Buch und eBook

Allmen und der rosa Diamant, oder wie bekommt ein Buch den perfekten Marketingumfang?

Fangen wir doch einmal mit einem wichtigen Kriterium für ein Buch an, zumindest einem wichtigen Kriterium in einer preisfixierten Gesellschaft wie der unseren; dem Preis.

Unter dem Aspekt des Preises ist Allmen und der rosa Diamant würdig sich auf dem Hochzeitstisch bei Grimaldis einzufinden, denn Diogenes hat mit 18,90 Euro und 218, nicht gerade eng bedruckten, Seiten ein Buchstaben pro Cent – Koeffizienten erreicht, welcher das Buch fast so wertvoll macht wie das im Titel erwähnte Mineral.

Was den von mir eben gerade erfunden BpC-Koeffizienten positiv für das Buch beeinflusst ist das Lesebändchen und der Inhalt.

Bei einem Buch kommt es immer auf den Inhalt an, aber dieser sollte eben in einem vertretbaren monetären Verhältnis zum wirklichen Umfang und nicht zum Marketingumfang (errechnet sich aus der bedruckten Fläche, der Menge des dafür benötigten Papiers, der Spationierung und der Laufweite) stehen.

Bei Diogenes werden, natürlich, nur gut bezahlte Autoren verlegt, deren Geschichten in einem einheitlichen Design erscheinen und daher liegt der Marketingumfang der Bücher, welcher am Ende des Tages den Preis bestimmt, bei einem Koeffizienten zum „Umfang der ausgereicht hätte um das Buch verlegen und in den Verkauf zu bringen“ bei 1,78 – 2,76.

Widmen wir uns aber nun ganz dem Inhalt des zweiten Allmen-Romans, also der Fortsetzung der Geschichten rund um den, eigentlichen insolventen, Lebemann Johann Friedrich von Allmen, welcher vom Zürcher Tages-Anzeiger als echter Suter-Held bezeichnet wird.

Heldenhaftes passiert zwar wenig im zweiten Allmenroman, aber Suter hat den lockeren Schreibstil aus seinen Geschichten der Businesswelt auf diese kleine Krimireihe angewendet, und somit ist der Leser schnell in eine rasant erzählte Geschichte eingebunden und liest sich so von Seite zu Seite, von Champagnerglas zu Champagnerglas, von spanischer Floskel zu spanischer Floskel und deren Übersetzung (eine weitere gelungene Methode der Umfangerweiterung, deutsche Floskeln in spanische Floskeln übersetzen, oder umgekehrt und in die Geschichte als authentischen Bestandteil einbauen).

Dazwischen wird ermittelt und Klavier gespielt und ermittelt und telefoniert und Kaffee getrunken und dann, plötzlich, wir tappten gerade noch als Leser am Ostseestrand im stürmischen Dunkel, wird aufgelöst. Fast so wie damals bei Michael Schanze und 1, 2 oder 3 (Plopp heißt Stopp), endet dann auch der zweite Allmenkrimi (Anleitung zum Leben ohne Geld auf dem Konto zu haben?), plötzlich und fast unerwartet. Hier liegt nämlich das Problem der Allmengeschichten; Suter führt einen fast traumwandlerisch von Seite zu Seite, gibt dann aber unerwartet Gas und führt einen viel zu schnell aus dem dunklen Keller ins Licht, gerade so, als ob der geniale Autor dann keine Lust mehr habe uns weiter ein wenig an der Nase herumzuführen.

Allmen 2 ist für Suterfans ein Muss, wer sich allerdings für fast 20 Euro länger als einen Tag mit einem Buch beschäftigen möchte, der sollte bei der Buchhandlung seines Vertrauens eher zu anderen Romanen greifen. Die sind dann zwar nicht so gut geschrieben, aber dafür ausführlicher und langatmiger.

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