Buch und eBook

Im Fokus: Wein, Tod und schöne Landschaften

reben oder Tod Die deutsche Spannungsliteratur, früher einfach mal Krimi genannt, wird seid geraumer Zeit von einem neuen Typus der selbigen Literatur fast schon überschwemmt. In der ersten Welle der neuen deutschen Krimiwelt wurden aus normalen in jeder deutschen Stadt spielenden Kriminalromanen, Geschichten mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit. Passend zum föderalen System gab es für jede Region den passenden Krimi, gerade so als ob die Kultusministerkonferenz beschlossen hätte, dass es zu jedem Landstrich auch einen passenden Ermittler geben muss.

Gleichzeitig entwickelten sich auf internationaler Ebene mit Autoren wie Martin Walker und seiner Figur Bruno auch lokale Ermittler in anderen Ländern, es entstand also das Pendant zum Bullen von Tölz im Périgord. Der Flic aus dem Burgund, oder so.

Lokalpatriotismus alleine macht aber eigentlich noch nicht die nötige Würze aus, denn das wir schöne Landschaften vor der Haustür haben, ist kein Geheimnis! Tür auf, Nase raus, ist schön in Deutschland, Tür zu, zurück auf die Couch!

Donna Leon hat mit dem italienischen Ermittler „Commissario Brunetti“ die Blaupause für die zusätzliche Würze entwickelt: Es muss natürlich eine Leiche oder zumindest einen rätselhaften Fall um alten Schmuck/Freunde/Geheimnisse geben und es muss viel getrunken und gegessen werden. Erotik darf auch eine Rolle spielen, ist aber bei dem Ermittler aus Venedig eine Sache zwischen ihm und seiner reizenden und hochintelligenten Frau.

Martin Walker ist da bei seiner französischen Figur Bruno schon anders unterwegs, zumindest was das Thema Frauen und Sex betrifft, bei den im Périgord ermittelnden Dorfpolizisten und Ex-Elitesoldat darf es mehr als eine Partnerin sein. Gesoffen und gefressen wird dabei natürlich fast den ganzen Tag. Neidvoll müssen da die germanischen Lokalermittler auf die ausländischen Kollegen schauen, egal ob der Grieche, der Italiener oder der Franzose, bis um 11.00 Uhr ist meistens schon die Promillegrenze für den deutschen Ermittlungsverkehr erreicht.
Ganz arme Würste sind da die Ermittler bei Nele Neuhaus, die brutzeln sich ab und an mal ein Spiegelei, aber dürfen noch nicht einmal einen Äppler in der Mittagspause trinken.

Bei Jaques Berndorf in der Eifel wird ab und an mal jede Menge Schokolade verdrückt, aber ansonsten ist der ermittelnde Journalist trocken, weil er früher zuviel Korn vernichtet hat. Konzentration auf die Ermittlungsarbeit, statt Lebenslust ist das Motto der Eifelkrimis. Wobei ab und an auch hier eine Frau in der Eifel vernascht wird.

Die gute Mischung macht also die Spannung aus, und da sind Leichen am Fließband eben auch nicht das Mittel schlechthin um den Käufer zu binden. Ein Schuss Lebenslust, verbunden mit gutem Essen und lokalen Getränken macht einen ordentlichen Krimi richtig rund. Aus hessischer Sicht ist Roland Stark mit seinen Rheingau Krimis genau auf dem richtigen Weg, wobei hier der erotische Anteil auch ganz stark gen Null tendiert.

Der Autor Michael Böckler hat aus diesem Trend heraus eine ganz neue Möglichkeit geschaffen zwei Stilrichtungen des Bücherschreibens zusammenzuführen, der kulinarische Krimireiseführer.

Mir ist zwischen den Jahren bei der Buchhandlung meines Vertrauens sein Roman „Tod oder Reben“ in die Hände gefallen. Die Handlung spielt sich in Südtirol ab und verbindet auf triviale, aber fast geniale, Art und Weise die Handlung eines Krimis mit einem kulinarischen Reiseführer. Während bei Brunetti und Bruno zwar auf lokaler Ebene gekocht und getrunken wird, dies aber meist in den heimischen vier Wänden passiert, lässt Michael Böckler seine Ermittler an realen Orten verweilen. In seinem Südtiroler Krimi „Tod oder Reben“ ermittelt ein deutscher Baron am Rande des Alkoholdeliriums gleich in drei Erpressungsfällen und einem alten (Selbst)Mord. Garniert mit genügend Ausgehtipps und der Aussicht auf Sex (wenn mal nüchtern) darf der deutsche Adlige die norditalienische feine Gesellschaft befragen und löst, auf elegante Art und Weise wie es nur ein verarmter Adliger kann, die vier Fälle charmant und mit einer großen Portion Selbstironie. Nicht zu kurz kommt dabei die wunderbare Landschaft in Südtirol, die Vorzüge der Küche dieser Region und die Weine.

Wer sich selber an den Rand der adligen Fettleber rantrinken möchte, der hat die Möglichkeit alle beschriebenen Weingüter und Restaurants anzufahren und alles auzuprobieren, denn die letzten Seiten des Buchs sind ein kompletter Reiseführer zu genussvollen Stellen im Herzen Südtirols.

Michael Böckler hat mehrere Bücher im gleichen Stil geschrieben, u.a. für Mallorca. In diesem Sinne „Wohl bekomms“ !

2 Kommentare

  1. Das erinnert mich an den running gag in einer TV-Krimiserie – ich glaube, es war Ein Fall für zwei – als der Ermittler immer, wenn er sich gerade etwas gekocht hatte, angerufen wurde und dann das Essen stehen ließ, weil er superdringend ermitteln musste. Ich fand das sehr appetitanregend, aber der Typ hätte nach ein paar Folgen bis auf die Knochen abgemagert sein müssen.

  2. Du hast glaube ich die richtige Serie im Kopf, heute ist er einfach erst am Ende 🙂

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