Wein

Uschis Pommesbude und der deutsche Wein

2013-04-29 15.59.02 Captain Cork schrieb neulich…

„….die deutsche Weinlandschaft (nicht nur jene im VDP) zerbricht in zwei Teile. Die Braven. Und die Mutigen.“

Er bezog sich dabei auf die Weinherstellung, das Endprodukt in der Flasche, bzw. im Glas. Es geht um Kellertechnik und die Herkunft und um Winzer die Mut haben und solche die sich auf das verlassen was sie schon lange gut können. Wenn der Captain das so schreibt, dann ist dies nicht überraschend, denn wer sich als normaler Weintrinker auf das Angebot im Laden verlässt, der hört immer öfter „junger, mutiger Winzer. Kantiger Wein mit ungewöhnlichen Fruchtaromen“ ….und so weiter, und so fort.

Mir geht es aber gar nicht um den Besuch im Weinladen, mir geht es um den Besuch auf dem Weingut, beim Winzer, in der Weinregion, dort wo jung und kantig Wein angebaut wird, oder auf verlässliche Art und Weise der Korken auf den Riesling kommt.

Am Montag konnte ich eine kleine spontane Tour an Nahe, Mittelrhein und Rheingau antreten (einer der Vorteile von Frankfurt ist nun einmal eine gewisse Nähe zu einigen Weinanbaugebieten). Dabei hatten Herr B. und ich neben der Verkostung von Wein und der Auffüllung der Kellerbestände der Familie B. noch die Idee einen guten deutschen Wein zu einem Stück Fleisch und frischem Spargel essen zu können.

An dieser Stelle setzt dann meine ganz andere Sichtweise auf die deutsche Weinlandschaft ein, nämlich die der Vermarktung. Hier gibt es keine mutigen Winzer, eher brave und biedere deutsche Gelsenkirchener-Barock-Romantiker, wenn überhaupt. Ich meine auch nicht die Vermarktung über Social Media, per Mailing oder aus dem twitternden Weinberg. Das bekommen die Winzer aus Deutschland auch schon ganz gut hin, aber woran es in erschreckender Weise fehlt ist eine gute und ordentliche Präsentation.

Zugegeben ich bin hier von meinen Aufenthalten in Südafrika deutlich vorbelastet, mir ist auch klar, dass wir teilweise über andere Möglichkeiten sprechen, die Winzer in Südafrika, alleine wegen des Klimas und des Lohnniveaus haben.

gleenwood wine estate Einige Winzer in Südafrika bieten den Besuchern ihrer Weingüter neben modernen, hellen und verkaufsstarken Verkostungsräumen ein sehr gutes gastronomisches Angebot. Direkt auf dem Weingut werden hier passende Gerichte zu den eigenen Weinen angeboten, zur Mittagszeit und am Abend, teilweise durchgehend über den ganzen Tag. Es gibt auch hier saisonale Schwankungen, aber wenn in Deutschland ja wohl Saison für Wein ist, dann zur Spargelzeit!

Während ich also in Südafrika mitten großer Sicherheit bei einem der etwas größeren Weingüter in tollem Ambiente die eigenen Weine des Winzers, gepaart mit guter Küche, probieren und genießen kann, fahre ich in Deutschland durch eine fantastische Landschaften mit Kneipen und Restaurants die geschlossen sind (warum wohl?). In den Ausflugsorten des Rheins ist selbst am Montag Ruhetag und die Winzer essen bei Mutti in der Küche, während der willige Gast mit seinem Auto voller Wein bei Uschi an der Pommesbude halten muss, oder im Goldenen Anker Fertigsauce mit Pressfleisch auf den Teller bekommt. Dazu eine Weinauswahl die sich mehr am Preis als an der Qualität orientiert.

Sicherlich, wenn ich fleißig im Feinschmecker und in der falstaff blättere dann finde ich auch an Rhein, Main, Mosel und Nahe genügend Restaurants die mir bei einem Besuch der Region eine warme Mahlzeit und mehr anbieten, aber eben immer zu den klassischen deutschen Restaurantbedingungen – teure Flaschenweine, in manchmal gruseliger Atmosphäre mit schlechtgelaunter Bedinung, oder einfach nur Essen zu Mondpreisen weil ausnahmsweise die Umgebung stimmig ist – Genau diese Situation finde ich aber schwlimm, langweilig und unsexy. Warum keine kleine nette Küche bei einer Winzerkooperation, warum kein Angebot das aus Regionen die unter der Woche keine Besucher anlocken, einen Grund machen an einem sonnigen Montagmittag an die Nahe zu fahren und die Küche, den Wein und die Gegend zu genießen.

