Fitzelchen

Latte Macchiato

Die Aufzugtür öffnete sich und er stieg aus, sah sich noch einmal um und eilte dann, den Aktenkoffer fest umklammert, aus dem Gebäude an der Fifth Avenue. Draußen empfing ihn ein kalter Windstoß. Die letzten 36 Stunden hatte er in diesem Gebäude verbracht, darüber hatte er vergessen, dass es bei seiner Ankunft geschneit hatte und die Wettervorhersage noch mehr Schnee angekündigt hatte, bei weiter fallenden Temperaturen.

Robert Schumann schlug den Mantelkragen hoch und wartete auf ein Taxi, der Portier sorgte dafür, dass er nicht lange warten musste.

Auf dem Rücksitz des Taxis atmete er tief durch, er hatte soeben die Zentrale der Anwaltskanzlei Dealbreaker, Justicefellows and Clauserider mit einem Vertrag und den dazugehörigen Unterschriften im Wert von 15,2 Millionen Euro verlassen.

Sein Seniorpartner würde ihm nun die Partnerschaft nicht mehr verwehren können und darüber freute er sich wie ein kleines Kind unter dem Weihnachtsbaum. Jetzt nur noch den Flieger zurück nach Frankfurt bekommen und dann einen großen Schluck Champagner auf den Vertrag trinken.

Draußen schneite es unaufhörlich und der Verkehr kroch nur noch durch die tiefverschneiten Straßen von New York, es dämmerte bereits und Robert sah nervös auf seine Uhr. Der Flieger würde wohl kaum auf ihn warten und der Cabdriver hatte wohl auch keinen Schneepflug dabei, seine Laune wurde schlagartig schlechter, bei dem Gedanken seinen Flieger einen Tag vor Weihnachten zu verpassen, und nicht rechtzeitig zur Gans in den heimatlichen Gefilden zu sein.

Die Weihnachtsdeko blinkte und strahlte, er konnte die Weihnachtsbäume sehen und ein paar New Yorker die mit dicken Tüten die heimische Wirtschaft ankurbelten.

Der letzte Blick auf die Uhr bestätigte ihm seine schlimmste Befürchtung; der Flieger würde ohne ihn abheben.

Joe, sein Fahrer verabschiedete sich mit einem weihnachtlichen Gruß und einem breiten Lächeln von ihm, das großzügige Trinkgeld hatte ihm dies wohl entlockt, denn ansonsten hatte er die ganze Fahrt mürrisch dreingeschaut und kein Wort geredet.

Mr. Robert Schumann stand nun ziemlich einsam und verlassen am Flughafen von New York, mit einem Ticket für den nächsten Flug am Morgen des 24. Dezember.

Sein Blick wanderte durch die Abflughalle, und da ganz plötzlich entdeckte er Maria. Maria, seine ehemalige Kollegin bei Bank. Sie lehnte an einer kleinen Mauer und hatte ihren Anwaltsübernachtskoffer zwischen ihre Beine geklemmt und tippte etwas in ihr Mobiltelefon.

Zufall? Flug verpasst und dann hier Maria nach fünf Jahren wiedergesehen? Robert ging zu Starbucks, kaufte zwei Latte Macchiato und schlenderte langsam zurück in die Halle.

Maria tippe immer noch fleißig auf die Tastatur ihres Handys ein, sie bemerkte nicht wie sich jemand neben sie stellte, seinen Koffer auf den Boden sinken ließ und dann den einen Haltebehälter mit Kaffee vorsichtig neben sich auf die Brüstung balancierte.

Erst als eine ihr bekannte Stimme von der Seite fragte ob sie einen Kaffee haben wollte, schaute sie auf. Sie drehte den Kopf zur Seite und schaute auf den Becher der ihr hingehalten wurde, dann lächelte sie und nahm den Becher.

Maria wusste nicht warum, aber sie nahm einen Schluck, stellte den Kaffee ab und nahm seinen Kopf zwischen ihre Hände, zog ihn zu sich heran und gab ihm einen Kuss.

„Schön, dass Du mit mir auf den Flug wartest“ sagte sie….

Vielen Dank an IsiImpossible für das Bild des Starbucks-Bechers, welcher hier in ganzer Schönheit zu sehen ist.

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