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Mein Schoßgebete Tagebuch Teil I: Vom Koitus zum Wirsing und zurück

Der literarische Aufreger des Nichtsommers 2011 ist der zweite Roman von Charlotte Roche mit dem vielsagenden Titel Schoßgebete.

Mit der sagenhaften Startauflage von 500.000 Exemplaren und dem PR-Trick die Springerpresse nicht mit Leseproben, bzw. Vorabexemplaren zu beliefern, dann aber trotzdem von der Welt und der Berliner Morgenpost mit mehr als 200 Wörtern bedacht zu werden, hat Schoßgebete das Zeug eine Weile lang in aller Munde zu sein.

Mit in aller Munde sein, habe ich auch schon meinen Übergang, wie ich finde in bester „Roche“-manier, gefunden, um direkt in den Roman einzusteigen. Denn in ihrem Munde, besser gesagt in dem der Protagonistin Elizabeth Kiel, spielen sich die ersten Seiten ab.

Hinlänglich bekannt und bereits vom Spiegel beschrieben führt uns Charlotte Roche in die Welt ihres, Verzeihung!, in das Sexualleben von Elizabeth Kiel, ein.

Da wird liebesgedienert und gef**** was das Zeug hält, zumindest so ausführlich beschrieben, dass Vivian Schmitt als Hauptdarstellerin in der Verfilmung von Schoßgebete keine Probleme mit dem Drehbuch (gibt es das bei Pornos?) haben dürfte.

Ich hatte mich nach Feuchtgebiete nicht unbedingt auf Schoßgebete gefreut, aber eine gewisse Neugier konnte ich nicht verhehlen und hatte mir das Buch bei amazon.de bestellt. Nach einigen Lieferschwierigkeiten hielt ich das Buch gestern in den Händen und begann darin zu lesen.

Kurz hatte ich überlegt das Buch wieder aus der Hand zu legen, denn das erste Kapitel heißt Dienstag und nun saß ich also an einem Montag unter meiner Leselampe und schaute auf den ersten Satz.

„Wie immer vor dem Sex haben wir beide Heizdecken im Bett eine halbe Stunde vorher angemacht….“

Dieser äußerst vielversprechende Satz, gefolgt von den Worten hochwertig und gekauft, hat mich dann aber doch den Einstieg in das Buch finden lassen, denn als alter Vertriebler erhoffte ich mir nun eine kleine Einführung in die Welt des Heizdeckenverkaufs an Sonntagnachmittagen auf Autobahnraststätten in den wilden Weiten des deutschen Ostens.

Das kam natürlich nicht und Dank der vielen Presse wusste ich das ja auch, zumindest im Hinterkopf!

Elizabeth Kiel, ihr Mann und ich trieben die nächsten Seiten auf einem Wortteppich der Pornografie vor uns hin und erst auf Seite Elf musste ich das erste Mal innerlich grinsen, denn ich stolperte über die Beschreibung eines sexuellen Verhaltens, welches mir einmal mit dem Wort – Käfersex – beschrieben worden wahr. Eventuell kennen Frau Roche und ich die selben Menschen, denn bisher hatte ich dies nie wieder gehört, aber Zufälle gehören ja zum Leben und ich kenne die wirkliche Schöpferin des Begriffs (dachte ich mir so).

Das der Sex im Haus Kiel dann doch nicht so aufregend ist, wie uns die PR-Maschine des Piper-Verlags versprechen wollte, ist für die werte Leserschaft dieser Zeilen vielleicht schon an dem Wort Käfersex erkennbar.

Nach eingehenden Beschreibungen verschiedener Stellungen, Gefahren von diversen Sexualpraktiken, Verletzungsmöglichkeiten und Tricks und Tipps durch perfekte Beherrschung der eigenen Vaginalmuskulatur einen Mann zum Höhepunkt kommen zu lassen verließ ich mit Frau Kiel das Heizdeckenparadies und begab mich in die Küche des Hauses.

Elizabeth Kiel lässt uns Leser an ihren Sorgen und Nöten teilnehmen und auch daran, dass sie nach dem Sex mit dem Stofftier ihres Kindes, zwischen den Beinen, ins Bad geht und dann mit der Hausarbeit beginnen muss.

Nach dem die vollmundig angekündigte heiße Sexszene den Charme einer Heizdeckenverkaufsveranstaltung und den Ekelfaktor einer dreckigen Toilette in einem Regionalexpress zwischen Siegen und Gießen versprüht hatte, ging es nun also in die (saubere?) Küche.

Da ich nun bereits schon Bekanntschaft mit George und seiner Sexhose (eine XXL-Yogahose wie schon der Klappentext verspricht) genacht habe, lerne ich nun die Tochter des Hauses kennen.

Denn, und das ist das eigentlich schockierende, an der Einstiegsszene ist die Tatsache des Handlungszeitpunkts: Es ist Mittag und das Kind kommt gerade aus der Schule!

Liz, das werte Töchterlein darf natürlich nicht wissen was Mama und Papa getrieben haben und so versorgt Elizabeth ihre Tochter mit der Zubereitung von Wirsing und lässt uns noch ein paar Zeilen lang an Marktforschungsergebnissen und Recherchen der Geo – Redaktion teilhaben (offenbar ein Verlagshaus das Frau Roche besser konviniert als die Kollegen von Springer), denn die Geo – Kompakt Ausgabe Nummer 20 (Liebe und Sex) ist für Elizabeth ein wahrer Quell des sexuellen Wissens (und hier übrigens nachbestellbar).

Ähnlich wie uns Elizabeth an ihren sexuellen Handlungen teilhaben lässt, so dürfen wir nun ihrer Meinung zum Thema Kindererziehung und Kochen folgen.

Spätestens an dieser Stelle ist der Bezug zu ihrer Mutter bereits so oft hergestellt worden, dass der Leser weiß was auf weiteren Seiten folgen wird: Eine Abrechnung mit den falschen Erziehungsmethoden, von Sex hatte Muttern Kiel auch keine Ahnung, von Elizabeths Mutter.

An der Idylle des Mittagstischs teilhabend, in dem Wissen das Die Zeit und Der Freitag zu den einzigen Zeitungen gehören die im Hause Kiel gelesen werden, wird der Betrachter des kleinen Familienkosmos nun langsam wieder aus der Welt des Wirsings zurück in die Welt des Koitus geholt.

Unter dem Deckmantel der Wissenschaft, belegt durch das Geo – Kompakt – Team, geht es wieder los mit Erotik und Liebe, in diesem Fall der Hängebrückentheorie und dem Kennenlernen zwischen Elizabeth und George.

Der erneute Einstieg in die Koituswelt hat mich dann aber müde werden lassen, und ich beschloss den ersten Teil meiner Schoßgebetelesung zu beenden und ins Bett zu gehen.

In den frühen Morgenstunden des heutigen Dienstags, geweckt von den kräftigen Armen der Männer der Müllabfuhr die bei uns den Restmüll abholten, hatte ich dann den Entschluss gefasst, meine werte Blogleserschaft mit auf eine Reise durch die Schoßgebete zu nehmen. So entstand der erste Teil dieses Tagebuchs zum Buch.

Bevor ich Schoßgebete überhaupt lesen konnte, gab es noch ein paar Hindernisse zu überwinden. Welche dies gewesen sind? Lesen Sie hier!

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