Markt & Wirtschaft

Wie dir ein Check-In den nächsten Geschäftsabschluss ruinieren könnte…

rezeption Es macht mir persönlich wahnsinnig viel Spaß über foursquare an verschiedenen Orten einzuchecken, auf diese Art und Weise werde ich daran erinnert wie lange ich schon nicht mehr beim Friseur gewesen bin, oder das ich zu oft in ein und demselben Lokal meine Nudeln verspeise. Manchmal macht es einfach nur Spaß sich mit Kollegen um den Titel des Mayor an einem bestimmten Platz zu battlen.

Wenn ich auf Reisen bin, checke ich auch gerne mal ein und gebe damit anderen Menschen die Möglichkeit, wenn sie Interesse daran haben, an dieser Reise teilzuhaben. Es interessiert nicht immer jeden Follower ob ich bei Starbucks am Kaiserplatz einchecke, oder mal wieder bei ReWe-City, aber wenn ich gerade einem Löwen in Afrika in die Augen sehe und das an einem location-based-POI mache, dann findet das mancher meiner Friends vielleicht ganz interessant. Damit ich niemanden mit meinen Check-Ins auf die Nerven gehe, habe ich die automatische Teilen-Funktion bei foursquare ausgeschaltet und nutze sie nur noch manuell. Immer dann, wenn ich an einem wirklich spannenden Punkt bin. Einem POI den ich auch mit meinen Kontakten in anderen sozialen Netzwerken teilen möchte. Auf facebook gibt es natürlich auch die Möglichkeit sich selber an einem bestimmten Ort zu markieren und damit seinen aktuellen Aufenthaltsort mitzuteilen, dies macht aus meiner Sicht dann Sinn, wenn ich z.B. mit Freunden und/oder Kollegen, mit denen ich auf facebook verknüpft bin, an einem wahnsinnig aufregenden Ort bin, wie z.B. der Kantine der IG-Metall.

Die Nutzung von Social Media birgt ein gewisses Suchtrisiko. Es gibt Freunde von mir, die selbst meinen reduzierten Umgang mit facebbok und foursquare für leicht übertrieben halten und mir ein gewisse Abhängigkeit unterstellen. Manchmal neige ich hier zur Übertreibung, aber das eher für diejenigen die das Netz und seine Möglichkeiten noch erkunden (Stichwort #neuland) und kein Leben führen, bei dem berufliche und private Interessen sich manchmal stark überschneiden.

Das Netz und seine soziale Ableger gehören für mich zum Alltag, beruflich wie privat. Es gibt dabei aber Dinge die ich nicht mache; einmal weil es eben auch ein Privatleben gibt das einem nur ganz alleine gehört, ganz so wie früher, oder weil es sich nicht mit beruflichen Interessen und Anforderungen decken würde.

In meinem Job bin ich ab und an bei Unternehmen die noch kein Kunde meines Arbeitgebers sind, es aber potentiell werden könnten. Hier sehe ich immer davon ab einzuckecken, es muss ja niemand von unseren geschätzen Mitbwerbern wissen, dass wir gerade versuchen ihnen das Wasser bei einem ihrer Kunden abzugraben. Auch Check-Ins an Bahnhöfen und Flughäfen sind an solch einem Tag eher tabu.

Nun ist mir aufgefallen, dass diese von mir, für mich, aufgestellte Regel von einer großen Anzahl von Menschen anders gehandhabt wird. Ist ja auch meine Regel!

Aus meiner Sicht würde es aber Sinn machen, diese Regel auch in Social-Media-Guidelines zu verankern.

Warum?

Relativ häufig sehe ich bei befreundeten Kollegen (aus anderen Agenturen) oder freien Beratern an welchem Ort sie sich gerade aufhalten: Da wird mit großem Stolz ganz selbstverständlich in der Lufthansa Senator-Lounge eingecheckt. Teilweise gleich mehrmals die Woche, danach geht es in Hotels der gehobenen Klasse zur nächsten Übernachtung und statt mit der U-Bahn geht es mit der Hotel-Limousine zum Abendevent in einer der angesagten Clubs!

Alles echt ganz schön cool!

Das dachte ich mir neulich bei einem besonders eifrigen Exemplar der Social-Media-Berater-Gattung.

Meine Gedanken dazu habe ich dann nicht sofort mit meiner Followergemeinde geteilt, und auch nicht sofort zur Tastatur gegriffen um diesen Blogbeitrag zu schreiben. Erst einmal habe ich mit Freunden und Kollegen gesprochen und einmal hinterfragt, ob es ihnen so geht wie mir, dass manche Check-Ins eher kontraproduktiv sind.

Die Mehrheit teilte meine Ansicht: Wir arbeiten in unseren Jobs alle viel und hart, da ist es natürlich ohne Neid anzuerkennen, wenn jemand sein Kopf auf ein gehobenes Kissen betten kann, und auch schon auf dem Weg zum Ziel nicht in der Holzklasse reisen muss. Peer Steinbrück sitzt auch lieber in einem Auto der Vorstandsklasse, statt in einem Arbeitervehikel, muss er auch nicht, aber die Signalwirkung dieser Aussage möchte ich mit manchen Check-Ins vergleichen.

Sie geben ein falsches Bild wider!

Weniger Checks-Ins können mehr sein, denn Kunden & Kollegen können sehen was wir tun und wo wir einchecken, es entsteht ein Bild von uns, vielleicht sogar von unserem Arbeitgeber das nicht deckungsgleich ist mit dem was wir wirklich zum Ausdruck bringen möchten.

Ein Kunde der durch Zufall von einer besonders luxuriösen Anreise erfährt, könnte sich auf die Füße getreten fühlen, weil er das Gefühl bekommt, dass sein Dienstleister seinen Mitarbeitern gegenüber zu spendabel ist, auch wenn dies gar nicht der Fall ist. Es gibt viele Gründe warum ein Geschäftsreisender diesen oder jenen Luxus (was ist das?) genießen kann. Diese Gründe teilen wir bei unseren Check-Ins aber nicht mit, wir manifestieren etwas, das bei Dritten zu nachfragen führen kann, aber in den meisten Fällen nie gefragt werden wird.

Früher ist es nur der zu groß geratene Dienstwagen gewesen, der bei Kunden für Unmut gesorgt hat. Heute kann es die Anreise, das Hotel oder das Restaurant sein, welches vom Dienstleister verwendet wird. Social Check-Ins können die Online-Reputation mächtig steigern, aber im wahren Leben ganz andere Auswirkungen haben. Das echte Leben und das Leben in den Social Networks unterscheidet sich an vielen Stellen immer noch sehr stark. Es macht also Sinn seine Handlungen im Netz auf die Wirkung im echten Leben zu überprüfen. Gerade dann, wenn mal wieder die Mayorship der Business Lounge am Flughafen Paderborn auf der Kippe steht.

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