Mainhatten Markt & Wirtschaft

Warum die Frankfurter Rundschau nicht überleben konnte

Im alten Rundschaugebäude an der Hauptwache habe ich 1994 meine mündliche Abschlussprüfung als Verlagskaufmann abgelegt, damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich einmal einen Blogbeitrag mit dieser Überschrift schreiben würde. Damals hatte auch noch niemand so richtig an das Internet geglaubt, aber vielleicht liegt genau da der Fehler,

Ist es wirklich so verwunderlich, dass die Frankfurter Rundschau vor dem Aus steht. Ein recht sicheres Aus, auch wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute noch auf der Homepage der Zeitung vom Streben nach einer Lösung schreiben.

Während wir diese, unsere eigentliche Arbeit machen, werden wir mit allem Nachdruck Möglichkeiten suchen und Wege erkunden, die das Erscheinen der Frankfurter Rundschau dauerhaft sichern. Natürlich sind wir dabei auf Sie, unsere Leserinnen und Leser, angewiesen. Wenn Sie uns treu bleiben, können wir unser Ziel erreichen.

Der Appell an die Leser darf natürlich nicht fehlen, aber vielleicht ist dies ja auch schon ein Hinweis auf den falschen Weg der bei der FR vor geraumer Zeit eingeschlagen wurde. Der Leser als Mittelpunkt ist selbstverständlich wichtig, ohne Leser keine verkauften Exemplare, die am Ende Bestandteil des eigentlichen existenzsichernden Geschäfts einer Tageszeitung sind: Das Geschäft mit den Werbekunden.

Auch wenn die klassische Verteilung der Erlösquellen von 2/3 Anzeigen-/Beilagenerlöse und 1/3 Vertriebserlöse sich immer mehr zu einer 50:50 Aufteilung entwickelthat, ist das Geschäft mit den Anzeigen und den Fremdbeilagen ein existenzielles Standbein für jeden Tageszeitungsverlag.

Im besonders hart umkämpften Anzeigenmarkt im Rhein-Main-Gebiet musste schon der Blitz-Tip (an dem die FR beteiligt ist) die Segel im harten Konkurrenzkampf streichen. Schon vor dem Blitz-Tip haben es andere Anzeigenblätter im Frankfurter Raum zu wenig Ruhm gebracht, besonders unrühmlich ist die Sunny/Sunday Verlagsgesellschaft hervorzuheben, welche mit harten Bandagen dem Zeitungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet schon frühzeitig die Substanz bei den Preisen für Anzeigen und Beilagen genommen hat.

Die FR hat den Kampf aber nicht gegen ein Anzeigenblatt verloren, eben so wenig wie der damlige Wettbewerb um die Kunden im Rhein-Main-Gebiet, als Spätwirkung, den Blitz-Tip zur Strecke gebracht hat.

Tageszeitungen und Anzeigenblätter haben über einen langen Zeitraum einen ihrer größten Mitbewerber nicht mit genügend Ersthaftigkeit behandelt: Das Internet.

Während sich langsam aber sicher Unternehmen wie eBay, mobile & die Portale der Scoutgruppe sich die wichtigen Märkte der Kleinanzeigen erobert haben, Jobbörsen wie stepstone und monster die Anzeigen der Stellenmärkte absorbierten und dann auch noch immer mehr Kunden im Internet einkaufen gingen und so die großen Handelskunden zu immer härteren Verhandlungen mit den Verlagen zwangen, haben die Verleger sich in ihren Verbandsgremien über die richtige Strategie gestritten. Ohne ein erfolgreiches Resultat, nur der Axel Springer Verlag hat bis heute eine klare digitale Strategie, welche offenbar auch erfolgreich ist.
Die Verleger konnten sich nicht zur Zusammenarbeit untereinander durchringen und so sind sie heute die Verlierer im Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser/Nutzer und der Inserenten.

