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Lesen macht nicht erotisch und Männer brauchen Bücherschränke

debattenduell romanfabrik Die Frankfurter Buchmesse wirft bereits ihre Schatten weit voraus und die tiefstehende Herbstsonne warf diese Schatten am Donnerstag, den 26. September bis in die Romanfabrik auf der Hanauer Landstrasse.

Nach einer langen Sommerpause startete die Herbstsaison der Debattenduelle, ein Ereignis das ähnlich sehnsüchtig erwartet wurde wie der Start der zweiten Staffel von Homeland.

Das Publikum strömte in Scharen in die Romanfabrik und auch die Jugend der Welt fand ihren Weg, im Rahmen einer Projektwoche, in die Hanauer Landstrasse.

Der gut gefüllte Saal inspirierte die Debattenteams zu waghalsigen Argumentationsketten und hinreißender Logik in Bezug auf die Erotik des Lesens. Ein tiefer Blick in die Augen der eigenen Teammitglieder wurde vom Schiedsrichterteam nicht als Doping gewertet und auch der Wein und die Pizzaauswahl gingen nur als Stärkung, aber nicht als unerlaubte Hilfsmittel durch.

Unerlaubte Hilfsmittel wurden nur vom jungen Publikum ins Spiel gebracht, als es in einer der Debatten um per Algorithmus geschriebene Bücher auf Onlinebuchplattformen ging. Statt der Autoren sollten doch lieber Computer maßgeschneiderte Bücher für die Konsumenten schreiben. Dies inspirierte zumindest einen der der Gäste zu einem kleinen Ausflug in die Welt der Produktempfehlungen und vor allem in die weite Welt der Phantasie, zumindest in Bezug auf die mögliche Verwendung von Computermäusen.

Bücher die von Serverparks geschrieben werden und Bücherschränke nur für Männer diese beiden Themen beherrschten die ersten beiden Debatten und es ging auf der einen Seite sachlich fachlich zu, auf der anderen Seite wurden Bücherschränke als Orte der Anbahnung gepriesen an denen man sich, zumindest in Offenbach, auch mit interessanten Begleiterscheinungen von Blind Dates am Bücherschrank versorgen kann. Die Phantasie der Diskutanten ging an manchen Stellen fast im Schweinsgalopp mit ihnen durch, was wohl vor allem am erotischen Bestseller der Shades of Grey – Reihe lag. Dieser SM-Roman wurde an diesem Abend mehrfach zitiert, mindestens ebenso oft wie das Fachbuch „BMW | Reparaturanleitung, Jetzt helfe ich mir selbst, So wirds gemacht“. Frauen und Autos sind eben die Themen die Männer umtreiben, auch wenn die anwesenden Damen mit all ihrem Charme versuchten die Diskussionen auf sachliche Themen wie Schminktipps und Schlammpackungen zu reduzieren.

Am Ende konnten sich die Bücherschränke für Männer durchsetzen, aber die per Algorithmus geschriebenen Bücher nicht. Die Angst vor einer ganzen Armada von arbeitslosen Autoren die wie Zombies zur Buchmessezeit durch die Frankfurter Innenstadt laufen würden, hatten dem Publikum wohl, eine nicht ausgesprochene, aber spürbare Angst eingejagt.

romanfabrik debattieren Literatur hat auch immer etwas sinnliches und gerade die Erotik des (Vor)lesens bot in der Schlussdebatte tiefe Einblicke in die Seele und Gefühlslage der beiden Finalteams. Während auf der einen Seite der romantische Moment des gemeinsam sich im Bett vorlesens gepriesen wurde, gab es auf der anderen Seite die Frustration über unerotisch wirkende Mitreisende in der S-Bahn. Zwei Welten, oder besser gesagt Bücherstapel prallten aufeinander, auf der einen Seite die IT-Fachliteratur die es „abgeschleppten“ Damen schwer macht den reizenden IT-Kollegen als Georg Clooney der Serverparks auszumachen, auf der anderen Seite die fremdsprachliche Literatur die für anregende Momente im Ehebett sorgen sollte.

Am Ende siegte die Sachlichkeit über die Erotik, oder vielleicht hatte auch nur wieder die Buchmesse ihre Hände im Spiel, denn das Gastland Brasilien bietet eher erotisches aus der Hüfte, denn aus dem vorlesenden Auge. Egal wie meine werte Leserschaft die nächsten Abende verbringen wird, ob mit dem einüben fremder Texte im Schlafzimmer oder mit der Tüftelei am defekten BMW, ich freue mich jetzt schon auf das nächste Debattenduell am 24. Oktober um 19.00 Uhr in der Romanfabrik.

Ein Dankeschön an das Team von Vaevictis die als Organisatoren für die unvergleichlichen Abende im Rahmen des Frankfurter Kulturbetriebs sorgen und an Natalie Färber für die Bilder.

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