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Rheingau vs. Taunus – Stark gegen Neuhaus

Märchen sind offenbar bei den Autoren deutscher Kriminalromane momentan sehr en vogue. Nele Neuhaus bezieht sich auf den bösen Wolf und auch im aktuellen Rheingau Krimi von Roland Stark ist es ein Märchen das als Bezugspunkt für den Titel herangezogen wurde. „Frau Holle ist tot“ steht in roten Lettern auf dem Cover und ein düsterer Herbsthimmel zieht über den Weinbergen des Rheingaus seine Bahnen.
Nun ist es aber nicht nur das Märchengenre der Titel, welches eine Gemeinsamkeit der beiden Romane darstellt, auch das Thema ist identisch. Es geht um den sexuellen Missbrauch von Kindern. Keine 45 Autominuten von den Tatorten des „Bösen Wolf“ geschehen im sonst so fröhlichen Rheingau Märchenmorde und Frau Holle(r) macht den Anfang. Immer müssen die Therapeuten so früh sterben, weil sie einfach zuviel wissen und immer gleich zur Polizei gehen wollen.

Während im Taunus eine ganze Einrichtung für alleinstehende Mütter die Fassade für das Verbrechen ist, ist es im auflagenschwächeren Rheingau-Krimi nur eine Pflegefamilie.

Die Kommissare an Main und Rhein haben auch noch die gleichen Schwierigkeiten, immer sind die Vorgesetzen und Staatsanwälte so wenig kooperativ und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Schicksale nur getrennt durch die hessische Landeshauptstadt. Während bei Frau Neuhaus östlich vom Wiesbadener Marktplatz ermittelt wird ist es bei Roland Stark und seinem Ermittler Mayfeld die westliche Flanke des Verbrechens.

Erfreulicherweise ist Mayfeld kein Adliger, sondern nur eingeheirateter Winzer mit eigener Villa am Rhein. Es lebe die Unabhängigkeit vom Beruf und seinen Zwängen. Oliver von Bodenstein könnte auch hinwerfen und sich mit seinem Kollege Mayfeld bei einem schönen Riesling über die frustrierende Polizeiarbeit unterhalten.

Neuhaus und Stark haben aber nicht nur Gemeinsamkeiten im Plot, es gibt auch Unterschiede. Bei Roland Stark geht es weniger blutig zu, auch wenn nach märchenart gemordet wird. Den Rheingau-Cops (Achtung ZDF) bleiben die brutalen Begleitumstände zum großen Teil erspart, dafür kann (darf?) Kollege Mayfeld mit mehr lokaler Unterstützung (Stammtischdetektive) ermitteln.

Beides sind Regionalkrimis, die immer noch einen Teil ihres Erfolges aus der Schilderung der lokalen, und damit der Leserschaft bekannten, Umstände erzielen.

Neuhaus und Stark haben starke Enden geschrieben, stark und erst auf den letzten Seiten für den Leser ersichtlich, bzw. entschlüsselbar. Damit erfüllen sie eines der wichtigsten Kriterien für einen spannenden Krimi: Wer ist der Mörder?

Roland Stark hat zwischenzeitlich vier Rheingau-Krimis geschrieben, und nicht nur die Krimis lohnen einen Kauf der Bücher, auch seine Rheingauer Rezepte sind lesenswert (und nachkochbar).

2 Kommentare

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