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Occupy – guter Protest – mieser Zeltplatz

Mehr als einmal pro Woche konnte ich in den letzten 12 Monaten einen Blick auf das Camp der Occupybewegung in Frankfurt werfen, ebenso wie sich der Protest langsam abschwächte, und nur in den Tagen rund um die blockierte Stadt noch einmal vom Sterbebett geholt wurde, so verkam das Camp.

Der Protest und die Ziele der Bewegung sind in vielen Punkten sinnvoll und auch für eine vernünftige Auseinandersetzung mit der Politik über das Verhalten der Finanzindustrie geeignet. Weniger geeignet ist der langsam kindische Protest in einem Zeltlager vor der EZB mitten in der Frankfurter Innenstadt. Was wir Frankfurter dort zu sehen bekommen ist eine Ansammlung von heruntergekommen Zelten auf einem Stück Grünfläche das immer mehr verkommt und regelrecht zerstört wird. Die Bewegung hat ein Sammelbecken für gestrandete Existenzen der Gesellschaft geschaffen und so „wohnen“ nun in diesem Camp Obdachlose, Romafamilien (die sonst im Sommer gerne unter den Brücken am Main schlafen) und noch ein Paar vom Protest bewegte.

Ist es aber noch der Protest gegen die Finanzwelt, oder ist es inzwischen der Protest um die eigene Person, bzw. die Bewegung an sich. Aus meiner Sicht könnte Occupy seinen Protest besser herausstellen, wenn anstatt des Camps vernünftige Protestarbeit über das Netz und Diskussionsrunden an Plätzen in der Stadt abgehalten würden. Öffentlichkeit ist wichtig, aber wer sich so präsentiert wie Occupy in Frankfurt wird nicht ernstgenommen, sondern im Licht der Öffentlichkeit als das gesehen was es momentan ist: Eine Versammlung von Wohnsitzlosen mit dem Anspruch auf Versammlungsfreiheit.

Niemand will den Occupyleuten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wegnehmen, aber wir Frankfurter hätten gerne wieder den Platz vor der EZB und der Oper zurück, und zwar sauber und ordentlich.

Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn Occupy den Platz räumt, die Stadt ihrer Pflicht nachkommt dort wieder für Ordnung zu sorgen und wir dann von der Bewegung durch Argumente bewegt werden und nicht weil wir uns ekeln vor dem Dreck der sich dort türmt.

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