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Die Rundschau stirbt nicht, der Neger muss weg und wenn es am schönsten ist….

tisch_debattenduell Political Corrcet ist die Headline hier heute nicht, aber genau darum wird es später noch detaillierter gehen. Erst einmal soll es um eine Zeitung gehen die mit allergrößter Wahrscheinlichkeit bald nicht mehr erscheinen wird. Es geht um das ehemals links-liberale Traditionsblatt aus Frankfurt, gerne von Intellektuellen in der S-Bahn gelesen und eigentlich genügend systemrelevant um von einem Rettungschirm der Bundesregierung aufgefangen zu werden. Es geht um die Frankfurt Rundschau, und es geht um das erste Debattenduell in der Romanfabrik im Jahr 2013 und es geht um Tradition und Sprache in ihrem kulturhistorischen Kontext und um schöne Momente im Leben.

Kein schöner Moment ist am Donnerstagabend der gewesen in dem das Team der UM das erste Debattenthema mitgeteilt bekam und wir dann auch noch im Losverfahren die Pro-Seite zugelost bekamen. Wir mussten die Frage „Stirbt die Frankfurter Rundschau zurecht“ vertreten. Eine Aufgabe die uns nicht leichgefallen ist, auch wenn es so ist, wie es ist. Die FR hat sich überholt, sie hat die Zeit verschlafen und wird von den falschen Managern gemacht. Ein Berliner Mantel legt sich um die Fragmente des Lokalteils und erstickt mit dem Mief der Zentralredaktion die letzten Reste des links-liberalen Dufts, der aber auch mehr aus den redaktionellen Ergüssen der Vergangenheit gespeist wird, als er denn noch eine echte Quelle im Rundschaugebäude hat. Zum falschen Management kommt noch die soziale Kälte einer SPD-nahen Medienholding die sich nicht durchringen kann eines der ihren Blätter zu erhalten, weil eben auch die Genossen scharf auf Rendite sind.

Wie leicht hatten es da die Stümper aus dem gegnerischen Lager, selbst haben sie sich so genannt und dann auch gleich so argumentiert. Da wurde die Rundschau zur Zeitschrift und die Tradition zog sich wie ein roter Faden durch jeden Satz. Aus Tradition soll sie erhalten bleiben, aus Tradition kommt sie und Tradition ist sie, das klingt schon wie Asche zu Asche und Staub zu Staub, aber das Publikum liebte die Argumente die für den Erhalt des Blattes aus Sachsenhausen sprachen. Jeder noch so stümperhafte Vorschlag wurde klatschend untestützt, und dafür die Argumente der Moderne bestraft. Über das Smartphone, und schon gar nicht stylish, darf moderne Nachrichtenkommunikation sich ihren Weg bahnen, sie soll traditionell daherkommen! Damit das Blatt den Leser identifiziert. Du bist ein Rundschauleser, du bist ein Intellektueller, du bist liberal und sozial. Eines Abzeichens gleich verrät die Zeitung die Gesinnung. So wollen es die Stümper haben, so soll die Tradition sein und so will es auch das traditionsbewusste Publikum.

Am Ende sind es die Ängste vor dem eigenen Untergang die das Publikum dazu treiben sich auf die Seite der Guten zu schlagen. Die Argumente für das Ende sind zu klar, zu eindeutig ist das Unvermeidbare, das Ende einer Tradition, ein Ende das vor langer Zeit begonnen hat und nun auf den finalen Schlusspunkt zusegelt. Wer jetzt für den Erhalt stimmt, der bäumt sich noch einmal auf und für wenige Momente herrscht Glückseeligkeit, denn zumindest am Donnerstagabend wurde die FR kurzzeitig aus den Klauen von Cerberus befreit.