Im Rhein-Main-Gebiet haben die F.A.Z. und die Societätsdruckerei (Frankfurter Neue Presse) rechtzeitig eine Allianz in der Vermarktung ihrer Printprodukte geschlossen. Mit Rhein-Main-Media konnte die Anzeigenehe der ungleichen Partner zwar den wegbrechenden Märkten keinen Einhalt gebieten, aber dem Siechtum der Anzeigenmärkte und Anzeigenpreise, durch Kostenreduzierung, etwas entgegensetzen.

Die Rundschau als die große Frankfurter Tageszeitung mit dem größten Anzeigenmarkt (Eigenwerbung bis in die 90´er Jahre) hatte es zuerst nicht nötig einen Partner zu suchen und dann brauchte die FR niemand mehr als Partner.

Der Umzug aus der Innenstadt von Frankfurt ins beschauliche Sachsenhausen markierte einen deutlichen Wendepunkt auf dem Weg in die journalistische Bedeutungslosigkeit, ohne eine eigenständige Redaktion, nur als Blatt mit geteilten Meinungen aus Berlin und immer dünnerer lokaler Berichterstattung, dort wo das Netz einen deutlichen Nachteil hat, musste die FR niemand mehr kaufen. Die Anzeigenmärkte hatte die FR schon verloren, die Leser verlor sie in den letzten Jahren auch noch, trotz Tabloid und Ipad-App.

Die Rundschau aus Frankfurt ist nicht die erste Tageszeitung die in Deutschland eingestellt wird, sie wird auch nicht die letzte Qualitätszeitung alter Prägung sein auf die wir in Zukunft verzichten müssen. Es wird noch einige Verleger geben die merken, dass Zeitungen keine Gelddruckmaschinen mehr sind, denn den Kampf um die lukrativen Märkte haben andere Mediengattungen bereits für sich entschieden. Als Beispiel möchte ich hier zum Abschluss die Entwicklung der Nielsen Spendings für den TZ-Markt nennen.

Die TZ (Tageszeitungen) verlieren bei einem Umsatz von 442 Mio. € sogar 10%. Mit 3,6 Mrd. € ist das Gesamtvolumen nun um rd. 225 Mio. € niedriger als in 2011 (-6%).

Auch wenn die Tageszeitungen insgesamt noch ca. 15% der Werbespendings auf sich vereinnahmen können (siehe nebenstehende Grafik der Nielsen Werbespendings für 01-09 2012), ist das Internet das am stärksten wachsende Medium und dies wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. TV und Internet sind die Medien die am meisten von den Veränderungen in der Gesellschaft profitieren.

Kluge Verleger die auf Kooperationen und clevere digitale Lösungen setzen, werden auch weiterhin ihre Leserinnen und Leser erreichen, egal ob am Bildschirm oder am Kiosk, und ebenso werden sie damit ihre Werbekunden glücklich machen können. Die Rundschaumanager hatten hier leider nicht die richtigen Lösungen. Schade um die Zeitung die 1945 die zweite Lizenz der Amerikaner für eine Tageszeitung bekommen hatten, Schade um eine Zeitung die in der Vergangenheit einmal ein sozial-liberales Profil hatte, traurig um die Arbeitsplätze die verloren gehen.

Print wirkt nicht mehr so gut wie früher, denn neben der FR hat heute die Belegschaft des Magazin Prinz erfahren müssen, dass sie demnächst ein ein digitales Produkt sind. Print stirbt…..

2 Kommentare

  1. Die Zeitungen haben zu kange in Druckmaschinen investiert und in den Redaktionen gespart. Dadurch wurden sie inhaltlich immer austauschbarer und für die Leser entbehrlich. Sie haben ihre Kernkompetenzen – lokaler Fokus und Nähe zur Lebensumwelt ihrer Leser – vernachlässigt. Die FR hatte sogar eine weitere Kompetenz: Einen klaren Standpunkt. Denn hat sie trotz SPD-Beteiligung auch schon lange verloren. Diese Lücke ist leider kaum zu schließen.

  2. Pinkback: Ende der Frankfurter Rundschau Geschäftsmodelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.