Reise

Porno Berlin

porno_berlin Berlin ist anders, anders als Frankfurt, München, Düsseldorf und all die anderen Städte die wir so in Deutschland haben. Berlin ist, wie auf dem T-Shirt aus Berlin zu lesen, einfach Porno. Wobei ich Porno einfach mal mit einer etwas älteren Erläuterung in Verbindung bringen möchte:

Pornographie: Freizügiges Gemälde zur Ausschmückung der Wände in Räumen, die bacchanalischen Orgien gewidmet sind. Beispiele sind in Pompeji vorhanden.

Berlin ist wirklich nicht so spießig wie Frankfurt oder München, dafür irgendwie hässlicher, offener und eben manchmal wahnsinnig obszön. Die Stadt hat wunderbare Dinge zu bieten, die Museumsinsel ist ein Traum und auch viele andere Punkte in der Stadt sind toll. Wer einmal am Landwehrkanal an einem Sommerabend bei guten Gesprächen die Zeit vergessen hat, oder in Mitte ein Glas Wein genossen hat und dabei der Stadt zugesehen hat, der weiß viellicht was ich meine.

Dafür kann die Stadt einen mit ihrer brutalen Offenheit schon fast schockieren, denn ich finde, nirgendwo prallen so viele Gegensätze aufeinander wie hier. Das macht den Reiz der Stadt aus und gibt ihr genau den Hauch der von vielen Weltstars geliebt wird, weil Berlin nicht glattgeschliffen ist, sondern sich immer noch von der Geschichte erholt.

berlin_hausfassade Frankfurt ist chic, München ist spießig und Hannover einfach langweilg (hat schon Frau Schöneberger gesungen). Berlin hebt sich da eben ab, aber eben nicht immer nur im positiven Sinn. Denn trotz aller Coolness und der ganzen Hipster Scheiße Mode ist Berlin an manchen Stellen einfach nur eine ziemlich schlecht gekleidete Stadt. Wobei dies auch nur auf große Teile des trendigen Berlins zutrifft, dort wo früher West-Berlin in die Dunkelheit des Sozialismus mit der Taschenlampe des Kapitalismus versucht hat einen Lichtkegel zu werfen, dort ist heute die gleiche Langeweile anzutreffen wie in jeder x-beliebigen deutschen Fußgängerzone. Die Inszenierung einer Marke gelingt aus, mir noch nicht ganz nachvollziehbaren Gründen, zwischen Ostplatte und ehemalig preußischer Hauptstadtarchitektur einfach besser als auf dem Kudamm. Die Klamotten die zwischen Alex und Hackschen Höfen von Boss, Fred Perry und allen anderen Designlabels angeboten werden, trägt aber in Berlin offenbar kaum jemand. Hier herrscht eine unglaubliche Mischung aus frivoler Verwendung von H&M-Klamotte in Kombination mit den unglaublichsten Independentlables dieser Stadt. Dieser Modemix wird mit einer nahezu furchtlosen Arroganz, ohne einem Anflug von Angst vor Hässlichkeit, zur Schau gestellt.

Berlin ist so gesehen eine furchtlose Stadt, in der selbst im Hochsommer die kurze Hose ihr Entrée in die Berliner Geschäftswelt gefunden hat, ungezwungene Lockerheit eben, wie sie nur in einer Stadt gelebt werden kann, deren Credo „Arm, aber sexy“ ist. So wie manche Menschen die Kölner Fröhlichkeit nur als Deckmantel für die Unfähigkeit der Kölner zur ernsthaften Beschäftigung sehen, so ist die Berliner Poorness das Synonm für ein nicht ernst gemeintes Erwachsenwerden unserer Hauptstadt.

Berlin will eigentlich gar nicht so richtig Hauptstadt sein, zumindest nicht in dem Sinne, dass die Stadt sich dafür rausputzen muss, oder einen richtigen Flughafen braucht! Berlin bleibt lieber Baustelle, immer anders und nie reifer als ein pubertierender Jugendlicher, damit lässt sich ganz gut zurechtkommen, und Heranwachsende haben ja auch immer zu wenig Taschengeld.

Als Frankfurter schaue ich, nach fünf Tagen in der pubertierenden Stadt, etwas neidisch auf diese, denn ihr Nachleben ist definitiv besser als unseres. Die ungezwungene Art der Berliner ist wesentlich ansteckender als das was mir manchmal in Frankfurt begegnet, obwohl ich immer der Meinung bleiben werde, dass Frankfurter keine Stoffel sind. Berlin ist einfach noch nicht reif und darf es auch nicht werden, denn wir haben genügend Städte in Deutschland in denen das Nachtleben mit der Konformität der Hausordnung einer Kleingartenkolonie verläuft.

In diesem Sinne: Berlin ist Porno, aber in HD! Ach-ja, und wo sonst könnten so unglaublich geile Blogtexte entstehen wie die von Oliver Flesh aus Berlin & so verwirrende Romane wie Berlin Gothic von Jonas Winner.

berlin_nachtleben

3 Kommentare

  1. The Berlin Porno Company

    Großartige Beschreibung unserer Stadt, wir sind halt einfach mal ein ganz großes Stück geiler und mehr Porno als Frankfurt je sein wird.

    Porno ist überhaupt die richtige Beschreibung für Berlin: Berlin ist wie ein Porno. Einfach nur rattig geil und es gibt in Berlin einfach alles, so wie es für fast jeden Fetisch einen Porno gibt haben wir für jeden seinen Kiez. Selbst die in der Missionarsstellung sich vermehrenden (ich wollte f**ckenden schreiben) Schwaben, haben in Berlin ihr Plätzchen gefunden. Dabei werden sie zwar von einer ganzen Meute viel geilerer und heißerer Zugezogener belächelt, aber Berlin ist eben auch tolerant und das ist einfach PORNO Geil.

  2. Pinkback: The Porno Berlin Food & T-Shirt Collection › meiersworld.de

  3. Hab ich dich schon für den Satz „So wie manche Menschen die Kölner Fröhlichkeit nur als Deckmantel für die Unfähigkeit der Kölner zur ernsthaften Beschäftigung sehen…“ gelobt? Nein? Dann möchte ich das hiermit tun. Musste für eine ähnliche Einschätzung viel Kritik einstecken: http://tomasherzberger.net/koeln

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