Markt & Wirtschaft

Amazon, der freundliche Versandhändler als Steueroptimierer

Amazon weht aktuell ein rauer Wind ins Gesicht des Weihnachtsgeschäfts, sicherlich kein so rauer Wind, dass sich der Onlineversender schwerwiegende Gedanken um seinen Börsenkurs machen müsste, aber das gute Image von amazon könnte schon nachhaltig leiden.
Der heftige Wind kommt direkt über den Ärmelkanal aus UK und verstärkt sich über Deutschland und Frankreich.

Was ist los bei Amazon?

Drei Themenfelder erwischen Amazon aktuell. In Deutschland ist es die Debatte um die merkwürdigen Arbeitsbedingungen und die Methode des kostenlosen Probearbeitens in den Zentrallagern in Bad Hersfeld und Leipzig.

„Amazon ist der Lohndrücker der Branche“, schreibt die Gewerkschaft Verdi auf der Amazon-Verdi-Website. Denn während Versandhändler wie Otto und Neckermann „faire Löhne nach Tarif“ bezahlen würden, halte man bei Amazon wenig von gerechter Bezahlung. Während für den Großteil der Lager-Arbeiten im Versandhandel, zum Beispiel in Hessen, nach Tarif zwischen 11,47 Euro und 11,94 Euro Einstiegsgehalt gezahlt werde, schicke Amazon seine Mitarbeiter mit einem Gehalt von 9,65 Euro bis 11,12 Euro nach Hause.“

Das zweite Thema betrifft die geschickte Finanzpolitik von Amazon. In Brüssel musste sich Amazon, ebenso wie Starbucks und Google, einige Fragen zu seinem Finanzgebaren gefallen lassen.

Konkret ging es der Politik darum, herauszufinden wie es denn sein könne, dass Amazon im Vereinigten Königreich ca. 11% bis 15% der weltweiten Umsätze generieren würde. Was laut Buchreport ca. 5,3 bis 7,2 Mrd Dollar ausmachen würde. Da sollte eigentlich einiges an Steuer für den Schatzkanzler übrigbleiben, aber weit gefehlt. 1 Millionen Pfund (1.239.526,05 €) zahlte Amazon an den britischen Staat.

In anderen europäischen Ländern sieht es ähnlich aus. Möglich ist dies, weil Amazon die durch die Politik geschaffenen Rahmen der Steuergesetzgebung möglichst kreativ ausschöpft und somit für einigen Ärger sorgt. Ärger den sich die Politiker selbst geschaffen haben.

Bei Amazon erfolgt ein großer Teil der Besteuerung über Luxemburg und nicht über die Länder in denen die einzelnen Amazon-Landesgesellschaften ihren Sitz haben. In Frankreich hat der Finanzminister dem Onlinehändler nun einen kräftigen Nachzahlungsbescheid ins Haus schicken lassen: 198 Millionen Euro möchten die Franzosen vom Onlinebuchhändler haben.

Beim Verkauf von e-books verschafft sich Amazon einen Verkaufsvorteil durch die Ausnutzung der Steuergesetzgebung. Die Bücher werden rechtlich gesehen aus Luxemburg verkauft und unterliegen somit nur einer Mehrwertsteuer von 3% statt 19% in Deutschland. Damit kann Amazon e-books günstiger anbieten als der lokale Händler in Deutschland.

Dies ist alles legal und kann somit dem Versender nicht vorgeworfen werden, hier muss der Konsument entscheiden wie er handeln möchte und schon sind wir bei Problem Nummer Drei.

Der Widerstand gegen den Steueroptimierer!

In Großbritannien formiert sich der Widerstand gegen Amazon und seine Methoden rund um das Thema Steueroptimierung befeurt durch die „Bookseller Association“ (Das Pendant zum Sortimenterausschuß im Börsenverein des deutschen Buchhandels) unterstützt seine Mitglieder mit provokanten Plakaten. Hier wird eben die Tax-Pay-Problematik auch der breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt und selbst die britischen Medien rufen ihre Nutzer dazu auf doch dort zu kaufen wo auch Steuern in GB gezahlt werden. Bei Büchern eben bei WHSmith anstatt bei amazon. WHSmith zahlt bei einem Erlös von 93 Millionen Pfund 10 Millionen Tax an die Regierung ihrer Majestät.

Und in Deutschland?

In Deutschland formiert sich erster Widerstand, aber im Gegensatz zum britischen Verband der Buchhändler ist vom Börsenverein in der Braubachstrasse noch nichts zu diesem Thema zu hören. Hier setzt der ehemalige Amazonmanager Roland Schild bei der Wirtschaftstocher MVB eher auf eine Verdrängungsstrategie gegenüber den eigenen Mitgliedern in dem für den Discounter Netto ein e-book-Shop im Web kreiert wurde.

Amazon ist in Deutschland übrigens auch kein Mitglied im Verband der Buchhändler, es würde also keinen politisch zwingenden Grund geben die eigenen Mitglieder zu unterstützen und das breite deutsche Buchpublikum auf die kleinen Besonderheiten des großen Versenders hinzuweisen.

1 Kommentar

  1. Auch bis heute hat sich die Situation dort vor Ort ja nicht wirklich geändert. Jetzt wird schon seit 4 Tagen gestreikt und das im großen Weihnachtsgeschäft. Jetzt sollte eigentlich der Zeitpunkt des Einlenkens kommen.

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