Fitzelchen

Commissario Vanità und der heilige Gral

Commissario Vanità fuhr den steilen Weg zur Villa hinauf. Er musste unbedingt mit der Contessa sprechen, denn in den letzten Tagen hatten sich im Tal merkwürdige Dinge ereignet.

Die Bewohner des Tals hatten ihn davon überzeugt, dass nur die Contessa oben auf dem Hügel in der alten Villa wusste was und, vor allem, was genau die Ereignisse ausgelöst hatte.

Schon mehr als 500 Jahre wurde das Dorf und das gesamte Tal von den Grafen Allesandro de Monti beherrscht, ohne Gewalt, aber mit starker Hand. Keine römische Regierung hatte jemals gewagt diesen Status anzurühren, denn die Grafen standen unter dem besonderen Schutz der heiligen Mutter Kirche. Im Inneren ihres Berges sollen sie angeblich den heiligen Gral beschützen.

Vanitá, ebenfalls ein norditalienischer Adliger, sollte die merkwürdigen Vorfälle am Berg aufklären.

Sein Wagen hielt vor dem großen Tor der Villa, er stieg aus und meldete sich an. Duca Pietro de Vanità, Commissario der Polizei von Turin. Das Tor öffnete sich, er ging den von Bäumen gesäumten Weg zur Villa hinauf, er begann zu schwitzen, die heiße Augustsonne brannte auf ihn nieder. Er hatte seinen leichtesten Anzug aus Leinen angezogen und dennoch, hier oben in den Bergen hatte er das Gefühl der Sonne viel näher zu sein, schwitzte er wahnsinnig.

Inständig hoffte er sein Parfum würde halten, denn er hatte sich sagen lassen, dass die ehrwürdige Dame sehr auf das gepflegte Äußere eines Mannes achten würde.

Aus der Innentasche seines Maßanzugs holte er sein Notizbuch und setze sich unter einen der Bäume. Der Weg schien nicht enden zu wollen und er hatte seinen Wagen wieder ins Tal geschickt, so wie es im gesagt worden war. Er konnte die Villa nicht sehen und der Weg ging steil hinauf. Er sehnte sich nach der Kühle seines Weinkellers, einem guten Schluck kühlen Grauburgunders aus den Schweizer Bergen. Hier hatte er das Gefühl zu verdursten, gierig nahm er einen Schluck aus seiner kleinen Wasserflasche.

Sieben Tote in sieben Tage, alle auf unterschiedliche Weise ums Leben gekommen. Der letzte Mord am Sonntagmorgen hatte alle bis ins Mark erschüttert. Der Direktor der örtlichen Bank wurde geköpft vor dem Hauptportal der Kirche aufgefunden.

Noch nie hatte es in Italien in einer Ortschaft so viele Morde gegeben, er musste sie aufklären, wenn er nicht vorher schon von dieser mörderischen Augustsonne verbrannt würde.

„Commissario Vanità, steigen sie doch in meinen Wagen ein“. Er hörte eine liebliche Stimme und dachte die Engel hätten ihn an diesem verzauberten Ort in den Himmel getragen. Er fühlte sich vollkommen erschöpft, irgendetwas an diesem Berg stimmte wirklich nicht.

Die Villa erhob sich vor seinen Augen, ein großes Gebäude mit einem unglaublichen Eingangsportal, einer Tür in der Form eines Kelchs. Diese Pforte musste mindestens vier bis sechs Meter hoch sein, Beschläge aus purem Gold hielten sie fest im Marmor verankert. Jede Säule des Eingangsportikus trug einen der Erzengel. Hinter der Villa erhob sich der Berg in Wolken gehüllt. Pietro, du musst träume dachte er sich und kniff sich in den Arm. Der Schmerz der ihn durchfuhr bestätigte ihm allerdings, dass er nicht bei den Engeln weilte und auch nicht träumte.

Eine Dame in feinsten Mailänder Chic saß im gegenüber, ihr dunkles Haar und ihre wachen Augen bildeten gemeinsam mit der feinen Nase das Bild eines Gemäldes. Diese Frau konnte nicht echt sein.

Sie bat ihn auszusteigen und zwei livrierte Diener halfen ihm aus dem Kutschwagen. Er betrat die Villa durch einen normalen Seiteneingang, die Dame schritt hinter ihm her.

Als sie beide das Vestibül erreicht hatten und sie ungefähr in der Mitte des Raumes standen, wurde er von einem weiteren Diener am weitergehen gehindert. Freundlich, aber bestimmt hielt er ihn auf. „Commissario Vanità, ich begrüße sie in der Bergvilla. Ich bin Contessa Rachel, die Herrin über diesen Berg und das Tal. Sie wollen ermitteln und suchen Antworten auf Fragen die sie selber nicht verstehen“.

Bevor er antworten konnte, legte sie ihm sanft einen Finger auf die Lippen. Ein Diener bat ihm zu folgen. Die Contessa ging die Treppe hinauf, ihm schien es als würde sie schweben.

Vanità schaute aus dem Fenster und vollkommen überraschend für ihn schaute er auf einen Pool. Rund um diesen Pool lagen junge Männer und Frauen, sie tranken offenbar Champagner und ließen es sich gutgehen. Die Szenerie beobachte er eine ganze Weile, dann klopfte es an der Tür. Ihm wurden ebenfalls Badesachen gebracht und er wurde eingeladen die Contessa am Pool zu treffen.

Am Pool angelangt wurde er von der Contessa empfangen sie trug einen himbeerfarbenen Bikini der ihre geradezu madonnenhafte Figur betonte. So hatte er sich die ehrwürdige Gräfin nicht vorgestellt, sie sah eher so aus wie die Chefin eines Modelabels in der Sommerfrische. Hier am Pool, in einer nahezu perfekt sitzenden Badeshorts, erging es ihm aber nicht anders. Das Gefühl sich im Urlaub zu befinden wurde nun noch durch das Glas Champagner, welches im gereicht wurde, verstärkt.

Die Contessa prostete ihm zu und setze sich lasziv in einen der Deckchairs und lächelte ihn an.

Nachdem er einen großen Schluck Champagner genommen hatte und die Wirkung des Alkohols eingesetzt hatte, was in der mörderischen Hitze schnell geschah, schaute er sich die Contessa genauer an.

Sie hoffe es würde ihm gefallen was er sähe, Worte die er nur mit einem klaren Ja beantworten könnte. Dann nach wenigen Minuten der männlichen Demenz in der Gegenwart von schönen Frauen, konnte er sich auf seine Aufgabe besinnen.

„Contessa Rachel, haben sie etwas mit den Morden im Tal zu tun?“.

Sie stand auf, strich mit ihren Fingern, wunderbar in rot lackiert, über seinen Rücken. Fuhr durch sein Haar und legte ihm erneut einen Finger auf die Lippen. Dann sprang sie ins Pool, schwamm einige Züge, stieg aus dem Wasser. Er sah wie die Tropfen des Wassers an ihr abperlten, ihr Dekolleté schimmerte wie als ob Silberfäden sich zum Mittelpunkt ihres Körpers ziehen würden. Dann stand sie vor ihm, ging in die Knie und sah ihn an.

„Wir schützen hier etwas sehr Besonderes, dieser Schutz fordert Opfer Commissario, gehen sie morgen zurück ins Tal und beten sie drei Vater unser und vier Ave Maria, dann wird ihnen vergeben werden“

Auf die Frage was ihm vergeben werden sollte, lächelte Rachel nur und ging hinüber zur kleinen Kapelle.

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