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Billig, Braun und (k)ein Statussymbol

tuete_von_primark Der Valentinstag hat Frankfurt verändert, denn vorher gab es nur im Frankfurter Nordwestzentrum diesen geheimnisvollen Ort vor dem sich bereits am frühen Morgen lange Schlangen von sehr jungen Frauen und älteren Mädchen bildeten. Sobald sich die Türen des Grals der günstigen Mode öffnen strömen die wartenden Massen hinein. Dort wurde alles was nicht niet-/nagelfest ist, in die bereitgestellten Plastikkörbe gepackt und so schnell wie möglich zur Kasse gebracht. Wer es geschafft hatte vor allen anderen Konkurrentinnen ein Stück günstigen Stoffs für sich zu ergattern und dies zu bezahlen wird mit dem höchsten Gut der Grals ausgezeichnet. Kein weibliches Wesen verlässt diesen Ort ohne eine hässliche braune Tüte, die einen an die Verpackung für Alkohol aus amerikanischen Filmen erinnert, und einen Schriftzug in ziemlich augenkrebserregender Farbe ziert.

Nun, nach dem Valentinstag gibt es nicht nur eine kleine Kirche zur Anbetung von Billigklamotten im Nordwestzentrum, es gibt auf der Frankfurter Zeil einen Dom. Frankfurt wurde vom irischen Unternehmen Primark mit einem Flagshipstore gesegnet. Mitten auf der Zeil steht nun einer der größeren Ableger des irischen Billigklamottenimperiums und die Frankfurter Frauen und Mädchen huldigen auch dieser Anbetungsstätte und sie tragen die Tüten der Hässlichkeit hinaus in die Welt.

Früher konnten Besucher der Frankfurter Zeil auf den Tüten der Einkaufenden Namen wie M. Schneider und Ammerschläger lesen, dann kamen Peek & Cloppenburg und Pohland, nun sind Bershka und Primark die Tüten die rund um die Zeil den „Farb“ton angeben. Billige Tüten mit günstiger Ware aus Fernost. Mode zum Wegwerfen, ein Trend der sich immer mehr durchsetzt und von dem ich gedacht hätte das er mit Zara und H&M seine günstigsten Anbieter gefunden hätte. Offenbar geht es aber noch günstiger und so ist H&M heute schon fast teuer, wenn es um den Vergleich mit Primark & Bershka geht.

Manchmal wundere ich mich über den Erfolg dieser Läden! Es müsste doch den, meist jungen, Käuferinnen klar sein, dass ein Top für 2,50 € nicht gerade Spitzenware ist, die von vernünftig bezahlten Menschen produziert worden sind. Selbstverständlich muss auch Mode bezahlbar sein, und ein Stück Stoff muss keine 100 € kosten nur weil ein Name aufgedruckt ist, aber wer nur noch billig kauft muss sich nicht wundern, wenn sich die Qualität eher verschlechtert als verbessert. Ein Trend wie bei Lebensmitteln, immer billiger – immer schlechter, immer anfälliger für Tricks und Schummeleien.

Früher habe ich gerne mal gescherzt, dass die Höschen von H&M sich perfekt für Schauspieler aus dem Erotiksegment eignen würden, weil es nichts ausmacht, wenn der Slip zerissen wird, denn er kostet ja nur wenige Euro. Heute würden Pornosternchen wohl eher mit der Primark-Tüte zum Set kommen.

Am schlimmsten hat es übrigens die Hauptwache getroffen, denn dort kreuzen sich die Wege der Billigkäuferinnen, die einen kommen mit der U-Bahn aus dem Nordwestzentrum und die anderen Tütenträgerinnen kommen gerade von der Zeil. Hier ist die braune Tütendichte am höchsten.

Frankfurt hat zumindest bisher Glück gehabt, denn in Essen sind die hässlichen Tüten offenbar kein Statussymbol, hier werden die Tüten direkt vor Primark entsorgt, was die Reinigungskräfte der Stadt in besonderem Maße fordert.

2 Kommentare

  1. Pinkback: Primark als braunes Frankfurter Armutsrisiko | MotorBlöckchen

  2. Pinkback: Pohland geht und Mango kommt - Mehr Kleidungstrash auf der Zeil › meiersworld.de

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