Reise

167 Minuten zusätzlicher Qualitytime im ICE

Eine Zuggfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön, so ähnlich geht ja ein bekanntes Liedchen. In Wirklichkeit geht es in dem Lied ja um Schiffe und nicht um Züge, aber ein wenig wie auf hoher See kam ich mir gestern vor.

Ein Oberleitungsschaden zwischen Berlin und Hannover sorgte gestern auf meiner Heimfahrt für ein wenig Chaos und noch später für 167 Minuten zusätzlicher Zeit im ICE.

Als erfahrerner Bahnnutzer wusste ich natürlich gleich, dass aus den 50-60 Minuten eher 90 statt 30 Minuten werden würden, aber eine Verdreifachung hatte ich gedanklich nicht für möglich gehalten.

Unser ICE fuhr durch das schöne brandenburgische Hinterland auf der Berlin-Potsdam-Magdeburger-Eisenbahn und stoppte hier und da an landschaftlich reizvollen Stellen. Der Zernsee ist so ein schöner Haltepunkt gewesen, dort auf der Eisenbahnbrücke konnte ich bei foursquare einchecken und gleichzeitig meinen Blick über das wunderschöne Wasser dieses Naherholungsgebites schweifen lassen.

Wichtig ist hier das Wort „nah“ im Zusammenhang mit Berlin, denn als wir am Zernsee den Anglern zuschauen konnten, hatte unser ICE für das recht kurze Stück vom Hauptbahnhof in Berlin ca. 90 Minuten gebraucht. Wer zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung hatte einigermaßen pünktlich anzukommen, sollte spätestenes jetzt jegliche Hoffnung fahren lassen.

Unser ICE hielt immer wieder an, weil, oh welch Wunder, die Bahnstrecke über die der gesamte Fernverkehr von und nach Hannover/Braunschweig umgeleitet wurde, etwas überlastet gewesen ist.

Während wir langsam durch den Bahnhof von Magdeburg schlichen wurde es langsam unruhig im Bordbistro.

Grund Eins: Die Kühlung machte Probleme und es konnten keine Speisen mehr angeboten werden, nur noch das berühmt-berüchtige Sandwich.

Grund Zwei:
Es gab wegen der Verspätung eine Lokalrunde alkoholfreier Getränke und somit kurzweilig Zustände wie bei der Einführung der D-Mark in der DDR.

Zumindest der Weißwein konnte noch ausreichend gekühlt werden, somit wurde die Lage halbwegs erträglich. Da die Klimaanlage durchhielt, was von manchen Toiletten nicht beghauptet werden kann, blieb es auch angenehm kühl.

Weniger angenehm empfand ich die Informationspolitik der Bahn. Es hätte jedem Bahnmanager in der „Zentralen Transportleitung“ klar sein müssen, dass es mit 60 Minuten nicht getan ist. Warum wurde nicht gleich gesagt wo die Reise hingeht. Vielleicht hätte mancher Reisende die Zeit genutzt und wäre noch etwas in Berlin geblieben. Irgendwo an einem Ort mit WLAN und vernünftigem Mobilfunkempfang um dann am Abend mit dem Sprinter (der uns noch überholte) die Heimreise anzutreten.

167 Minuten zusätzlicher Fahrzeit wurden durch angenehme Gespräche überbrückt, auch die Landschaft in Brandenburg hatte seine Reize, aber noch reizender wäre die Wahrheit in Sachen Reisezeit gewesen.

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