Es gibt ausreichend Touristen im Rhein-Main-Gebiet die alle dankbar dafür sind, wenn sie nicht jeden Tag deutschen Einheitsbrei in Ausflugslokalen oder auf Rheinschiffen essen müssen.Teilweise präsentiert sich die deutsche Kulturlandschaft in den Weinanbaugebieten wie billiger Tütenwein, obwohl sie in Wirklichkeit ein Prädikatswein mit Korkverschluss ist.

Kapstadt und Stellenbosch/Franschhoek liegen ungefähr genauso weit auseinander wie Frankfurt und der Rheingau und Rheinhessen, oder das Nahegebiet. Es müsste ausreichend Nachfrage nach einer anderen Art der Gastronomie und der Weinpräsentation geben, denn auch in Kapstadt legen die Touristen und die Einheimischen diese Distanzen zurück um sich dem Erlebnis Wein hinzugeben.

picknick boschendal Die Gegenargumente habe ich mir heute, bevor ich den Blogbeitrag geschrieben habe, aus profundem Mund alle angehört. Ich kann sie verstehen, die Gründe für den geschlossenen Montag, die geringe Nachfrage und das damit verbundene unternehmerische Risiko zu Beginn eines anderen Konzepts. Am Montag bei der Fahrt von Frankfurt an die Nahe, nach Oberwesel und zurück nach Oestrich habe ich gesehen wie viel diese Gegend zu bieten hat, aber wie wenig die Träger der Weinkultur dafür tun um ihren mutigen Wein auch modern und mit Pepp zu präsentieren, da wird selbst der mutige Winzer zum braven Michel.

Ganz zum Schluss noch eine letzte Anmerkung warum in Deutschland viele Weinlokale (was ist das eigentlich?) nicht so erfolgreich sind. In Südafrika bekomme ich die Flasche im Restaurant des Weinguts mit einem geringen Aufschlag zum Abholpreis serviert, in Deutschland oft mit einem saftigen Aufschlag. Da wird die Flasche durch den Transport über den Hof zum Luxusgut und vielen potentiellen Kunden vergeht die Lust auf Wein & Essen.

Vielleicht ist Uschi mit ihrem Pommeswagen auch deshalb so erfolgreich?

Link zum Artikel Jahrgang 2012: VDP am Scheideweg? bei Captain Cork

Link zu einem Beitrag hier im Blog zum Glenwood Wine Estate und seinem Sushi-Angebot

2 Kommentare

  1. G. Schuster

    Herr Meier, Sie haben Recht, jedoch nur zum Teil. Es ist nicht nur die Gastronomie die am Monatag ihren Sonntag macht. Habes Sie bei Ihrem Ausflug versucht, ein Museum zu besuchen? Hötten Sie mal, dann wüssten Sie, warum am Montag so wenig Touristen auf den Straßen sind. Wenn ALLE jeden Tag geöffnet hätten, hätten wir keine „dunklen Montage“. Und „Uschi“ Montags leider ein ganz normales Geschäft.

    Das ist das Schöne, hier in Russland, ich kann am Sonntags in die Bank, zum Lebensmittelmarkt oder zu einem bekannten (nicht russischen) Möbelhaus, ins Restaurant oder mir einen Anzug kaufen, überall werde ich an 28, 29, 30 oder 31 Tagen und an 12 Monaten bedient.

  2. de Pälzer

    Wer die teuren Lokalmieten in Deutschland kennt, weiss, warum die Weine in den Restaurants so teuer sind.
    Auch in der Pfalz gibt es aber Weinstuben mit regionalem Essen und Wein zu vernünftigen Preisen. Die klassischen Straußwirtschaften hingegen bieten meist gute Pfälzer Hausmannskost, aber ihren eigenen meist furchtbaren Wein dazu. Die Weingüter, die besseren Wein produzieren, setzen sich mit wenigen Ausnahmen nicht mehr der Arbeit und Mühen einer Straußwirtschaft aus, sondern machen 1-2 mal im Jahr ein kulinarisches Hoffest oder einen Menu-Abend. Im Übrigen langt (leider) den meisten Menschen eine gute Schorle zum Essen nach dem Wandern, die begüterten gehen in ein gutes Restaurant und bezahlen dann halt den Winzerpreis x3 für eine gute Fl. Wein.

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