Markt & Wirtschaft

Stellenabbau bei der Frankfurter Rundschau: Das nächste Kapitel auf dem Weg zum Aus?

Die Frankfurter Rundschau ist früher eine echte überregionale Zeitung gewesen, es gab sie in Hamburg, München und auch im Ausland zu kaufen. Neben der eher konservativen F.A.Z. ist die FR ein Aushängeschild für das andere Frankfurt gewesen, eine eher linke Stimme im doch sonst sehr konservativen Pressemarkt der aus Frankfurt kam. Wohltuend die Berichterstattung, wenn auch manchmal ganz eindeutig einer Seite zugwendet, aus Frankfurt, der Region und der Welt.

Die FR ist schon lange keine überregionale Tageszeitung im Sinne einer meinungsbildenden und in ganz Deutschland erhältlichen Tageszeitung, vereinzelt liegt sie kraftlos im Bahnhofsbuchhandel und an Flughäfen.

Heute ist sie eine moderne Zeitung mit einem anständigen Lokalteil, welcher sich ganz angenehm vom manchmal sehr einfachen Schreibstil der Frankfurter Neue Presse abhebt.

Dennoch hat sie seit Jahren ein schwerwiegendes Problem, die Leserschaft schwindet und wendet sich anderen Zeitungen oder Medien zu, da nutzt auch eine viel gefeierte App nichts, denn damit verdient der Verlag wohl auf absehbare Zeit kein Geld. Ein Prestigeobjekt, aber ein teures.

Sinkende Auflagenzahlen sind für Tageszeitungen aus zwei Gründen gefährlich, einmal gehen die Vertriebserlöse zurück und mit dem Schwund der Auflage auch die Gelder aus dem Verkauf von Werbeflächen.
Da ca. 75% der Erlöse einer Tageszeitung aus dem Anzeigengeschäft kommen ist es wichtig eine möglichst hohe Verbreitung zu haben, und hier krankt es eben bei der FR.

Der Mediendienst DWDL schreibt dazu:

So sackte die verkaufte Auflage im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10,1 Prozent auf nur noch 129.786 ab. Der Rückgang fiel damit noch etwas stärker aus als im dritten Quartal. Besonders die Abonnenten laufen der „FR“ in Scharen davon: Die Zahl der Abos sackte um 9,3 Prozent ab. Zwar wurden am Kiosk immerhin 5,4 Prozent mehr Exemplare abgesetzt, doch der Einzelverkauf macht nicht mal ein Sechstel der Gesamt-Verkäufe aus. Zusätzlich auf die Auflage drückte eine Reduzierung der sonstigen Verkäufe.

Ähnlich wie bei der großen F.A.Z. macht sich auch bei der FR der Wandel bei den sogenannten Rubrikenanzeigen schon über einen langen Zeitraum bemerkbar. Beide Zeitungen hatten früher Samstagsausgaben die kaum in einen Briefkasten gepasst haben. Heute ist die FR im Bereich des Stellenmarktes nur noch ein Schatten ihrer selbst, und auch bei der F.A.Z. ist der Stellenmarkt auch nicht mehr das was er einst gewesen ist.

Bereits vor Jahren hatte der Verlag der F.A.Z. und der Neuen Presse (inkl. Aller Regionalausgaben) die Weichen richtig gestellt und den Auflagenschwund geschickt kaschiert in dem die FNP und die F.A.Z. mit ihren Lokalausgaben gemeinsam von RheinMainMedia vermarktet wurden. Zwangskombinationen die eine vernünftige wirtschaftliche Grundlage schufen. Diese Weitsicht fehlte wohl im Haus der FR und so begann ein Niedergang der heute darin endet, dass große Teile der Redaktion in Sachsenhausener Depot ihre Stühle räumen müssen, bzw. sich mit dem Internetangebot von Berliner Zeitung und FR beschäftigen dürfen, während in Berlin die Printausgabe redaktionell erstellt wird. Die lokale Berichterstattung wird weiterhin aus Frankfurt kommen.

Die sinkende Auflage der FR hat den Besitzer, die DuMont-Gruppe aus Köln, nun dazu veranlasst einen wirtschaftlich notwendig Schnitt vorzunehmen. Für Frankfurt und die FR bedeutet dies:

Für die Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau, die Tag für Tag eine hervorragende und geradezu leidenschaftliche Arbeit leisten, ist der Umbau der Organisation mit durchaus schmerzlichen Einschnitten verbunden. Arbeitsplätze gehen verloren. Dies sei nicht verschwiegen. Anders ist die Existenz der Zeitung nicht zu sichern. (Quelle: http://www.fr-online.de/home/wir-ueber-uns/erklaerung-von-prof–alfred-neven-dumont/-/4353508/8290370/-/index.html)

Damit lesen wir Frankfurter in Zukunft also eine Lokalausgabe der Berliner Zeitung! Dies ist, verbunden mit der Tatsache, dass die Druckerei in Neu-Isenburg, trotz Fremdaufträgen, bei den sinkenden Auflagen der FR auch keine Geldruckmaschine sein wird, der nächste Schritt zum Ende des Patienten FR.

Meine persönliche Meinung ist, dass die FR eine starke eigene Redaktion braucht, verbunden mit vernünftigen Vermarktungskonzepten und einer Strategie wie eine links-liberale Tageszeitung ihre Stärken in den entsprechenden Zielgruppen nutzen kann. Dies könnte auch überregional möglich sein, im Hause DuMont scheint die Richtung der Entscheidungen aber nur eine Richtung zu kennen, zusammenlegen, einsparen und abwarten wann der nächste Schritt fällig wird.

Hoffen wir das der andere Kölner am Ruder einer Frankfurter Tradition mehr Glück hat, als die Familie DuMont bei ihren Aktivitäten um die FR.

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