Markt & Wirtschaft

Deutschland kein (Volks)-Aktien Land, oder wie Spekulanten die deutschen Spargroschen verbrennen.

Meine erste Investition in eine Aktie habe ich mit 18 Jahren vorgenommen, damals wanderten 400 DM von meinem Knax-Sparbuch in einen norwegischen Gasanbieter, der heute schon lange mit einem anderen Unternehmen fusioniert hat und mir damals den Einstieg in die Welt des Börsenkapitalismus eröffnet hat. Meinen Eltern bescherte es noch längere Zeit diverse Probeabos von Finanz-/Kapitalzeitschriften die bis heute meinen Umzug an eine andere Adresse noch nicht vermerkt haben und so auch weiterhin im Briefkasten meiner Eltern für einen regen Posteingang mit 14-tägigen Leseproben sorgen.

Die Aktie, so hatte mir ein Nachbar erklärt, sei die beste Form der Geldanlage. Sie steige stetig und würde mit ordentlichen Dividenden für eine gute Rendite, wesentlich besser als die von Sparbüchern, sorgen.

Diese Aussage stimmt(e) natürlich und so erfreute sich mein junges Gymnasiastenherz am langsam, aber sicheren, Anstieg meiner Beteiligung an einem Unternehmen im fernen Norwegen. Die Dividende fiel zwar dann nicht so berauschend aus wie bei den Investments meines Nachbarn, der sich damals noch auf die Hauptversammlungen der Henniger Brauerei AG und der Deutschen Bank freute. Hauptsächlich wegen der damals noch üblichen sehr wohlwollend ausfallenden Verköstigung der Aktionäre. Etwas was heute dem Shareholder-Value bereits zum Opfer gefallen ist, denn die Verwalter der Großanteile gehen sowieso, steuerlich absetzbar, vor oder nach der HV etwas opulenter zum Businesslunch.

Als Anhänger der freien Marktwirtschaft, wobei mir unsere deutsche Variante mit dem sozialen Einschlag noch besser gefällt, halte ich die Aktie immer noch für eine gute Anlageform.

entwicklung der aktionäre in deutschland, anhand einer grafik des deutschen aktieninstitutNur in den letzten Wochen und Tagen muss die Börse, und damit die mit ihr verbundenen Anlageformen, auch einmal kritisch hinterfragt werden.
Denn wenn der deutsche Michel sein Geld in (Volks)-Aktien investieren soll, und dies auch mit mäßiger Begeisterung tut, dann muss er auch eine gewisse Sicherheit haben nicht in die Hände von Spekulanten zu fallen.

Eigentlich soll eine Börse Angebot und Nachfrage zusammenführen und realistische Kurse für einen an der Börse gehandelten Gegenstand festlegen. Die Vorkommnisse der letzten Wochen und Tage haben aber auch hier meinen Zweifel wachsen lassen.

Die Schwankungen an allen Börsen dieser Welt, ausgelöst durch die Diskussion um den Euro und dann fortgesetzt in der misslichen Situation um die Schulden in den USA, haben viele (Klein)-Aktionäre wesentlich ärmer gemacht. Durch festgesetzte Verkauflimits wurden Aktienbestände verkauft und natürlich auch wieder gekauft, meist aber nicht von Kleinanlegern die mit der aktuellen Situation hoffnungslos überfordert sind, oder noch schlimmer selbst die Berater in den Banken wissen nicht mehr genau was sie ihren Kunden raten sollen.

Wenn dann heute die Meldung durch die Nachrichten geht der DAX und der DOW haben ihre Verluste fast wieder wettgemacht und in Japan sei der Nikkei ins Plus gerutscht, dann muss sich doch jeder Anleger fragen, ob hier nicht wirklich nur noch Monopoly auf Kosten der kleineren Geldanleger gespielt wird. Wenn Handelssyteme Millisekundenbruchteile ausnützen können um gigantische Volumen an Aktien zu verkaufen und im nächsten Moment wieder zu kaufen um sie dann wieder in weniger als einer Minute wieder zu verkaufen, dann ist der normale Anleger definitiv nur noch ein Spielball.

Derivate und andere Finanzinstrumente gehören heute zu den beliebtesten Spielzeugen der modernen Finanzindustrie. Diese Instrumente haben uns u.a. die Pleite von Lehmann gebracht und sorgt auch noch heute dafür, dass der deutsche Steuerzahler die HypoRealEstate mit Geld unterstützt.

Die Entwicklungen an den Börsen, die Macht von Ratingagenturen über ganze Staatengebilde und ihre Währungen und die Komplexität von Finanzderivaten und ihre Folgen für Anleger machen Aktien und Wertpapierfonds zu einer Form der Geldanlage die für normale Bürger immer unattraktiver wird.

Entwicklung des DAX von 1990 bis Mai 2011 Aus meiner Sicht müssen Banken, Börsen und Aktiengesellschaft etwas dagegen unternehmen, dass Aktien in den Augen vieler Menschen die Jetons auf einem riesigen Roulette-Tisch namens Börse repräsentieren. Denn eine Aussage meines Nachbarn stimmt auf alle Fälle, die Kurse steigen, auch wenn es dazwischen auch Talabstiege gibt und die Hauptversammlungen der Gesellschaften keine fürstlichen Verköstigungen mehr für ihre Shareholder bereitstellen. Wer clever investiert kann zu den Gewinnern gehören, aber mit der Angst im Nacken übervorteilt zu werden von zwielichtigen Spekulanten treibt die Geldanleger wohl eher wieder Richtung Sparbuch oder Rentenpapiere.

Quellangabe: Die Grafik zur Entwicklung der Aktionärsstruktur in Deutschland stammt vom DAI. Die DAX-Grfaik stammt von der Seite boersennotizbuch.

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