Griechenland Reise

Von (Athen)-Piräus nach Ikaria: Eine Seefahrt die ist lustig

David Nichols beschreibt in seinem Buch „Zwei an einem Tag“ die Seereise der beiden Protagonisten durch die griechische Inselwelt. Romantisch liegen die beiden auf dem Sonnendeck des Fährschiffs und führen gute Gespräche, genießen die wärmende Sonne und den kühlenden Fahrtwind.

So muss eine Schiffsreise sein! Die oben beschrieben Szenerie hatte sich auch ein klein wenig in meinem Kopf festgesetzt, zumindest so lange, bis Frau Mainbube und ich am Samstagabend im Hafen von Piräus mit vielen anderen Passagieren im bunten Durcheinander am Kai standen und darauf warteten an Bord unseres Schiffes gehen zu können.

metrostation piraeus Schon am frühen Vormittag hatten wir den besten Weg von der Athener Innenstadt zum Hafen ausgekundschaftet und hätten die Metrovariante ohne Gepäck jederzeit wieder in Betracht gezogen. Mit der grünen Linie direkt von der Stadion Monastiraki bis zum Hafen von Piräus in etwa 15 Minuten.

Mit Gepäck ist die Taxifahrt für 12 Euro zwar die teurere Variante, aber dann doch die bequemere Version einer ca. achtstündigen Seereise.

Wer mit der Metro nach Piräus fährt wird an der Endstation der Metro überrascht feststellen, dass die U-Bahnstation von Piräus aussieht wie ein richtiger Bahnhof, was sofort die in einem keimende Vorfreude auf die Fortsetzung der Urlaubsreise weckt.

Schnell kommt man vom Bahnhof über eine Überführung zum Hafen und zu den Terminals der Schifffahrtsgesellschaften. Dort kann man sein Onlineticket gegen richtige Tickets eintauschen, oder sich, wenn dies noch möglich ist, ein Ticket kaufen. Im August, wenn fast ganz Athen aus der Stadt flieht, ist es mehr als ratsam sich sein Ticket vorab im Internet zu sichern. Was übrigens auch für Flugtickets auf die Inseln gilt.

Am frühen Abend standen wir dann also vor unserer „Vessel“, einem ordentlich aussehenden Schiff von Hellenic Seaways, welches uns über Nacht auf unsere Insel bringen sollte.

hafen piraeus kraehne Wer etwas früher als die vorgeschlagene Stunde vor Abfahrt am Abfahrtsgate ist, kann sich in aller Ruhe mit seinen Mitreisenden vertraut machen, die Hafenatmosphäre spüren und Pistazien bei einem der fliegenden Händler kaufen und so die Zeit bis zum Boarding wie im Flug vergehen zu lassen.

Hat man es an Bord geschafft, die Koffer gut verstaut und seine Sitzplätze eingenommen, wer eine Kabine haben möchte sollte schon sehr früh seine Überfahrt buchen, kann die Entdeckungstour durch das Schiff beginnen. Die erste Feststellung ist, dass der Kahn offenbar rappelvoll ist, und es üblich ist auf dem Sundeck auch bei einer Nachtfahrt einen Platz einzunehmen oder gar seinen Schlafsack an strategisch günstiger (windgeschützter) Stelle auszubreiten. Im Gegensatz zur Überfahrt bei „Zwei an einem Tag“ ist der Wind kein kühlender, sonder eher ein viel zu warmer und sehr schwüler Begleiter, der selbst als die Sonne sich verabschiedet hat, denn Passagieren an Deck keine wirkliche Kühlung bringt.

Wie schön ist es da in Panama…..

Panama ist in diesem Fall eine der Lounges mit den Schlafsesseln und einer funktionierenden Klimaanlage. Hier herrscht der eifrige Trubel der immer dann entsteht, wenn ganze Sippschaften auf Reisen gehen. Eltern reden mit Großeltern, die kümmern sich um die Enkel, welche mit Freunden (neuen oder alten) durch das Schiff toben. Dabei läuft auf den Bildschirm stumm das TV-Programm mit Untertiteln vor sich hin und irgendwann zieht ein Steward die Vorhänge der großen Panoramafenster zu. Ob dies eine Aufforderung zum Schlafen ist, wird mir immer ein Rätsel bleiben, denn einige Passagiere beginnen zwar sich häuslich einzurichten und bauen kleine Schlafnischen für die Kleinen auf, aber gleichzeitig wird die Schlange an den wenigen Bars immer länger.

So gleitet nicht nur das Schiff aus dem Hafen heraus zu seinen Anlegestationen, auch die Passagiere können, wenn sie wollen, langsam in den Schlaf hinüber gleiten. Sanft stampft das Schiff durch das Mittelmeer und wer eingeschlafen ist, wird rechtzeitig vor Erreichen des Zielhafens, auf der Fahrt nach Ikaria sind dies noch Syros und Mykonos, von einer etwas unangenehmeren Lautsprecherstimme aus den Träumen geholt.

Für die weiterfahrenden Passagiere ist ein nächtlicher Stopp in einem der Häfen eine spannende Abwechslung zum Schlafsessel. Flott werden Autos von Bord gelassen, neue Passagiere lösen die aussteigenden Gäste ab, und nach wenigen Minuten geht die nächtliche Reise weiter.

In Ikaria erwartet den Passagier ein etwas längeres Anlegemanöver, da ein stürmischer Wind das schnelle Anlegen wie auf Syros und Mykonos herauszögert. Das Schiff ächzt kurz unter den Manövern und die Motoren stemmen sich gegen Wind und Wellen, gleichzeitig öffnet sich schon die Bugklappe und wir können einen Blick auf den Hafen werfen, dann herrscht kurz Stille und wir haben festgemacht. Die Motoren der LKW dröhnen, die Motorräder verlassen fluchtartig den Schiffsbauch und auch wir ziehen unsere Koffer an Land und werden von einer steifen Brise begrüßt. Warm und dunkel ist es auf Ikaria, als wir ankommen, aber am nächsten Morgen wachen wir mit einem traumhaften Blick auf die stürmische See auf und wissen, dass sich die Seefahrt gelohnt hat.

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