Reise

Auf der Kokslinie unterwegs in die Karibik

Anfang des Jahres 1993 hatte ich eine Urlaubsreise in die Türkei für den Sommer geplant, mehrere Anschläge der PKK (zumindest wurden sie damals dieser Organisation zugerechnet) auf Touristenorte in der Türkei bewegten mich aber den Urlaub, kostenfrei, umzubuchen.

Auf diese Art und Weise landete ich damals auf der Isla Margerita vor der venezolanischen Küste. Wir hatten in einem Drei-Sterne-Appartmenthotel eine Suite (!) gebucht, inkl. Frühstück. Natürlich alles nicht so luxuriös wie das heute bei dem Herrn Winkel der Fall ist, aber für 1993 und das spärliche Gehalt eines Azubis fast schon der Oberhammer. Wir flogen also in die Karibik, so richtig mit der Lufthansa, denn ein CONDOR-Pilot hatte kurz vorher dafür gesorgt, dass der Airline die Landeerlaubnis entzogen wurde. Er hatte mit einer Maschine der Airline einen Sendemasten erwischt.

Damals wurde auch was von zuviel Rum erzählt, aber für uns hieß das dann anstatt Direktflug, den Südamerikaflug mit der LH antreten. Damals flog die Maschine von FRA über Caracas nach Lima in Peru und legte sogar noch einen Zwischenstopp in Kolumbien (Bogota) ein,also eine Art Direktflug ins Koksparadies.
Beim Rückflug in Frankfurt wurden wir damals auch alle wie potentielle Drogenkuriere gefilzt.

Von Caracas ging es dann mit einem Inlandsflug weiter nach Porlamar, der Inselhauptstadt der Isla Margerita.
Im Reiseprospekt als karibisches Paradies angekündigt, stellte sich die Insel als karibisches Mallorca für Reiche Venezolaner heraus, am Wochenende bildeten sich lange Autoschlangen an den Strände, gigantische Benzinfresser fuhren die Avenidas auf und ab und versuchten so die Bikinischönheiten an den Stränden anzulocken. Wobei das was die Ladies damals am Strand trugen schon dem entsprach was Wicked Weasel erst 1994 zur australischen Strandmode machte, aber das ist ein anderes Thema.

Unter der Woche verfiel die Insel eher in eine Art Dornröschenschlaf und die einheimischen Kellner konnten auf Beutejagd nach ausländischen Senioritas gehen.

Und damit beginnt eigentlich der lustigste Part der gesamten Urlaubsreise. Im Hotel angekommen stellten wir schnell fest, dass a) die Ossis schon da sind, b) Rentner gerne hierherkommen und c) es noch exakt zwei weitere Westpaare (Regensburg und Hamburg) gab. Irgendwie rotteten wir Jungwestler uns zusammen, die jungen Sachsen konnten damals noch kein Hochdeutsch und somit bestand weder für uns noch für das Hotelpersonal eine Verständigungsmöglichkeit.

Paar Eins aus Regensburg hatte wie wir keine Besonderheiten aufzuweisen und gehörten damit zur Gruppe „Langweiler am Strand“, wobei meine damalige Perle und ich eine Exklusivität aufzuweisen hatten; sie überragte mich um einen ganzen Kopf, was dann schon für den ein oder anderen Tuschler sorgte. Paar Drei hatte allerdings echte Gossipqualitäten aufzuweisen. Jens und Claudia hatten sich vor dem Urlaub getrennt, aber dennoch dafür entschieden die drei gebuchten Karibikwochen miteinander zu verbringen.

Ein sensationeller Entschluss, der in den nächsten Tagen für manche Urlaubserinnerung der besonderen Art sorgen würde. Mehr dazu aber im Reisebericht Teil Zwei, welchen ich unter der Überschrift „Kondome, Kotze und Kakerlaken“ veröffentlichen werde.

Hier und jetzt soll es erst einmal um ein Filmdokument gehen, welches mir beim Umzug in die Hände gefallen ist. Ich hatte mir damals eine Videokamera zugelegt, ein furchtbar schweres Ding mit dem ich den Karibikurlaub festhalten wollte und es offenbar auch getan habe.

45 Minuten Isla Margerita und Salto Angel sind heute, wie ich finde, ein unglaubliches Bewegtbilddokument mit hammerharten Hintergrundkommentaren.

Der gesamte Film wurde von mir von VHS in MPEG konvertiert und dann mit möglichst günstiger Videoschnittsoftware bearbeitet.

Der erste Film ist ein Überflug mit einem Ultraleichtflugzeug über den Strand von El Aqua. Hier stand und steht glaube ich immer noch unser Hotel. Eine kleine Heimstatt für Touristen die mutig genug gewesen sind ein Drei-Sterne-Haus in Südamerika zu buchen und dafür morgens mit Bananengerichten zum Frühstück belohnt wurden. Für die mitreisenden Neubundesbürger evtl. ein Segen, aber ich hatte nach drei Tageseinheiten Banana die Schnauze voll und buchte auf Full-American-Breakfast um, ein Segen mit Eiern und Toast brach über uns herein, aber auch neidische und hasserfüllte Blicke der Bananenfraktion.

Neben uns lebten in dem Hotel ein paar streunende Hunde, Katzen und frei fliegendes Stechgemüse. Wer keine bösen Überraschungen vor der Zimmertür erleben wollte, adoptierte möglichst schnell eine der streunenden Köter und hatte so einen Wachhund und treuen Strandbegleiter. Für eine Handvoll Hundefutter und Wasser hatten man einen echten Freund für drei Wochen gewonnen und das Gefühl etwas wirklich Gutes getan zu haben.

Ansonsten gab es unregelmäßige Stromausfälle, sauberes Wasser, die BILD von vor fünf Tagen und einen recht großen und sauberen Sandstrand direkt vor der Hoteltür. Dieser gehörte aber nicht zum karibischen Meer, sondern zum Atlantik und brachte entsprechend große Wellen mit. Nichts mit dem sanften Plantschen im blauen Wasser, eher Baywatchübungen an Atlantikbrechern, dafür aber Cerveza Polar und Hamburgesas an der Beachbar bis zum geht nicht mehr.

Ja, so ist das in Südamerika, hier nun als kleine Einstimmung der Überflugfilm.

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