Gleichwohl konnte sich das gleiche traditionelle Publikum nicht an einer anderen Tradition erfreuen, der Bibel in ihrer jetztigen Interpretationsform. Denn das zweite Thema des Abends bezog sich auf die aktuelle Debatte um die Säuberung von Kinderbüchern, aus denen nun Worte wie Chinesenmädchen, Türke und auch Neger entfernt werden. Ein Vater hatte sich aufgeregt und ein Verlag beugte sich der politischen Korrektheit. Konsequenterweise müssen dann aber nicht nur Kinderbüchern auf den OP der Sprachdoktoren, sondern auch die Bibel, denn hier geht es zwar um die göttliche Sache, aber schon lange nicht mehr in der politisch korrekten Art und Weise. Es durfte nun also munter dafür geworben werden auch die Bibel zu säubern und anzupassen. Harte Fakten (Versionsmanagement) trafen auf nicht zutreffende Vermutungen (Das Zölibat stehe in der Bibel), ebenso wurde es kirchlich staatstragend und frei nach dem Motto Auge um Auge, Zahn um Zahn flogen die Argumnte zwischen den Gruppen hin und her. Die Blender (Die Pro-Gruppe) sahen sich im rechten Licht stehend und nichts konnte ihrer Verblendung die Bibel zu reinigen entgegenwirken. Es machte denn Eindruck als hätte sich Gott fröhlich mit einer Tüte Popcorn zurückgelehnt um sich anzuhören was mit seinem Buch passieren soll.

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Eben hatte das Publikum sich noch für den Erhalt des Alten eingesetzt und unter Hossianarufen die Retter der Rundschau in ihrer Mitte fröhlich empfangen, da wendete sich das Blatt und es konnte nicht genug mit der Tradition gebrochen werden. Salzsäulen wurden hinweggefegt und aus Sodom und Gomorra (hebräisch סדום ועמורה) wurde ein Karneval der Kulturen (dürfte am Ende zwar ähnlich enden, aber klingt eben besser). Sprich, die Erhalter hatten diesmal keine Chance, die Rundschau muss bleiben, der Neger muss weg und die Bibel wird demnächst in der Rundschaudruckerei neu gedruckt. Hurra!

Fast hatte der Debattenabend damit seinen Höhepunkt erreicht und somit den schönsten Moment, da griff der schnöde Wettbewerb nach den Protagonisten der finalen Debatte. Nun in der letzten Runde sollte es um den schönsten Moment gehen, der Moment der u.a. von Lance Armstrong verpasst und später zurechtgedopt wurde.

Aufhören wenn es am schönsten ist – Pro oder Contra. Mit diesem Thema ging es in die letzte Runde. Die Blender traten gegen die Stümper an und wer hätte es gedacht, nun spielten auch kleine versteckte sexuelle Anspielungen eine Rolle.

Nun, die Weingläser leerten sich nicht zum ersten Mal, bekam die zügellose Lust die Oberhand und die Verfechter des hedonistischen Philosophieansatzes konnte ihre Karten, untermauert von genügend Ernsthaftigkeit ausspielen. Wenn es am schönsten ist, dann darf auch mal weitergemacht werden. Das Publikum zeigte sich zumindest hier stringent in seiner Denke, denn die Rundschau hatte schon vor langer Zeit ihre schönsten Momente durchlebt und macht immer noch weiter.

Dann aber hatte auch dieser Debattenduellabend seinen Höhepunkt erreicht, alle Sieger waren geehrt, alle Flaschen geleert und die letzte enteiste Tram zuckelte die Hanauer entlang, da endete dieser Abend, nicht weil es am schönsten war, aber eben genug für diesen Abend.

Wer jetzt Lust bekommen hat an einem Debattenduell teilzunehmen der sollte sich bei Vaevictis die Termine heraussuchen und mitstreiten. Ich möchte anmerken, dass jede Gruppe nicht zwingend ein Thema oder eine Meinung vertritt die deckungsgleich mit der eigenen Meinung ist. Es macht einfach Spaß mit anderen Menschen spannende Themen zu diskutieren und sein Talent als Rampensau zu testen. Ein fröhliches und interssiertes Publikum macht es niemanden schwer, frei von der Leber weg zu sprechen, egal ob Firmenteam, ob Stümper oder Blender, ob Freundeskreis oder Studentengruppe, es dürfen alle mitmachen und es macht viel Spaß!

Fakten am Ende: Das Zölibat ist im Codex Iuris Canonici von 1983 (Kirchenrecht) festgehalten.

Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, bevor politisch korrekte Mails mich erreichen, dass mit dem Satzfragment „der Neger muss weg“ der sprachliche Ausdruck im Rahmen der Debatte gemeint ist und nicht eine Gruppe von Menschen (die ja auch heute zurecht nicht mehr so gennant werden soll).

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