enttäuschung größer als sie sein müsste. Hier hat das Marketing mehr an Erwartung aufgebaut, als der Wein selber erfülen kann.

Warum ist das so: Der Wein ist ein ordentlicher deutscher Rotweincuvee, er bringt wenig Eleganz mit, was ich auch nicht erwartet hatte. Vielmehr bringt er eine ordentliche Dosis deutscher Bodenständigkeit mit, davon aber mir einen Tick zu viel. Im ersten Moment hatte ich das Gefühl von noch nicht definierbaren Gewürzen in der Nase, ganz kurz hatte ich auch einfach an den Staub gedacht der aufgewirbelt wird, wenn Old Shatterhand und Winnetou durch die Prärie geritten sind. Damit bin ich schon beim zweiten Aspekt, er ist mir zu undefiniert trocken. Der Wein bringt nach dem er geöffnet wurde und ein wenig geamtmet hat ein paar Fruchtnoten mit, wie es sich für einen Cabernet Sauvignon gehört, aber die auch in keiner ausgeprägten Weise.

In der Nase ist er mir zu steif, zu hölzern gewesen, wenig attraktiv eben. Auf dem Gaumen zu flach und dennoch ordentlich von der Qualität. Wir haben die Flasche geleert, denn er ist kein schlechter Wein, aber auch nichts besonderes. Mit einem Blutsbruder würde ich ihn nicht trinken, denn dafür hat er mir zu wenig Body (Blut) im Glas mitgebracht.

Persönlich begrüße ich den Trend in der deutschen Winzerszene sich besser und einfallsreicher zu vermarkten, aber am Ende sollte das Produkt noch zu dem passen was am Ende ins Glas kommt. Ich zahle gerne für guten Wein, aber fürs Etikett nicht ganz so gerne.

Um es mit Sam Hawkins zu sagen:“…wenn ich mich nicht irre!, dann kaufe ich davon keine zweite Flasche“

2 Kommentare

  1. Eine spannende Sichtweise zu diesem Wein, mir gefällt gerade die ehrliche Bodenständigkeir sehr gut.

  2. Wann probierst du den Weißwein der zwei Winzer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.