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Hochzeitsfotografie vs. Scheidungsfotografie

hochzeitsbild Ein Paar tritt aus dem Gerichtsgebäude, schaut sich noch einmal tief in die Augen, dann gehen beide auseinander.
Der kurze, aber einschneidende, Moment wird fotografisch festgehalten. Für die Ewigkeit, ebenso wie die Trauung des Paares einige Jahre zuvor. Die Bilder von der Hochzeit sind in einem dicken Album irgendwo auf dem Dachboden oder im digitalen Nirwana abgespeichert, dafür gibt es nun frisch die Bilder von der Trennung. Scheidungsfotografie ist ein neuer Trend, kein Wunder es lassen sich doch immer mehr Menschen trennen um dann wieder zu heiraten, oder auch nicht!

Scheidungsfotografie?
Ja, wirklich, es gibt dieses Segment, der SPIEGEL hat darüber berichtet. Ich musste kurz nachdenken, ob ich Bilder vom Tag meiner Scheidung hätte haben wollen. Die Antwort fiel schnell, ein klares Nein!

Ein Hochzeitsfotograf muss sich sicherlich auch überlegen, ob es nicht ein neues Geschäftsfeld ist, wenn er die Paare die er einmal vor dem Altar abgelichtet hat, nicht einige Jahre später wieder vor dem Richter fotografieren möchte. Es ist für mich eigentlich schwer vorstellbar, denn ein guter Hochzeitsfotograf möchte den glücklichen Moment, den Neubeginn festhalten (es gibt sicherlich einige die jetzt denken, dass eine Scheidung auch ein glücklicher Tag ist, und auch ein Neubeginn) und nicht das Ende.

Anfang oder Ende?
Eine Hochzeit ist ein schöner Moment, einer von dem es sich lohnt einige Bilder zu besitzen, egal was in den Jahren danach alles passieren mag. Es gibt ja in der Regel auf Hochzeitsbildern nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch noch eine ganze Menge anderer Menschen die bei der Hochzeit anwesend gewesen sind. Großelterm, Elterm Onkels, Tanten, Freunde und einige andere mehr die es auf die Gästeliste geschafft haben und an die sich später selbst die nicht mehr erinneren können die sie einmal auf die Gästeliste gesetzt haben. Auf den Fotos der Hochzeit sind sie aber noch zu erkennen, und wenn die Einladenden Glück haben, dann sogar mit einem Geschenk in der Hand.

Es macht also viel mehr Sinn schöne Bilder vom Anfnag einer Beziehung zu haben, als vom Ende, denn da sind in der Regel weder Onkel noch Tanten drauf, im besten Fall der Rechtsanwalt der die beiden Getrennten bei der Auflösung der Zweisamkeit begleitet hat, oder evtl. könnten noch Paartherapeuten und Trennungsmediatoren mit aufs Bild. Die Kriegsgewinnler einer Scheidung (sozusagen als Scheidungszeugen), denn sie sind meist die Gewinner drumherum, denn die zu trennenden haben ihnen eine Menge Geld in die Kasse gespült. Damit stellt sich dann auch schon wieder die Frage, ob am Ende noch genügend Geld für ein Scheidungsfoto vorhanden ist. Am Anfang ist das schöne Hochzeitsfoto keine Frage des Geldes, mehr eine Frage des richtigen Hochzeitsfotografen. Ein echter Profi ist da meist auch besser als ein guter Kumpel der eben mal ein paar Bilder macht.

Die Quintessenz
Der SPIEGEL mag zwar vielleicht einen Trend beim Thema Scheidungsfotografie ausgemacht haben, oder der Journalist ist ein guter Freund der jungen Dame die sich diesem Spezialgebiet (?) gewidment hat und macht nun einen Trend daraus. Dieser wird, so der Artikel, zumindest eher von Frauen gebucht, weil sie eine stärkere emotionale Bindung zu ihrem Hochzeitskleid haben und daher auch am letzten Tag noch einmal in diesem abgelichtet werden möchten, wenn es passt!

Für mich ist ein Bild zweier Menschen die sich zueinander bekennen mehr wert als das Bild zweier Leute die sich trennen, dies mag daran liegen, dass in einer Trennung auch immer ein Stück scheitern steckt, was nicht schlimm ist, aber ich schaue mir lieber Bilder vom Stapellauf eines Schiffes an, anstatt Bilder vom Untergang der Titanic.

Mein Geld spare ich mir lieber für die nächsten Hochzeitsbilder, denn eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, und davon hätte ich gerne ein paar schöne Bilder, auch gerne ganz undigital im Rahmen auf dem Schreibtisch!

1 Kommentar

  1. Vor 16 Jahren empfahl Willi Schalk in einem Vortrag den Zeitungsverlegern, neben Hochzeitsanzeigen auch Scheidungsanzeigen abzudrucken. Warum sollen nur Anwälte an Scheidungen verdienen?

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