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In die Tastatur gekotzt…

…ich zitiere hier nur, und jetzt geht es mit meinen eigenen Worten weiter:

Es ist glaube ich wichtig in der neuen deutschen Blogosphärenschreibe auch ab und an Worte in der Schriftsprache zu benutzen die uns eher in der Umgangssprache begegnen, eines dieser Worte ist gekotzt. Es ist wichtig, dass dieses Wort in einem Artikel vorkommt, wenn er den irgendwie authentisch für einen Schreibstil steht der von den Massen geliebt wird.

Eine normale Ausdrucksweise ist irgendwie nicht en vogue genug, daher möchte ich heute Abend, während die Eintracht gerade 0:1 hinten liegt auch einmal dieses Wort in einem direkten Zusammenhang mit von mir geschrieben Worten bringen.

Vorab möchte ich aber noch auf den eMagbeitrag von Oliver Flesh hinweisen, in dem mir das schöne gekotzt-Wort aufgefallen ist. Im Zusammenhang mit Benjamin Stuckrad-Barre schreibt er „Wir spürten, dass Benjamin sein Debüt direkt aus seinem Herzen in die Tastatur gekotzt hat.“

Wie geil ist das denn: „Direkt in die Tastatur gekotzt..“, was für ein hammerharter Ausdruck, und ich kotze hier gleich im Strahl, weil während der Halbzeitpause Werbung für diesen vollkommen schwachmatischen Hänsel und Gretel – Film läuft. Beim Schreiben des Plots für diesen idiotischen Kinofilm hat der Autor sich sicherlich am laufenden Band übergeben müssen, weil er seinen Verstand derart mit Alkohol betäuben musste, dass jeder Magen nur rebellieren kann und sich rächt.

„In die Tastatur kotzen“ ist natürlich eine Metapher, wie meine kluge Leserschaft schon lange erkannt hat, für einen Gemütszustand der einen ab und an überkommen kann, wenn es nicht so optimal läuft, oder wenn man sich als typischer Frankfurter Angestellter, denn Frankfurt ist eine Angestelltenstadt wie Wilhelm Genazino in seinem Buch Tarzan am Main schreibt, an einem Freitagabend unter das Volk in der City mischt. Da verspürt jeder der noch nicht um 14.00 Uhr sein Büro verlassen hat, seine Rückständigkeit in Sachen Partylaune in der Finanzmetropole. Die Bänker der City feiern sich bereits seit geraumer Zeit auf dem Schillermarkt vor der Börse, oder den Kneipen die ihnen den richtigen Rahmen für einen gelungenen Wochenausklang bieten.

Mischt sich nun der normale Frankfurter, der nicht in der Finanzbranche arbeiten darf, am Spätnachmittag in eine Traube der gut gelaunten Finanzmenschen, dann ist es nur ein schmaler Grad zwischen Bewunderung für die coolen Typen, die sich von den Schwankungen der Märkte nicht beeindrucken lassen und noch eine Runde Pils/Wein/Äppler/laktosefreien Latte oder einen Schampus ordern, und dem Gefühl gleich auf das Display seines Smartphones den Inhalt seines Magens entleeren zu müssen, weil die Cityboys mit einer derartigen Arroganz über die normalen Menschen sprechen, dass es keine andere Alternative geben würde, als auf diese Art und Weise seine Abscheu gegenüber den getätigten Äußerungen zum Ausdruck zu bringen.

Nun ist es bei Bänkern evtl. so wie bei Sinti und Roma, die meisten sind total okay und nichts anders als liebende Familienväter die ihr Geld nun einmal mit dem Geld anderer Leute verdienen, aber einige wenige versauen eben den Gesamteindruck. Aus diesem Grund sind alle Sinti und Roma Verbrecher und alle Bänker sind gierige und miese Schmierlappen die auf Kosten der Steuerzahler gegen die Beschränkung der Boni protestieren.

Für Frankfurt ist dieser Typus „Finanzangestellter“ ein echter Standortnachteil, weil Menschen aus anderen Branchen ungern in Frankfurt arbeiten möchten, weil die kalte Stadt bei ihnen sofort einen Brechreiz auslöst und sie immer nur an die Abziehbilder der Frankfurter Angestellten denken, eben die Typen die sich ab 14.00 Uhr jeden Freitag betrinken und es „Lebensart“ nennen, weil die großen Brüder an der Themse es ebenso machen. Die Jungs an der Themse sind nun auch keine Sympathieträger, aber für die Spezies der Frankfurt Citboys ist dies nur Neid, denn sie sich teuer erkauft haben.

An der Stelle sind bin ich auch wieder zurück beim „in die Tastatur kotzen“, denn es bleibt einem fast nichts anderes über, wenn ich an so manche Citybegegnung denke.

Selber bin ich ein großer Fan des Schillermarkts, aber ich verstehe nicht warum eben manche Leute sich in ihrer Überheblichkeit über anderen Menschen stellen und lauthals darüber parlieren müssen wie geil sie doch wieder diesen und jenen Deal geclosed haben und dabei den Idioten in Berlin und ihrer Regulierungswut den Stinkefinger gezeigt haben. Gerade wenn Händler der „staatlichen“ Commerzbank im Rausch der eigenen Allmacht über ihre Geilheit sprechen, dann ist jeder Zuhörer tatsächlich geneigt sich wie Benjamin Stuckrad-Barre zu verhalten.

Frankfurt braucht seine Finanzindustrie, der Großteil der Menschen die dort arbeiten, sind total ok. Sie leben in Frankfurt und im Speckgürtel und sorgen mit ihrem ordentlichen Einkommen für den Transferausgleich im Sinne der sozialen Marktwirtschaft, aber eben einige wenige, leider oft die Lauten, aus der Branche sorgen für ein Bild von Frankfurt, dass so nicht richtig ist. Wenn ich daran denke, dass das ansehen meiner Stadt von solchen Deppen beschädigt wird, dann möchte ich, nun ja ihr wisst ja was.

Ach.ja, die SGE könnte jetzt noch ein Tor mache, dann würde es mir besser gehen!

1 Kommentar

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