Fitzelchen

Diamonds are a girls best friend – Das glitzernde Fitzelchen

„Der Schnee hat die Tote verdeckt, die Leute dachten es sei ein Schneehaufen und haben sich keine Gedanken gemacht.“ Hauptkommissarin Esther Mühlblatt berichtete ihrem Chef in kurzen Worten warum der vor ihnen liegende Leichnam offenbar fast zwei Wochen unentdeckt Mitten im Kaiserpark hatte liegen können.

Benno Schloheisen schüttelte den Kopf, vierzehn Tage, so die Schätzung der Ärztin auf den ersten Blick, hatte die Leiche einer jungen Frau mitten im Herzen des Kaiserparks unentdeckt liegen können. Er fasste es nicht.

Esther und Benno fuhren mit der Bahn Richtung Innenstadt und sprachen nicht miteinander, beide dachten sie darüber nach warum es keine Vermisstenmeldung gab. Warum die junge Frau an einem Wintertag nur so leicht bekleidet unterwegs gewesen war. Sie hatte nur ein dunkelblaues, eher sommerliches, Abendkleid getragen. Passende High-Heels und ein, zumindest auf den ersten Blick, sehr teuer wirkendes Diamantkollier mit einer goldenen Rose als Schließe. Ein sehr auffälliges Schmuckstück.

Im Büro herrschte emsiges Treiben, die Kollegen hatten bereits die Eventkalender durchgesehen und mit den umliegenden Hotels der Donaustadt gesprochen. Für den vermuteten Todeszeitraum hatte es keine Bälle oder ähnliche Veranstaltungen gegeben. Also hatte die hübsche Leiche wohl einen anderen Grund gehabt sich so aufzudonnern, wie Kriminalinspektorin Susanne Oberlechner bemerkte. Esther hatte bei der Bemerkung ein wenig grinsen müssen, weil Susanne Oberlechner, Tochter eines der erfolgreichsten Juristenehepaare des Landes, selber immer rumlief wie auf einer Modenschau. Nur diese junge Dame sorgte wohl selbst noch im Tod für eine Spur von Neid, dabei gab es dafür nun wirklich keinen Grund, denn Susanne kleidete sich nicht nur mehr als chic, sie sah auch noch blendend aus.

Die Tage vergingen ohne einen erkennbaren Fortschritt der Mordermittlungen. Sie wussten nun, dass die junge Dame aus Russland kam, hier studierte, sich offenbar einen Patzen Geld im Monat mit Dienstleistungen der besonderen Art dazuverdient hatte (ohne diese zu versteuern) und das der Diamantschmuck bei einem Londoner Juwelier gekauft worden war.

Die Kollegen von Scotland Yard hatten allerdings keine Anhaltspunkte liefern können wie die Tote an den Schmuck gekommen ist. Gekauft wurde er von einem bekannten Diamantenhändler aus Norddeutschland, die Kollegen aus der Hansestadt hatten die Ermittlungen auch nur ansatzweise unterstützen können, denn der Händler hatte das Schmuckstück lediglich für einen Auftraggeber in der Schweiz gekauft. Dort hatte er es in einem Bankschließfach abgeliefert und dafür einen Umschlag mit seiner Dienstleistungsprämie entnommen. Die Genfer Bank machte keine weiteren Angaben zum Inhaber des Schließfachs, versicherte aber es sei danach nicht geöffnet worden. Was offenbar nicht stimmen konnte, oder den Schluss zuließ, dass der Diamantenhändler nicht das Original im Schließfach abgeliefert hatte, aber selbst dieser Verdacht konnte von den deutschen Kollegen nicht zufriedenstellend geklärt werden.

Anja, wie sich die Tote mit deutschen Namen nannte, hatte wohl vor ihrem Tod noch Geschlechtsverkehr gehabt. Die DNA-Spurenverwertung dauerte noch an, aber weder Benno Schloheisen, noch seine Kolleginnen machten sich Hoffnungen brauchbare Spuren bekommen zu können.

Fast drei Monate später, der Frühling hatte in der kleinen Stadt an der Donau Einzug gehalten und Benno und Susanne tranken einen kleinen Braunen im örtlichen Kaffeehaus als Esther aufgeregt an ihren Tisch trat.

Vollkommen aus Atmen stützte sie sich ab und hielt eine ausgedruckte Mail in der Hand.

„Ich habe gerade eben eine Nachricht aus Berlin erhalten. Dort wurde gestern Abend eine tote Frau aufgefunden, sie trug ein blaues Abendkleid, passende Schuhe und….“, sie nahm noch einmal tief Luft „..ein Diamantkollier mit einer goldenen Rose als Schließe, identisch mit unserem, zumindest auf den ersten Blick. Der Kollege aus Berlin hatte es bei Interpol in die Datenbank eingeben, weil die Tote eine junge Russin ist und keine Aufenthaltsgenehmigung hatte. Über das Kollier gab es dann eine Verbindung zu uns. Und nun ratet einmal wer an diesem Abend in einem Hotel unweit des Fundortes als Gast abgestiegen ist.“

Susanne und Benno tranken einen Schluck Kaffee und sahen Esther erwartungsvoll an, die Spannung des Moments ließ fast die Zeit still stehen, was in diesem Kaffeehaus aus der Kaiserzeit schon fast nicht mehr möglich war, aber dennoch schien es zu diesem Zeitpunkt so zu sein.

„Alexander Mechelen, der Diamantenhändler aus Hamburg. Und jetzt passt auf, wer hat vor drei Monaten in unserem Palasthotel gewohnt? Auch er, wir haben das nicht überprüft. Er wohnte vier Tage hier.“

Benno nahm die Rose aus der Vase, roch einmal daran und stand auf. „Dann wollen wir mal die Akten wieder öffnen“

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