Buch und eBook Mainhatten

Zen im Gurkenbeet – eine gurkige Lesung im 26. Stock

Zwei journalistisch tätige Menschen, Bärbel Schäfer und Achim Winter, stehen eines Abends gemeinsam herum, weil etwas mit dem Auto von Herrn Winter nicht so rund läuft, und quatschen dabei dummes Zeug. Am Ende der, unfreiwilligen, gemeinsamen Zeit steht der Entschluss ein Buch zu schreiben.

Frau Schäfer glaubt nicht wirklich an die Absicht des Herrn Winter morgens um 10.00 Uhr bei ihr vor der Tür zu stehen, aber der meditierende Herr Winter scherzt nicht und steht tatsächlich um 10.00 Uhr morgens vor Bärbels Pforte und giert nach Kaffee, welchen es in seinem Haushalt offenbar nicht zu geben scheint.

Die beiden Werktätigen der redaktionellen Schwerstarbeit überlegen sich einen exakten Plot für ein Buch und dann geht es in bester Doppelautorenmanier frisch ans Werk, frisch mit Kaffee von Bärbel gestärkt (Reim dir..).

Das Ergebnis der gemeinsamen Geistesarbeit präsentiert das Duo Schäfer/Winter mit Unterstützung des Journal-Frankfurt im sechsundzwanzigsten Stockwerk des Tower185 (Home of PwC). Den zahlenden Gästen wird ein Erfrischungsgetränk aus der Kühlbox gereicht und dann geht es nach einigen wenigen Worten von Nils Bremer (Chefredakteur des Journal Frankfurt) los.

Das Auditorium, auf recht weitem Raum in der maximal engsten Stuhlaneinanderreihungsmöglichkeit zusammengepfercht, lauscht, am Freigetränk nuckelnd, den Worten der beiden Autoren.

Während die Sonne das Lesungsstockwerk, welches wohl sonst von den Investoren des neuen Skyline Plaza als Vorführungsraum genutzt wird, langsam aber sicher mit den letzten Strahlen der Maisonne aufheizt, nimmt die Lesung langsam an Fahrt auf und die eng aneinandergereihte Zuhörerschaft wirft im Rhythmus der Kapitelwechsel ihre Freigetränkflaschen um. Begleitet von diesem Glasflaschenbetonbodenaufpralltremolo werden wir Zuhörer in den gut ausgearbeiteten Plot von „Zen im Gurkenbeet“ hineingelesen.

Zen im Gurkenbeet ist die Geschichte eines gierigen Frankfurter Immobilienmenschen, der armen Kleingärtnern ihre Parzellen für viel Geld abkaufen möchte, um, nun bitte ein extra Trommelwirbel aus Freigetränkeflaschen, eine Art Einkaufscenter zu errichten. Welch ein Zufall, dass wir genau auf solch eine Baustelle während der Lesung blicken dürfen und das die beiden Autoren nie an diese Baustelle gedacht haben.

Der Hunger nach Fläche ist dann auch der erhobene Zeigefinger der beiden Autoren, wenn es um die Gier in der Finanzstadt Frankfurt geht.

Ständig werden hier liebevolle Flächen, wie Westendvillen, in kleine Mammutprojekte des Immobilienmammons verwandelt.

Der Held von Zen im Gurkenbeet ist ein tragischer Held, der eingekesselt zwischen den aufgesprizten Lippen einer Jungmanagerin und den Riesenbrüsten seiner Assistentin, noch eine Familie mit berufstätiger Frau in der Werbebranche und zwei Kinder ertragen muss. Dazu kommt noch eine junge Geliebte, die gegen die Immobilienhai kämpft und den alten Geldsack cool findet, weil er so ganz anders als ihr Daddy ist.

Denn der Immohai ist quasi als Doppelagent auch Schrebergärtner und befindet sich so in einem klassischen Dilemma, denn auf der einen Seite muss er für seinen Arbeitgeber die Schrebergärtner zum Kauf überreden, aber auf der anderen Seite lernt er die Ruhe und das Leben der Kleingärtner und die Lippen der Enkelin eines Kleingartenurgesteins zu schätzen. Armer Tropf.

Dazu beginnt er auch noch mit Zenmeditation…..irgendwo musste der Buchtitel ja herkommen.

Während Bärbel Schäfer mit leicht erkälteter Stimme das Publikum in einen nahezu palliativen Zustand spricht (während sie die Erotikszene des Buchs zum Besten gibt) und Herr Winter regelmäßig die Charaktere mit der falschen Lesestimme versieht, nähert sich das Publikum einem Zustand, in dem es sich nur noch mit einer erhöhten Frequenz von fallenden Flaschen vor der Wachmediation fernhalten kann.

Am Ende dieses Stadtevents zum Preis von 16,00 € dürfen einige Fragen gestellt werden, was dem Publikum sichtlich schwer fällt, und Bücher gekauft werden, welche natürlich von den beiden Autoren gerne signiert werden.

Es mag sein, dass das Buch, bei Weissbooks verlegt, seine Stärken hat, bei der Lesung ist mir dies nicht aufgefallen. Der Ausblick auf Frankfurt hat mich getröstet, aber die 16,00 € für ein Freigetränk und die nicht gerade packende Lesung ärgern mich doch.

Wären die Scheiben wenigstens sauber gewesen, dann hätte ich wenigstens ein paar schöne Fotos von Mainhatten machen können, so aber haben auch die Bilder aus dem Tower185 einen leichten Schlier, so wie wenn Gurken an den Fenstern hinuntergelaufen wären…..

2 Kommentare

  1. Achim Winter

    …mache mir gerade eine Spaß daraus, mir die Meiers bildlich vorzustellen – eine Bloggerfamilie – wie sehn die wohl aus? Wo saß der Daddy noch? Danke für die Erwähnung im Blog. Hoffentlich merkst auch jemand….

  2. Einer hat es dann ja wohl gemerkt, nämlich Sie lieber Herr Winter.

    Der Mainbube und seine Begleitung saßen in der fünften Reihe und hatten einen guten Blick auf Frau Schäfer und Sie.

    Wer ist jetzt mit Daddy gemeint? Oder meinten Sie Paddy, denn das würde meinen Vornamen dann ja korrekt wiedergeben.

    Lesen Sie ruhig ab und an weiter hier mit, dann bekommen Sie ein Bild der „Bloggerfamilie“.

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