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Spannung für Millionen – Nele Neuhaus und ihr Böser Wolf

Der Hype um Nele Neuhaus und ihren neuesten Krimi „Böser Wolf“ wäre aus meiner Sicht aktuell nur noch durch Nacktaufnahmen der Autorin im Playboy zu toppen und durch einen Besuch in „Wetten dass“. Markus Lanz hatte sie ja bereits schon in seiner Talkshow und von daher sollte hier einem Auftritt nichts mehr im Wege stehen.

Nun aber zurück zu des Pudels Kern, dem aktuellen Roman von Nele Neuhaus. Böser Wolf sei der beste Neuhaus aller Zeiten heißt es, zuerst ist er einmal der teuerste Neuhaus aller Zeiten, aber dies liegt nun einmal am Hardcover. Bisher wurde Nele Neuhaus im Taschenbuchformat verlegt und nun liegt ihr neuester Roman etwas schwerer in den Handtaschen und Aktenkoffern der Leserschaft, welche schon lange nicht mehr nur im Rhein-Main-Gebiet wohnt.

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Der neue Neuhaus wiegt aber nicht nur schwer, er kann einem auch schwer im Magen liegen, bzw. auf das Gemüt drücken. Kindesmissbrauch als Krimithema ist eben keine leichte Kost und darf auch nicht irgendwie in den halbseidenen erotischen Bereich abrutschen. Dies ist der Autorin auf eine sehr elegante und vortreffliche Art und Weise gelungen, denn sie schafft es den Spannungsbogen hochzuhalten und die Kinder, um die es eigentlich geht, sehr gut aus der direkten Schusslinie zu halten.

An manchen Stellen weicht Böser Wolf von den bisherigen Romanen von Nele Neuhaus ab, nämlich dann wenn es um die Schilderung von sexueller Gewalt geht. Im aktuellen Krimi wird der Leser mit recht präzisen Beschreibungen von sexueller Gewalt gegenüber Frauen konfrontiert. Dies muss aber so sein, denn nur so konnte wohl das ganze Ausmaß der Abscheulichkeiten die Männer und Frauen an Kindern verüben dem Leser vor Augen geführt werden.

Dennoch gibt es die Beschreibungen einer Kinderleiche und Begleitumstände die klar machen worum es geht, aber wenn es um genauere Opferbeschreibungen und Tathergänge geht, dann sind es eben die erwachsene Opfer die als Stellvertreter für die Kinder herhalten. Ob dies beabsichtigt ist, oder nicht, es ist eine gelungene Form um dieses heikle Thema im Rahmen der Handlung voranzutreiben.

Die Figuren von „Böser Wolf“ sind relativ komplex angelegt und dies macht den Roman an manchen Stellen etwas schwieriger zu lesen. Echte Neuhausfans lassen sich aber davon sicherlich nicht aufhalten, denn schließlich will Leser/in auch wissen wie es im Privatleben von Pia Kirchhoff und Oli Bodenstein weitergeht. Hier strickt Nele Neuhaus auch weiter an den Bildern der beiden Hauptpersonen, wie es die Leserschaft wohl erwartet. Statt eigener Kinder darf Pia K. ein in die Obhut ihres Lebensgefährten gegebenes Kind umsorgen und mütterliche Gefühle entwickeln als ihr dieses plötzlich entwischt. Kindesmissbrauch und Muttergefühle in den Gefühlsmixer gesteckt und dann noch ein Mutter-/Kindpaar dazugehrührt, schon ist er fertig der Gefühlsbrei der jeden Leser Seite um Seite verschlingen lässt.

Der Lokalkolorit kommt auch nicht zu kurz und wird sogar über die Taunusgrenzen bis in den Rodgau ausgeweitet, da wohnen dann auch ein paar Rocker und ein Ex-Jurist hat es sich, unfreiwillig, am Mainufercampingplatz heimisch gemacht. Dummerweise natürlich unweit der Stelle an der das geschändete und gefolterte Mädchen vom Main ans Ufer getrieben wurde. Der Ex-Knacki und Ex-Jurist muss nun die Polizei fürchten, denn er soll sich an Kinder vergangen haben.

Damit sich auch noch mehr Personen vor dem geistigen Auge des Lesers verirren können, hat Frau Neuhaus noch eine TV-Produktionsfirma, ein komplettes Kinderheim, einen Feine-Leute-Familienclan,einen Ex-Kollegen und ein Klassentreffen eingebaut. Alle Personen haben irgendwie etwas miteinander zu tun und der Ex-Kollege bringt auch noch etwas Salz der Vergangenheit mit in die Suppe der Taunusermittler und somit vermischt sich in „Böser Wolf“ so mancher Handlungsstrang zu einer großen Spannungsautobahn und führt uns am Ende zu einem, zugegeben so nicht vorhersehbaren, Ende.

Böse Medienleute, clever Juristen, skrupellose Polizisten, kinderliebe Zoodirektoren und ein engagiertes Ermittlerduo machen diesen Krimi aus.Nele Neuhaus schreibt so wunderbar ohne jeden wirklichen Tiefgang, dass ihre Bücher einfach erfolgreich sein müssen. Sie sind nämlich spannende Unterhaltung und ein wunderschönes Beispiel dafür wie „leichte Unterhaltung“ ein Millionenpublikum erreichen kann und Buchpreisgewinner im Schatten dieser Romane auf ihre Käufer harren und bald aus dem Sinn des Lesenden und kaufenden Publikums verschwunden sein werden.

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