Mainhatten Markt & Wirtschaft

Eichborn macht die Fliege ins verarmte Berlin – na und?

Der Eichborn-Verlag geht nach Berlin, weil dort der Aufbau-Verlag seine Heimat hat und beide Verlagshäuser zu einem verschmelzen sollen.

In den Berliner Zeitungen ist die Freude groß über den Zuzug eines neuen Unternehmens und in den Frankfurter Zeitungen wird der Abzug der Herren der Fliege bedauert. Im Spiegel ist sogar von einem harten Schlag für die Buchmessestadt die Rede.

Nun aber einmal im Ernst, ist es wirklich so schlimm wenn Eichborn geht? Aus wirtschaftlicher Sicht ist es wenig bedauerlich, denn Eichborn geht es nicht so gut und somit dürften die Einnahmen für Stadt und Land nicht gerade groß sein. Selbstverständlich fällt die Kaufkraft der Angestellten weg, wenn sie denn keine neuen Jobs finden würden. Begeisterung für den neuen Verlagsstandort gibt es unter den Mitarbeitern im Bahnhofsviertel nicht gerade. Kein Wunder, denn Berlin ist nicht wirklich sexy, sondern eher arm und verbeamtet, da nutzt auch ein Partybürgermeister nichts (der ja sowieso demnächst den Stuhl von einer Grünen vor das rote Rathaus gestellt bekommt.)

Zurück zu den wirtschaftlichen Folgen für Frankfurt. Ein Verlag geht, dafür baut gerade Tishmann Speyer ein weiteres attraktives Hochhaus in Frankfurt. Sicherlich geht damit die Frankfurter Wirtschaft einen weiteren Schritt in die wirtschaftliche Abhängigkeit der klassischen Hochhausmieter, wie Finanzdienstleister, Anwälte und Beratungsunternehmen. Diese Unternehmen zahlen aber ihre Angestellten in der Regel besser als Verlagshäuser und sorgen somit für eine Stärkung der Kaufkraft in und um Frankfurt.

Berlin kann seinen Arbeitsmarkt mit dem neuen Unternehmen unter dem Dach des Aufbau-Verlags wohl kaum beleben, denn wenn wie beabsichtigt Unternehmensteile zusammengelegt werden sollen, als erster Schritt ist vom Vertrieb der beiden Verlage die Rede, dann fallen erfahrungsgemäß eher Stellen weg, als das neue Stellen im großen Ausmaß entstehen. Die neuen Herren der Fliege wollen den flügellahmen Verlag doch eher durch Synergien aufbauen, und nicht durch Investitionen in neue Arbeitskräfte. Welche aber in Berlin sicherlich günstiger zu haben sind, als in Frankfurt.

Mit dem Bau des dritten von Jerry Speyer in Frankfurt geplanten Büroturms (Wohnungen werden auch geplant) profitiert die Stadt schon vor dem Einzug der ersten Mieter, denn die Bauunternehmen der Gegend werden auch von diesem Auftrag profitieren und damit die gesamte Region um Frankfurt.

Berlin hat keine namhaften Bürogebäude, einen schönen Reichstag und lebt von den Steuergeldern des Länderfinanzausgleichs. Diese Gelder haben es damals Berlin erst möglich gemacht den Suhrkampverlag an die Spree zu locken, also hatte Hessen den Fortgang eines Steuerzahlers selber mit subventioniert. Berliner die sich mit den Redakteuren ihrer Tageszeitungen über den vermeintlichen Gewinn für ihre Hauptstadt freuen, sollten lieber mal darüber nachdenken, warum Tishman Speyer in Paris und London baut, aber nicht in Berlin, aber stattdessen in Mainhatten.

Die Bemerkung im Spiegel der Umzug von Eichborn sei ein Schlag gegen die Buchmessestadt Frankfurt ist wohl mehr der Wunschgedanke eines verträumten Redakteurs, denn Realität. Frankfurt ist auch die Stadt der größten Automobilmesse und hat keine wirkliche produzierende Autoinfrastruktur, deshalb muss es auch keinen Zusammenhang zwischen dem Umzug eines eher kleinen mittelständischen Buchverlags und der internationalen Buchmesse geben.

Frankfurt besitzt nämlich einen einmaligen Standortvorteil als Messestadt, zentral gelegen, gut erreichbar aus aller Welt und eine auf internationales Publikum eingestellte Stadtgesellschaft. Alles Dinge die sich Berlin wünscht, aber wohl eher auch Träume bleiben werden, ob das „Kleine Arschloch“ demnächst in Kreuzberg verlegt wird oder im Bahnhofsviertel von Frankfurt ist aus meiner Sicht am Ende des Tages so wichtig wie der Sack Reis in China, der gerade umfällt.

3 Kommentare

  1. Nett geschrieben, Mainbube!

    wundert mich nur, dass dich das kleine Thema so in Rage bringt?
    (hat aber vermutlich mit der Nähe deiner Angetrauten zum Börseverein (der aber irgendwie was mit Büchern zu tun hat, wenn ich mich dunkel, ganz dunkel, erinnere; oder heißt’s Buchverein?).

    Aber immer wieder nett zu lesen.

    Einzig der letzte Satz mit dem umfallenden Sack Reis in China, dafür würde ich mir eine andere Metapher einfallen lassen, da doch mittlerweile die Welt auf kaum etwas so stark reagiert, wie einen in China umfallenden, vielleicht sogar nur leicht schräg wegrutschenden Sack Reis. Ich wage mal die Behauptung, dass der Sack Reis in Zukunft sogar DIE Metapher für Großereignisse oder zumindest deren Auslöser werden wird.

    By the way: ob die Wertschöpfung für einen in Frankfurt errichteten Turm in Frankfurt bleibt, oder ob der Multinationale Baukonzern nicht zufällig in Guernsey versteuert und überwiegend Polen oder Portugiesen beschäftigt, wäre eine weitere, detailliertere Abhandlung wert.

    Bis bald mal wieder,

    lg

    Markus

  2. @Markus, nicht der Umzug von Eichborn hatte bei mir die „Rage“ ausgelöst, sondern eher dieser Berlin Hype. In Berlin ist alles toll und gerade der Spiegel bekommt sich manchmal, im kulturellen Bereich, gar nicht mehr ein, wenn es um unsere Hauptstadt geht.
    Berlin ist nett, weltoffen und eine Großstadt ohne Geld. Dies wird gerne mal vergessen wenn es dann um Hurrameldungen geht. Oft sind dies aber gar keine Hurrameldungen, sondern eben nur der Umzug eines in wirtschaftlichen Turbulenzen befindlichen Verlags in die Haupstadt. Aus diesem Grund gibt es da auch keine Verbindung zur Frau Mainbube und ihrem Job.

    Beim Thema Hochhausbau bin ich mir jedoch sicher, dass auch ein Teil der Wertschöpfung vor Ort bleibt, denn hierbei handelt es sich um Spezialistenarbeit, welche eben zum großen Teil nur direkt vor Ort mit gut ausgebildeten Kräften zu leisten ist. Das auch ausländische Bauarbeiter auf der Baustelle arbeiten werden ist europäischer Alltag und sorgt somit wenigstens für Wertschöpfung in Europa und dazu auch noch in manchen Krisenländern.

    Das die Reissäcke immer wichtiger werden steht allerdings wirklich zu befürchten 🙂

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