Fitzelchen

Das Champagne-Inn – Ein neues Fitzelchen

Hatto von Herzenich ging ungern an der Leine, aber an diesem Samstagmorgen genoss er die straffe Führung, denn nicht sein Herrchen Max von Rheinhausen zerrte ihn durch die Vorgärten des Lerchesberg, sondern seine Tochter Maximiliane.

Ihre Art seine Leine zu führen verzückte den Dackel jedes Mal, und so genoss er den Spaziergang zum Champagne-Inn.

Hatto wedelte freundlich mit dem Schwanz als sich Maximiliane und er dem kleinen, aber sehr noblen, Kiosk am Lerchesbergring näherten. Denn dort, gut geschützt vom Schneefall, stand Ariane von Prünn eine Dackeldame aus der Eifel. Auch Maximiliane strahlte, sozusagen parallel zum Schwanzgewackel von Hatto, denn sie hatte schnell registriert, dass Ariane an diesem kalten Wintermorgen vom Sohn ihres Besitzers zur Morgenrunde ausgeführt wurde: Frank Gerold lehnte locker an der kleinen Theke und trank einen Kaffee und aß ein Nutellacroissant.

Frank erblickte Maximiliane und strahlte ebenfalls, denn er kannte die kleine zierliche Blondine schon von ihren ersten gemeinsamen Schritten an. Sie wuchsen zusammen in einem der besten Viertel der Mainmetropole auf und hatten schon früh gemerkt wie sehr der Andere einen anzog, oder besser auszog (zumindest in Franks Träumen).

Am Tresen des kleinen – Champagne-Inn – lag wie an jedem anderen Kiosk in Frankfurt die BILD ganz vorne. Frank hatte die Schlagzeile – Hurenmord im Nordend – gerade überfolgen als er Maxi sah. Schnell legte er die Zeitung des kleinen Mannes zur Seite und schob die NZZ in seine Richtung. Glücklicherweise führte dieser Kiosk der Reichen und Schönen am Lerchesberg nicht nur eine exklusive Auswahl von Champagnersorten und eine stets frische Selektion an Austern (für den Happen während des Gassigehens), sondern auch eine bunte Vielfalt an internationalen Zeitungen.

Maxi sah wie Frank die BILD unter der NZZ verschwinden ließ, aber es störte sie nicht. Es fröstelte sie ganz leicht, denn sie hatte sich dummerweise für ein sehr dünnes Paar von Lacoste-Sneakers entschieden und darunter nur sehr dünne Söckchen von Palmers angezogen, glücklicherweise hielt sie der Gant-Pulli ihres Bruders warm und der Burberrymantel hielt den kalten Wind aus dem nahegelegenen Stadtwald ab.

Frank bewunderte Maxi für ihre Eleganz, er erkannte aus der Ferne die Gucci-Leine des Hundes und die einfachen Lacostetreter, in denen sie frieren musste!

Er bestellte schnell einen Kakao aus 80%-iger Curryschokolade, denn er wusste Maxi liebte diese Sorte vom Champagne-Inn, und lehnte sich lässig zurück.

Er hätte einfach nachdenken sollen, er stand am Ende des kurzen Tresens und als er sich locker in Pose brachte, rutsche er auf dem letzten Zentimeter mit dem Ärmel seines nassen Mantels ab und verlor das Gleichgewicht. Frank landete im Schnee und rappelte sich nur langsam auf, als Maxi den Kakao von Hans, dem Besitzer des Luxuskiosk, in die Hand gedrückt bekam.

Josef, der Mitarbeiter der Deutschen Bank aus der Nachbarschaft, half Frank wieder hoch. Er hatte gerade seinen Stapel Zeitungen und die Morgenbrötchen abgeholt. Er rief Frank in seinem Schweizer Dialekt noch zu, dass er sich nicht immer zu weit nach hinten beugen solle, sonst würde er eines Tages einen krumme Rücken bekommen und arm aussehen, dabei lachte er wie immer und ging siegessicher in Richtung seiner Dienstvilla.

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