Reise

Athenschock

20 Sekunden zu spät, so schätze ich es ein, habe ich zu spät realisiert, was der kleine Rempler auf der Rolltreppe der Metrostation Monestaraki zu bedeuten hatte, ein Taschendieb hatte sich meine Portemonnaie geschnappt. Noch ganz im Inselmodus hatte ich noch nicht wieder die normale Stadtwachsamkeit eingeschaltet und bin so Opfer meiner eigenen Leichtsinnigkeit geworden.

Gut, ein Dieb ist es um 120 Euro reicher und hat eine Bahncard mit meinem Bild in Besitz. Die Kreditkarten habe ich schnell sperren lassen, was auch wirklich schnell und recht unkompliziert ging.

In Athen werden jeden Tag Touristen und Einheimische bestohlen, wie wohl in jeder größeren Stadt auf der Welt. Den Athenern ist dies wahnsinnig peinlich, muss es aber aus meiner Sicht nicht wirklich sein, denn sowohl die Hauptstadtbewohner als auch alle anderen Griechen gehören nun wirklich zu der Kategorie der freundlichen Mitmenschen.

Schockiert hat mich aber dann am gestrigen Abend etwas ganz anderes, denn ich musste natürlich, aus versicherungstechnischen Gründen, den Diebstahl anzeigen. Also wurden wir zur nächsten Polizeistation gebracht. Ein Schock, die Polizeistation in der Nähe des Omoniaplatz ist wahrlich kein schöner Ort, aber auch nicht der zu dem wir gemusst hätten. Nach dem Schock über den Zustand der Polizeistation fuhren wir mit dem Taxi zur zuständigen Wache am Syntagmaplatz. Hier dann die zweite Überraschung, die Polizeiwache liegt in einer dunklen Seitengasse. Sowohl am Anfang der Gasse als auch am Ende sitzen Polizisten und bewachen die Straße in der ihre Wache liegt. Das schafft nicht wirklich Vertrauen.

Das Innere der Polizeistation ist dann ebenso düster und heruntergekommen wie die erste Wache auf der wir gewesen sind.

Der Aufzug kaputt, der Beamte am Eingang nimmt es mit Humor „It´s Greece…“ und schickt uns in den vierten Stock.

Jetzt sind wir endgültig desillusioniert, denn wir stehen zwischen dermaßen heruntergekommen Möbelstücken aus den frühen siebziger Jahren, dass wir es nicht wirklich glauben können. Drei Zivilbeamten begrüßen uns und unterbrechen offenbar ihr Verhöhr von einigen sehr dunklen Gestalten, die nur ca. 2 Meter von uns sitzen bleiben und sich meine Taschendiebstory anhören können. Sicherlich eine erheiternde Geschichte für die Herren aus der Unterwelt.

Leidenschaftlos, was ich verstehen kann, werden wir aufgefordert ein Dokument auszufüllen, die Anzeige bekommt eine Bearbeitungsnummer, welche in ein wahnsinnig dickes Buch eingetragen wird. Computer gibt es hier, aber sie sind alle ausgeschaltet, der Kopierer geht nicht, wir kommen so in den Genuss nun auch noch die Räumlichkeiten im zweiten Stock betrachten zu können. Hier ein fast ebenso trostloses Bild; alte Möbel, Polizisten die kaputt und schlapp aussehen, keine Computer, bzw. auffallend wenige elektronische Arbeitsgeräte.

Auf dem Heimweg sind Frau Mainbube und ich fast schon traurig, denn wir haben gesehen wie hier ein Land vor die Hunde geht. Nicht erst ein paar Wochen, dieser Zustand in dem sich die Polizeiwachen befanden haben, sind wohl der Beleg für den Zerfall des Staatswesens hier. Wir sind aus Deutschland ein derart hohes Niveau gewohnt, dass es einem hier Angst und Bange wird.

Wir sind in Athen, der Hauptstadt eines der Eurostaaten und wir haben uns gefühlt wie irgendwo in der dritten Welt. Es kann doch nicht sein, dass Europa so etwas zulassen kann? Europa muss doch ein hohes einheitliches Niveau besitzen, in dem Polizeiwachen ordentlich ausgestattet sind und Beamte einen guten Job machen können, weil ihnen die Möglichkeiten gegeben werden, an der Motivation der griechischen Polizisten will ich nicht zweifeln.

Nach gestern Abend glaube ich, dass wir noch viel Geld in dieses Land investieren müssen, und sich die Politiker mal ernsthaft mit der wahren Situation in manchen EU-Ländern auseiendersetzen sollten, bevor wir uns neue Partner ins Boot holen die eine noch schlechtere Basis mitbringen

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