Buch und eBook

Was kostet die Welt – Ein Berliner Loser reist an die Mosel

„…,breite die Zeitschrift auf dem zahnarztpraxisfarbenen Waschbecken aus und onaniere mit dem Blick auf das magersüchtige Model aus der Hugo-Boss-Werbung, das sich mit dem halboffenen Mund und den Beinen auf der Lehne eines weißen Designersofas räkelt…“

Wenige Zeilen später hat Meise dann alles erledigt und kann sich wieder auf seinen Sitz im Flugzeug von New York nach Berlin zurückbegeben.

Das im Heyne – Hardcore Verlag (Hardcore steht hier für die Machart des Covers, nicht für den Inhalt) erschienene Buch – Was kostet die Welt – vom ehemaligen Bandmitglied Nagel der Punkband Muff Potter geschrieben , ist die Geschichte von Meise einem Loser aus Berlin, der sein Geld mit möglichst vielen Schichten in einer Bar verdient.

Der Anfang des Buches löste bei mir sofort den Eindruck aus, das es sich hier mal wieder um ein Buch ohne großen Inhalt handelt, aber dafür mit möglichst vielen zotigen Beschreibungen von Dingen über die Leser eigentlich nicht unbedingt etwas wissen wollen, wie die Beschreibung der Selbstbefriedigung auf der Flugzeugtoilette.

Das Buch bekommt aber die Kurve , es behält zwar immer den leichten Ansatz eines Buches bei, das lieber etwas mehr auf die Kacke haut, anstatt in die Tiefe gehen zu wollen, aber das kann der Autor wohl auch wesentlich besser. Aus diesem Grund ist es auch schnell und flott gelesen, denn der Erzählstil ist unkompliziert und an manchen Stellen hoch amüsant.

Meise, der Berliner Taugenichts, hat von seinem alten Herren 15.000 € geerbt, dieses Geld bringt er auf Reisen durch und nach dem er durch die Welt getingelt ist und wieder in Berlin angekommen ist, hat er immer noch Geld über. Knapp 1.000 €, die er nicht für die Miete verwendet, sondern treu seinem Gelübde folgend auch auf einer letzten Reise ausgibt.

Die tiefe westdeutsche Provinz ist sein letztes Ziel auf der Erbenreise. Im fiktiven Moselort Renderich wohnt er bei Flo und seinen Eltern, lernt Judith kennen (die Freundin von Flo) und schläft auf einer guten Matratze.

Die Provinz lässt Meise nachdenklich werden und über sein Leben nachdenken, gepaart mit einigen nicht nur lustigen Rückblicken, bekommen die Leser einen Einblick in Meise und sein Leben. An diesen Stellen ist das Buch dann auch nicht mehr ganz so trivial oberflächlich, sondern bringt dann einen kurzen Anstrich Tiefgang mit. Dieser dauert nicht zu lange an, und wird auch möglichst schnell mit Moselwein weggespült.

Die Provinz zeigt dem erfahrenen Weltenbummler seine Grenzen auf und nach einem hochamourösen Abenteuer, welches Nagel nahezu perfekt im Pornstyle schildert, neigt sich das Buch seinem Ende entgegen. Fast absehbar endet es, aber dennoch ist der Weg dorthin eine spannende Lektüre!

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