Mainhatten

Bahnhofsviertel am Morgen

Auch im Puff muss mal gewischt werden Neuerdings führt mich mein Weg zur Arbeit nicht mehr an den Boutiquen und Cafés von Sachsenhausen vorbei, sondern ein Teil meiner Strecke, nachdem ich das für Radfahrer teilweise lebensgefährliche Westend hinter mich gebracht habe, geht quer durch das Bahnhofsviertel.

Dort, so habe ich den Eindruck, auch noch mitten durch den Brennpunk des Amüsierviertels. Von der Karlsstraße durch die Moselstrasse zur Windmühlstrasse, dabei werden auch noch die Taunusstrasse und die Kaiserstrasse gequert. Somit kann ich morgens das sehen was man als Mensch wohl als Kater bezeichnen würde. Ein Teil der Stadt der sich müde von der einen auf die andere Seite wälzt. Während der eine Teil der Menschen die dieses Viertel auch mit ausmachen, die Büroangestellten, schnell zu den Arbeitsplätzen drängt, ist der andere Teil, die Nachtarbeiter, damit beschäftigt die Spuren des Gewesenen zu beseitigen.

Fast schon langweilig präsentiert sich dann das was bei Nacht wenigstens halbwegs aufregend aussieht. Nicht nur langweilig, auch abstoßend zeigt sich dieser Teil der Stadt an manchen Stellen. Dort wo sich die Gestrandeten und Hilflosen vor den Fixerstuben sammeln oder aus den Übernachtungsecken dem neuen Tag entgegen schlurfen, da ist es so, als ob die Stadt sich aufgeben hat. Direkt neben dem Junganwalt mit seinen perfekt Zähnen und den rahmengenähten Budapestern sitzen Junkies ganz ohne Zähne und mit abgelaufenen Schuhen und fürchten sich vor dem was der neue Tag wohl nicht bringen wird.

Nirgendwo spiegeln sich die Gegensätze von Frankfurt so stark wieder, wie an der Nahtstelle zwischen Bahnhof und Bürotürmen, dem Bahnhofsviertel am Morgen danach.

Es sind auch die ganz banalen Dinge die einem nie auffallen, wenn man nur mal eben so durch die Straßen links und rechts der Kaiserstrasse fährt. Diese ganz alltäglichen Dinge nehmen den Bars, Laufhäusern und Sexshops aber endgültig das was ihnen die Dunkelheit noch schenken kann, den Glanz der Lampen und des Verruchten. Wenn die Scheinwelt von den ersten Sonnenstrahel getroffen wird, dann geht es ihr wie den Vampiren, es zerfällt alles. Übrig bleiben dreckige Straßen, zerstörte Menschen und der Gestank aus den Mülltonnen. Morgens stehen auch dort plötzlich Dinge auf der Straße für den Sperrmüll und dazwischen mischen sich dann die Büroangestellten und es kehrt eine andere Farbe zurück ins Viertel, der Tagesanstrich, der sich dann wieder versteckt, wenn die Gassen wieder den Freuden der Nacht gehören und sich so der nächste Kater seinen Weg bahnen kann.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.